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Altenburg Geschenkte Zeit
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20:49 03.11.2013
Altenburg

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Zweimal im Jahr werden sie in der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde aufgestapelt, auf dass sie jeder, der Lust hat, nutzen kann. So auch am vergangenen Sonnabend zur inzwischen zehnten Auflage dieses Tags, dessen Existenz und Erfolg vor allem dem Enthusiasmus und ehrenamtlichen Einsatz einer Frau zu verdanken ist. Für unsere Zeitung Grund genug, ihr den Blumenstrauß des Monats zu überreichen. Die Rede ist von Gabriele Orymek, der Frau der Spiele.

Man kann auch Spieletante zu ihr sagen. Das gefällt der 42-jährigen Altenburgerin vielleicht sogar besser. Denn so nennen sie liebevoll die Kinder, die am Sonnabend permanent an ihrem Jackenärmel zupfen und Fragen über Fragen stellen. Weil sie Rat wollen, wie ein bestimmtes Spiel weitergeht, weil sie sich nicht entscheiden können und einen Tipp wollen, weil sie ein ganz bestimmtes Spiel suchen. Gabi Orymek wird nicht müde, zu antworten. Wenn sie durch die rappelvollen Säle geht, wo es am Nachmittag kaum noch einen freien Stuhl gibt, dann lobt sie, animiert begeistert zum Weitermachen, nimmt immer wieder ein Kind in den Arm. Es ist, als ob Gabriele Orymek nicht nur alle Spiele, sondern auch alle Besucher kennen würde.

Es scheint, als habe sich ihre Leidenschaft fürs Spielen auf die Gäste übertragen. Und genau das ist der Sinn des Unterfangens, das vor sechs Jahren auf der Leipziger Spielemesse seinen Anfang nahm. Denn zu Hause bei Orymeks wird schon immer gern gemeinsam gespielt. Deshalb fährt die Familie zur Messe, um sich inspirieren zu lassen. "Mein Mann hatte danach die Idee, in Altenburg mal einen gemeinschaftlichen, öffentlichen Spieletag auf die Beine zu stellen", erinnert sich Gabriele. Sie schreiben Hersteller und Verlage an, bitten um Unterstützung. Doch das läuft nur sehr zäh. Zumindest die einheimische Spielkartenfabrik macht mit und spendiert 50 Karten- und drei andere Spiele. Doch das reicht nicht. So kommt Gabriele Orymek auf die Idee, sich für eine Internetplattform als Spiele-Bewerter zu bewerben. Das hat geklappt, sodass sie jetzt immer mit neuen Spielen ausgestattet wird.

2008 ist es dann soweit. Mit 233 Spielen und rund 80 Besuchern startet der 1. Altenburger Spieletag. Inzwischen sind es über 1100 Spiele und mehrere Hundert Besucher. "Da wir keinen Eintritt nehmen und mittlerweile jeden verfügbaren Raum nutzen, kann man die genaue Besucherzahl nicht benennen." Und allein bewältigen kann die Familie - neben dem Ehemann sind inzwischen auch die beiden 18 und 14 Jahr alten Töchter fest in die Organisation eingebunden - die Sache schon lange nicht mehr. Denn als Krankenschwester im Altenburger Klinikum beziehungsweise als Leiter der freikirchlichen Gemeinde hat das Ehepaar zudem anspruchsvolle und fordernde Berufe. Rund 30 bis 40 Kinder und Jugendliche, die in der Kirchgemeinde aktiv sind, unterstützen die Orymeks deshalb. "Darauf bin ich ganz besonders stolz. Das ist eine tolle Leistung", sagt die Cheforganisatorin. Außerdem erhält sie Unterstützung von vielen Erwachsenen, die zum Beispiel für die Versorgung der Gäste verantwortlich zeichnen. "Man sollte nicht nur um Spielen hierherkommen, sondern auch den Kuchen probieren. Denn jeder backt nur einen, seinen besten", lacht Gabriele. Mit dem Erlös des Verkaufs kann man die Kosten für den Spieletag zumindest ein bisschen refinanzieren.

"Wer mir vor fünf Jahren gesagt hätte, was da auf mich zukommt, den hätte ich salopp gesagt einen Vogel gezeigt. Doch jedes Mal, wenn ich aussteigen wollte, weil mir die ganze Sache über den Kopf wächst, gab es irgendwie ein Zeichen, das mich zum Weitermachen veranlasste", erzählt die gläubige Christin. So hat ihr jemand, der von ihrem Engagement nichts wusste, einmal völlig unverhofft ein Spiel geschenkt. Gabi Orymek hat dies als Wink verstanden.

Deshalb ist sie mit Unterstützung ihrer Familie und ihrer zahlreichen Helfer auch weiterhin mit Enthusiasmus dabei, die Familien, vor allem die Kinder weg vom PC zu holen. Aus der virtuellen Welt in die reale, wo man beim Spielen kreativ sein muss und Beisammensein erlebt. "Zeit, die man auf diese Weise gemeinsam verbringt, ist das schönste Geschenk, das man seinen Kindern machen kann. Spielen ist geschenkte Zeit", sagt Gabriele Orymek.

@Internet: www.altenburger-spieletag.de oder www.spielkult.de

Ellen Paul

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