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Gesichert unsicher - trotz neuer Finanzvereinbarung fehlen Altenburg-Geraer Theater zwei Millionen Euro

Gesichert unsicher - trotz neuer Finanzvereinbarung fehlen Altenburg-Geraer Theater zwei Millionen Euro

Worüber seit über einem Jahr hart verhandelt wurde, dessen Eckdaten seit Monaten bekannt und durch zuständigen Gremien befürwortet sind, trägt nun auch ganz offiziell die notwendigen Unterschriften - die neue Finanzierungsvereinbarung für das Altenburg-Geraer Theater von 2013 bis 2016. Die gestern medienwirksam in Gera zelebrierte Unterzeichnung kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ab 2013 ein neues Loch von jährlich rund zwei Millionen Euro droht und die Meinungen über dessen Schließung zwischen der Geschäftsführung und den Geldgebern weit auseinander gehen.

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Passendes Ambiente: Auf der Bühne des Geraer Theaters unterzeichnen der Landrat des Altenburger Landes, Sieghardt Rydzewski, der Geraer Oberbürgermeister Norbert Vornehm, der Thüringer Kulturminister Christoph Matschie und der Altenburger Oberbürgermeister Michael Wolf (v.l.) die neue Finanzierungsvereinbarung.

Quelle: Stephan Walzl

Gera. Von Ellen Paul

Die Zukunft des Theaters ist für weitere vier Jahre gesichert. Unter dieser Überschrift steht die Pressemitteilung, die gestern zur Unterzeichnung ausgeteilt wird. Und genau das ist offensichtlich auch das grundsätzliche Signal, dass von dieser Veranstaltung ausgehen soll. "Ein klares Bekenntnis zum Theater", nennt Thüringens Kulturminister Christoph Matschie (SPD) die Finanzierungsvereinbarung. Sie bringe Planungssicherheit bis 2016, während sich andere Theater in Deutschland Jahr für Jahr neuen Vertragsverhandlungen stellen müssten. Das Land erhöht seinen Anteil sogar um jährlich 200 000 Euro und habe im Vorjahr dazu beigetragen, dass das Haus vor der drohenden Insolvenz gerettet werden konnte.

Ähnlich lobende und zufriedene Töne schlagen auch die drei Gesellschafter an. "Mit dieser Vereinbarung bekennen wir uns zu unserem fusionierten Theater", sagt beispielsweise Geras Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm, derzeit Aufsichtsratsvorsitzender der Theater GmbH. "Außerdem sichern wir die Arbeitsplätze der knapp 300 Mitarbeiter." Altenburgs OB Michael Wolf (beide SPD) spricht von einem Etappenziel und einem wichtigen Fundament, und Landrat Sieghardt Rydzewski (parteilos) sieht in der Vereinbarung den wichtigsten Baustein für die Grundfinanzierung von Thüringens einzigem Fünf-Sparten-Haus. Es habe dann, einschließlich der eigenen Einnahmen, ein Budget von jährlich insgesamt 18 Millionen Euro. "Mit so viel Geld kann man auch viel gutes Theater machen. Ein Obendrauf kann es nicht geben", sagt Rydzewski.

Und das nicht ohne Grund. Denn alle am Tisch wissen es, bestätigen es aber erst auf Nachfrage der Journalisten: Mit der beabsichtigten Rückkehr zum Flächentarifvertrag ab 2013 klafft jährlich ein neues Loch von rund zwei Millionen Euro. Und das können, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende ziemlich klar, weder das Land noch die drei Gesellschafter - die Städte Gera und Altenburg sowie der Landkreis Altenburger Land - stopfen. "Wir können doch nicht sagen, wir schließen Kindergärten, um das Theater noch mehr zu finanzieren", so Geras OB.

Um die unbestreitbar vorhandene Deckungslücke zu schließen, so Vornehm, muss es zu Gesprächen mit den Gewerkschaften und Vereinbarungen zwischen der Geschäftsführung und den Beschäftigen kommen. "Wir gehen davon aus, dass die Bereitschaft aller Beteiligten dazu da ist. Kommt das nicht zustande, werden in der Tat erhebliche strukturelle Veränderungen nötig sein." Das hieße, einzelne Sparte zu schließen oder arg zu stutzen.

Um dies zu verhindern, soll also doch ein neuer Haustarifvertrag abgeschlossen werden. Und der muss, das hatte der Altenburger OB schon Ende vergangenen Jahres erklärt, deutlich unter den Konditionen des derzeit gültigen liegen.

Der neue Generalintendant Kay Kuntze, bei der Vertragsunterzeichnung in der letzten Reihe des Auditoriums sitzend, nannte es hingegen in einem just kurz zuvor veröffentlichten Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa "unanständig", dieses Defizit allein den Mitarbeitern aufzubürden (siehe nebenstehenden Beitrag).

Keine Einschnitte befürchten muss hingegen das Ballett. Darüber hält der Freistaat künftig schützend seine Hand und hat es zum Thüringer Staatsballett erkoren. Die Personal- und Sachkosten von rund 1,5 Millionen Euro trägt komplett das Land; sie sind zweckgebunden in dem künftigen Landeszuschuss enthalten. Und auch die neue Ballettdirektorin Silvana Schröder muss nicht um ihren Job bangen. Es gebe keinen Grund, an der Spitze des Balletts etwas zu ändern, so der Kulturminister, der bei der Besetzung der "unabhängigen künstlerischen Leitung" entsprechend der neuen Finanzierungsvereinbarung ein Wörtchen mitzureden hat.

 

-Kommentar Seite 13

 

 

Die Theater erhält von 2013 bis 2016 jährliche Zuwendungen von insgesamt 16,4 Millionen Euro. Das Land Thüringen steuert 9,7 Millionen Euro bei. Die kommunalen Gesellschafter bringen insgesamt 6,7 Millionen Euro auf. Davon zahlt die Stadt Gera 25 Prozent, der Landkreis Altenburger Land elf Prozent und die Stadt Altenburg sechs Prozent.

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