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Gerhard-Altenbourg-Preis 2017 geht an die Schweizer Malerin Pia Fries

Lindenau-Museum Gerhard-Altenbourg-Preis 2017 geht an die Schweizer Malerin Pia Fries

Die Malerin Pia Fries wird im kommenden Jahr mit dem Gerhard-Altenbourg-Preis ausgezeichnet. Damit habe sich das Kuratorium für „eine Vertreterin der reinsten Malerei“ entschieden, hieß es am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. Fries ist die erste Frau, der diese Ehrung zuteil wird. Zugleich ist die Debatte um den Vergabe-Rhythmus beendet.

Drei der insgesamt 14 Kuratoriumsmitglieder – Landrätin Michaele Sojka, Museumsdirektor Roland Krischke und Sparkassenchef Bernd Wannenwetsch (v.l.) – präsentieren vor dem Foto von Gerhard Altenbourg Werke der Preisträgerin Pia Fries.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Die Malerin Pia Fries wird im kommenden Jahr mit dem Gerhard-Altenbourg-Preis ausgezeichnet. Damit habe sich das Kuratorium für „eine Vertreterin der reinsten Malerei“ entschieden, teilten drei der insgesamt 14 Kuratoriumsmitgliedern am Donnerstag auf einer Pressekonferenz im Altenburger Lindenau-Museum mit: Landrätin Michaele Sojka (Linke), Sparkassen-Chef Bernd Wannenwetsch und Museumsdirektor Roland Krischke. Die gebürtige Schweizerin (61) zeichne sich durch einen sehr kreativen Umgang mit Farbe aus, so Krischke. Auf ihren Leinwänden arbeite sie mit Freiflächen und setze die Farbe mit Spatel und Rechen ins Dreidimensionale, verwende aber auch Collagetechniken. In ihren Werken zitiere sie zudem Vorbilder aus der Kunst- und Kulturgeschichte.

Die Schau mit Arbeiten von Fries soll im November 2017 am Lindenau-Museum eröffnet werden und bis Januar 2018 zu sehen sein. Zur Vernissage der Ausstellung werde der Künstlerin dann offiziell der Preis überreicht. Erstmals in der Geschichte des seit 1998 nunmehr zum zehnten Mal vergebenen Preises wird eine Frau für ihr beeindruckendes Schaffen gewürdigt.

„Das wurde aber auch Zeit“, kommentierte Krischke am Donnerstag die Entscheidung des Kuratoriums, die auf dessen Sitzung am Sonnabend gefallen ist. Von den Mitgliedern werden Vorschläge unterbreitet und danach so lange diskutiert und geheim abgestimmt, bis ein Kandidat die einfache Mehrheit erhält, erläuterte der neue Museumschef, der qua Amt im Kuratorium sitzt und damit zum ersten Mal an der Entscheidung teilnahm. Insgesamt waren neun Namen „im Topf“.

„In einer solchen Sitzung geht es nicht darum, einer Meinung zu sein, da wird echt um Kunst gestritten. Nach gut drei Stunden und mehreren Wahlgängen hatten wir unseren neuen Preisträger“, so Krischke. Und was fast noch wichtiger ist: Er habe am nächsten Tag mit Pia Fries telefoniert und sie hat erklärt, dass sie die Ehrung annehmen wird.

Damit geht zugleich ein ziemlich schwieriges Kapitel zu Ende. Zur Erinnerung: Eigentlich wird der Gerhard-Altenbourg-Preis seit 1998 aller zwei Jahre vergeben. Zuletzt wurde 2014 dem Berliner Künstler Olaf Holzapfel diese Ehre zuteil. Damit wäre also schon 2016 neuerlich ein Preis zu vergeben gewesen. Die Entscheidung war Ende des vergangenen Jahres auch bereits gefallen, doch die designierte Preisträgerin schlug die Auszeichnung aus. Sie begründete dies mit den Querelen um die – gerade zu diesem Zeitpunkt publik gewordene – Nichtverlängerung des Vertrags der damaligen Direktorin des Lindenau-Museums, Julia M. Nauhaus, durch die Landrätin.

Mehr noch: Insgesamt fünf Kuratoriumsmitglieder erklärten aus dem gleichen Grund ihren Austritt. Michaele Sojka hatte obendrein mit ihrem Ansinnen für Unruhe gesorgt, den Vergabe-Rhythmus auf drei Jahre ausdehnen zu wollen. Doch davon ist jetzt keine Rede mehr. „Wir bleiben beim Zwei-Jahres-Rhythmus“, erklärte Sojka auf OVZ-Anfrage.

Pia Fries lebt und arbeitet in Düsseldorf und München. Nach einem Studium an der Werkkunstschule von Luzern ging sie 1980 zum Studium an die Düsseldorfer Kunstakademie zu Gerhard Richter, dessen Malerei ihr die entscheidende Grundlage für ihre eigene Entwicklung bot. „Diese Malerin scheint einem Material-Fetischismus verfallen zu sein. Sie mischt alle Farben durcheinander wie ein Dämon, der die vertrauten Intervalle, Abstufungen, Kerbungen des Farbigen mit Leichtigkeit überspringt“, schrieb der Philosoph Paul Good 2007. Nach Lehrtätigkeit an den Kunstakademien in Düsseldorf, Karlsruhe und Berlin bekleidet Pia Fries nun eine Professur für Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in München.

Im Januar will die Malerin das erste Mal nach Altenburg kommen und das Museum in Augenschein nehmen. „Ich bin sehr gespannt, was sie bei uns ausstellen wird. Denn das Schöne an diesen Preisträger-Ausstellungen ist ja, dass sie für beide Seiten ein Abenteuer sind“, erklärte Roland Krische und ergänzte mit Blick auf die Tatsache, dass mit Pia Fries zum zweiten Mal ein Künstler aus der Schweiz den Preis erhält, schmunzelnd: „Hoffentlich bringt sie Schokolade mit.“

Hintergrund:

Seit 1998 vergibt das vom Lindenau-Museum Altenburg berufene Kuratorium den Gerhard-Altenbourg-Preis, der gegenwärtig mit 50 000 Euro dotiert ist. Gestiftet wurde er in Erinnerung an den großen Altenburger Zeichner und Grafiker (1926-1989). Das Preisgeld bedenkt den Künstler mit 10 000 Euro, umfasst darüber hinaus eine Ausstellung im Lindenau-Museum und eine ausstellungsbegleitende Publikation. Der alle zwei Jahre vergebene Gerhard-Altenbourg-Preis ist der wichtigste Kunstpreis des Freistaates Thüringen. Preisträger waren bisher Carlfriedrich Claus, Walter Libuda, Roman Opalka, Markus Raetz, Lothar Böhme, Cy Twombly, Micha Ullman, Michael Morgner und Olaf Holzapfel. Gefördert wird der Preis von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Sparkasse Altenburger Land und vom Freistaat Thüringen.

Von Ellen Paul

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