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Altenburg Geschichtsträchtige Grabmäler auf dem Fockendorfer Friedhof
Region Altenburg Geschichtsträchtige Grabmäler auf dem Fockendorfer Friedhof
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17:11 18.06.2017
Fockendorfs Bürgermeister Karsten Jähnig möchte die beiden historischen Grabsteine restaurieren und vor dem Verfall bewahren.  Quelle: Mario Jahn
Fockendorf

Ein ganz besonderes Zeugnis der dörflichen Geschichte steht auf dem Friedhof in Fockendorf. Direkt neben dem Haupteingang des älteren Friedhofs findet man, ein wenig überdeckt von einer Konifere, zwei alte Grabsteine. Auf den ersten Blick scheinen sie nichts Besonderes zu sein. Aber sie haben eine lange Geschichte.

„Wir haben sie eher zufällig gefunden, als wir 2004 den Friedhof vom Kirchspiel Treben übernahmen“, erinnert sich Karsten Jähnig, Bürgermeister in Fockendorf. Beim Zurückschneiden der großen Konifere stießen sie auf die zwei Steine. „Die Steine sind aus gutem Sandstein, deswegen sehen sie trotz ihrer rund 240 Jahre noch so gut aus.“ Aber wer hat diese Steine so kunstvoll gefertigt?

Die Inschriften geben darauf einen Hinweis. „Gemeißelt hat sie der ortsansässige Steinbruchmeister Johann Georg Krause“, erklärt Jähnig. „Er war hier im Sandsteinbruch als Steinbrecher angestellt. Scheinbar verfügte er aber auch über die Fertigkeiten eines Steinmetzes. Den Stein für seine Ziehtochter und für sich selbst fertigte er an.“

Die beiden Grabmäler, positioniert auf zwei Sockeln, sind etwas über zwei Meter hoch und reich verziert. Engel, Blumen, Säulen und Ornamente zieren den verwitterten Stein. Beide Steine sind mit einer Inschrift versehen, die die Geschichte der Familie Kluge erzählt.

Die Inschriften hat sich Frank Heinzig, Ortschronist und Vereinsvorsitzender der Papierfabrik Fockendorf, kurz nach der Entdeckung der Steine genauer angesehen. Der linke der Steine beschreibt die Wohn- und Eheverhältnisse von Johann Georg Krauße. Er wurde 1702 geboren, lebte in Fockendorf und heiratete Martha Trebs. Da die Ehe kinderlos blieb, beziehungsweise beide Töchter kurz nach der Geburt verstarben, nahmen sie sich „als ihren Vetter und Muhme“ Elisabeth Engert an. Das geht aus dem rechten der beiden Steine hervor.

Ob Elisabeth Engerts Ziehmutter ihre Cousine oder Tante war, kann Heinzig nicht zweifelsfrei sagen. Das Wort Muhme kann beides bedeuten.

„Wenn die Steine restauriert sind, würde ich sie gerne in der Trebener Kirche unterbringen“, wagt Jähnig einen Blick in die Zukunft. „Aber laut Denkmalschutz werden sie wohl hier auf dem Friedhof bleiben.“ Konkrete Pläne für eine Restaurierung gebe es zwar momentan noch nicht, aber Jähnig betont: „Es muss bald etwas passieren. Ewig wird sich auch der qualitativ hochwertige Sandstein nicht halten.“ Ähnlich wie beim Kriegerdenkmal kann sich der Bürgermeister vorstellen, einen Spendenaufruf zu starten. Außerdem sollen Fördergelder beantragt werden.

Nicht nur auf dem Friedhof hinterließ der versierte Steinbruchmeister seine Spuren. Auch im Haus der Familie frönte er seinem Hobby. „Dort findet man verzierte Zaunpfähle und Regale im Keller.“ Das Haus – bekannt als „Kluges Gut“ – wurde 1723 durch den Vater von Krauße von der Gemeinde erworben. Über mehrere Generationen blieb es in Familienbesitz, bevor es 1877 an Louis Kluge verkauft wurde.

„Die beiden Grabsteine sind allein aufgrund ihres Alters, ihrer kunstvollen Ausführung und ihres Informationsgehalts ein kleines Juwel für den Friedhof“, sagt Ortschronist Heinzig. Auch oder gerade weil sie das Leben von einfachen Menschen darstellen und keiner hochgestellten Familie.

Von Tatjana Kulpa

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