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Altenburg Geheime Treppen: Ab zum Schäferstündchen?
Region Altenburg Geheime Treppen: Ab zum Schäferstündchen?
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00:17 13.02.2018
Wohin führen die geheimen Treppen im Altenburger Schloss? Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Toll trieben es die Adligen in ihren Schlössern und Burgern. Das weiß jeder. Um bei ihren amorösen Abenteuern möglichst unbeobachtet zu bleiben, ließen die lüsternen Fürsten und brünstigen Grafen hinter den Wänden Flure und Treppenhäuser anlegen. Auf geheimen Pfaden rauschte man so leicht zum Schäferstündchen, oder die Flamme konnte sich von dort unbemerkt und rechtzeitig verdünnisieren.

Altenburger Herzöge mussten sittsam durch Gänge gehen

Erotische Fluchtwege muss es doch auch auf dem Altenburger Schloss geben, das schon vor Jahrhunderten angelegt und seitdem immer wieder nach dem Gusto der getriebenen Hausherren umgebaut wurde. Gleich vorneweg: Es gibt sie, aber leider nicht in der Vielzahl, wie sie eine erregte Phantasie vermuten mag. Die Altenburger Herzöge mussten meist sittsam durch stinknormale Flure wandeln und beinahe gänzlich auf Gänge verzichten, die sich hinter den Wänden versteckten. Sehr schade!

Bedauernswertes Schattendasein

Dennoch verfügen die herzoglichen Gemächer und die drei Flügel des Schlosses über einige Treppen, um die kaum jemand weiß. Die Erste, um die es hier geht, kannten nicht einmal die Herzöge selbst. Denn das futuristisch anmutende Treppenhaus wurde erst zu Beginn der 1990er-Jahre angelegt, und zwar im Zwickelbau, der die Junkerei mit dem Festsaalflügel verbindet. Es ist ein Fluchtweg, der als solcher aber noch nie benutzt wurde und der demnach ein bedauernswertes Schattendasein fristet.

Hoch hinauf zum Türmerstübchen

Ähnlich ergeht es der Mittelspindel im Treppenturm, und zwar ab jener Stelle, von wo aus eine uralte massive Holzbohlen-Treppe hoch zum Türmerstübchen führt, das einst sogar beheizt werden konnte. Beobachter von der Stadt aus dürfen dort zurecht jenen Ort vermuten, über dem unmittelbar darüber die Fahne weht.

Wunderlicher Gang zur Luke über der Kirche

Noch enger wird es in der Spindel, die in der Kirche beginnt, sich hoch windet zu einem wunderlichen Gang über dem Oberboden der Kirche, auf dem man sich leicht den Kopf stoßen kann. Auf diesem einsamen Holzweg gelangten einst Jene in die Höhe, die über einer Luke im Gebälk etwas ins Kirchenschiff herablassen wollten – oder auch anderes vorhatten.

Enge Wendeltreppe hinterm Waffenschrank

Richtig in Fahrt gerät die Phantasie allerdings erst in den herzoglichen Gemächern. Man sieht ihn schon, den schönen hölzernen, verzierten Waffenschrank von Herzog Ernst II. in seinem Jagdzimmer. Was man aber nicht sieht und auch nicht vermuten würde, ist eine enge Wendeltreppe dahinter, die ins zweite Geschoss führt. Betreten konnte man diese aber erst im Nebenzimmer. Die Spindel führt hinauf ins Schlafgemach seiner Frau Adelheid zu Schaumburg-Lippe – eine räumliche Trennung, die zu jener Zeit durchaus üblich war. Der Altenburger Adlige ließ jene Anlage um 1908 errichten. Bleibt nur die Frage, ob die Heidi lieber runter oder Ernstl eher zu ihr nach oben stieg. Zumindest bekam von dem Begängnis niemand etwas mit.

Winziger Raum hinterm Schlafgemach

An der Heimlichtuerei in den Gemächern nicht zu toppen ist aber jene Treppenanlage, die vor langer Zeit angelegt wurde und die es schon zu Zeiten von Herzog Friedrich II. (1676 – 1732) gab. Der Eingang befindet sich in einem winzigen Raum zwischen Bachsaal und herzoglichem Schlafgemach. Von dort aus ging Fritz ins Audienzgemach. Die räumliche Anordnung ist im Barock in allen drei Etagen gleich, wobei im oberen Stockwerk die Gäste oder Nachkommen unterkamen, in dem darunterliegenden der Chef und in der ersten Etage seine Holde wohnte. Die verborgenen Treppen verbinden alle drei Stockwerke auf kürzestem Weg, ohne den langen Gang über die endlosen Flure nutzen zu müssen. Was die Adligen dort sonst noch taten? Wer weiß.

Fahrstuhl-Pläne mussten begraben werden

Fest steht, dass die Schloss-Herren und -Damen irgendwann keine Lust mehr aufs Treppensteigen hatten. Anfang des 20. Jahrhundert begann der Bau eines Fahrstuhles im Nordflügel. Den Schacht dafür konnte Ernst II. tatsächlich noch errichten lassen. Er ist bis heute vorhanden, was nicht so viele wissen. Dann kam der erste Weltkrieg, in dessen Folge der Herzog bekanntlich nicht nur seine Aufzugspläne begraben musste.

Von Jens Rosenkranz

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