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Gesichter für die Toten Schüler-Projekt zur Aufklärung der Identität der Opfer der Leinawald-Massengräber gestartet

Gesichter für die Toten Schüler-Projekt zur Aufklärung der Identität der Opfer der Leinawald-Massengräber gestartet

Nobitz/Langenleuba-Niederhain. Das geplante Schüler-Projekt zur Suche nach Angehörigen der Toten aus dem Leinawald hat in dieser Woche an der Wieratalschule in Langenleuba-Niederhain begonnen.

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Nobitz Bürgermeister Hendrik Läbe zeit ein Fotoer einer Zwangsarbeiter kollonne aus in der Regelschule Langenleuba-Niederhain beim Russisch Unterricht berichtet und zeigt Unterlagen den Schülern von den Zwangsarbeitern auf dem Flugplatz

Quelle: Mario Jahn

Von Jörg Reuter

"Füttern verboten, das sind doch nur Russen", brüllt ein deutscher Soldat, der den Gefangenenzug bewacht - Wolfgang Böhme zitiert die Worte eines Zeitzeugen. Mit deutlichen Worten beschreibt er das Grauen und die Unmenschlichkeit des faschistischen Deutschlands. Ebenso Hendrik Läbe, der gleich zu Beginn Bilder der Massengräber aus dem Leinawald zeigt. Im Anschluss projiziert er Fotos junger Männer an die Wand. Es sind Bilder der Gefangenen. Schließlich präsentiert er Unterlagen, auf denen die Deutschen akribisch das Leiden und den Tod der vornehmlich russischen Soldaten dokumentierten. Darunter waren auch Datenblätter mit Bildern der Opfer. "So bekommen die Knochen Gesichter", sagt Läbe und benennt damit das Ziel des Schüler-Projektes.

Von den Gräueltaten des Nazi-Regimes haben die Zehntklässler zwar schon gehört. Im Geschichtsunterricht war die Zeit bis 1945 bereits Thema. Jedoch was im Lehrbuch abstrakt und weit weg erscheint, erhält durch die Leichen im Leinawald konkrete Züge und wird so für die Heranwachsenden greifbar. "Das Traurige ist, auch auf unserer Gemarkung haben sich solche grausamen Szenen abgespielt", erklärt Läbe den Schülern. "Das muss aufgearbeitet werden."

Die ersten Knochen wurden bereits 1996 im Leinawald entdeckt. Nach Bürgerhinweisen im Mai wurden dann weitere sterbliche Überreste von Menschen gefunden. Die anschließenden Untersuchungen ergaben: Bei den Toten handelt es sich größtenteils um russische Kriegsgefangene aus dem Zweiten Weltkrieg. Im Oktober übergab dazu die Stiftung Sächsische Gedenkstätten eine Liste mit Namen von 110 sowjetischen Soldaten, die im Leinawald verscharrt sind (OVZ berichtete). Anhand dieser Dokumente, so regte Läbe an, könnten die Schüler der zehnten Kasse der Wieratalschule Recherchen anstellen, um die hinterbliebenen Familien zu finden. Bestenfalls könnten so noch immer klaffende Wunden der Ungewissheit bei Angehörigen geschlossen werden und den Toten ihre Identität zurückgegeben werden.

Vorgestern wurde nun die Idee des Schüler-Projektes in die Tat umgesetzt. Bis März wird die Abschlussklasse in dem fächerübergreifenden Projekt versuchen, die teilweise russischen Inhalte der Dokumente zu übersetzen. Im Anschluss wollen die Schüler mit russischen Archiven und Behörden Kontakt aufnehmen und um Hilfe bei der Suche nach den Hinterbliebenen bitten. "Die Schüler werden in Gruppen arbeiten und sich im Russisch- und Geschichtsunterricht auf vielfältige Weise damit befassen und hoffentlich dabei viel lernen", so Klassenlehrer Janek Fahrow.

"Ich freu' mich auf die Arbeit. Ich möchte herausfinden, was damals abging und wie die Gefangenen hier gelebt haben", sagt Schüler Marcel Müller. Zwar findet er es gruselig zu wissen, dass im Leinawald Massengräber sind. Aber er freut sich auch auf die Arbeit, denn er ist sich sicher, mit den Nachforschungen den Familien der Opfer helfen zu können. Doch nicht er oder seine Klassenkameraden können die Mammutaufgabe abschließen. Schon jetzt ist klar: Damit werden sich auch zukünftige Abschlussjahrgänge befassen.

 

-Standpunkt Seite 13

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