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Altenburg Gewässerschau am Spannerbach
Region Altenburg Gewässerschau am Spannerbach
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00:26 17.04.2018
Die Romantik der Teppiche aus Buschwindröschen am malerischen Bachlauf im Leinawald ist trügerisch: Maßnahmen wie das Entfernen von Steinen aus dem Gewässerbett sind aufwendig und teuer. Zahlen muss bei Gewässern zweiter Ordnung wie dem Spannerbach die jeweilige Gebietskörperschaft, etwa die Gemeinde Nobitz. Quelle: Jörg Reuter
Nobitz/Langenleuba-Niederhain

Dafür müsse ein Tag Urlaub geschrieben werden – das war der Running Gag am Mittwoch zur Gewässerschau der Unteren Wasserbehörde, die diesmal den Spannerbach im Visier hatte. Von seiner Mündung in die Pleiße bei Remsa ging es Richtung Ehrenhain, wo er entspringt, quer über Felder und durch den nach Bärlauch duftenden und von Frühblühern strotzenden Leinawald. Und obgleich dem ein gewisser Wandertagscharakter schwer abzusprechen war, ist die Begutachtung und Aufnahme des Ist-Zustandes der Gewässer notwendige Behördenarbeit.

Das zeigte sich gleich zu Anfang am Wehr im Spannerbach bei Remsa, das nach Auffassung der Behörden Probleme bereitet. Denn das Bauwerk wenige hundert Meter hinter der Mündung ist der Grund, warum bachaufwärts praktisch keine Fische im klaren Wasser zu sehen sind. Diese können schlicht das Hindernis nicht passieren, erklärte Martin Dittrich von der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG). Er ist der Koordinator zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie.

Diese sehe vor, bis 2021 die Durchgängigkeit und Gewässerstruktur zu verbessern. Ersteres soll vor allem Fischen ermöglichen, die Gewässer wieder zu besiedeln. Der zweite Aspekt ziele darauf ab, dass die Gewässer außerhalb von Siedlungsgebieten ihr Bett in Mäandern selbst finden und den Freiraum haben – bestenfalls 20 Meter rechts und links – dynamisch ihren Verlauf zu verändern, erläuterte Antje Winkler von der Unteren Wasserbehörde.

Einen möglichst naturnahen Spannerbach zu schaffen, begegnet jedoch auch Gegenargumenten. „Das Wehr ist nötig, um unsere Fischteiche zu speisen. Wenn es verschwindet, kann ich die Poschwitzer Teiche aufgeben“, stellte der Chef der Fischerei Altenburger Land, Stefan Schröer, klar. Auf das Wasser des Teichsystems ist auch die Osterland Agrar angewiesen, die laut Aussage des Landratsamtes Inhaber des Wasserrechtes ist. Die Bauern benötigen die Teiche, um ihre Felder zu bewässern.

Was sowohl eine Rolle spielt bei vereinbarten Liefermengen als auch bei manchen Zertifizierungen der Anbauflächen. „Und es gibt Abnehmer, die als Voraussetzung verlangen, dass die Felder, auf denen etwa Kartoffeln angebaut werden, bewässert werden können“, betonte, Dirk Rothe, Mitarbeiter der Agrar-GmbH. Dazu komme, dass die Teiche selbst auch Habitate darstellen, sprich Lebensraum für verschiedene Arten sind und somit ebenfalls Schutz genießen. Letztlich kollidieren gleich mehrere Rechte, teilweise sogar gleichartige wie der Naturschutz des Bachs auf der einen und der der Teiche auf der anderen Seite.

Die Gewässerschau, für die sich der Fachdienst des Landratsamtes jedes Jahr einen anderen Bach oder Fluss aussucht, ist jedoch nicht dazu da, um vor Ort Entscheidungen zu fällen. Vielmehr soll am Gewässer erörtert werden, welche Maßnahmen geboten sind und was dagegen spricht. „Deswegen lade ich auch immer die Inhaber der Wasserrechte dazu ein“, erläuterte Winkler auf dem Weg zum Leinawald.

Der westlichste Zipfel ist Flora-Fauna-Habitat (FFH) und Natura-2000-Gebiet. Das bedeutet, dort ist die Natur im positiven Sinn sich selbst überlassen. „Hier darf in die natürliche Entwicklung nicht eingegriffen werden“, so Doreen Rath, Vorsitzende des Landschaftspflegeverbandes, der Träger der Natura-2000-Station Osterland ist. Hier entspricht der Spannerbach nahezu dem Ideal der Wasserrahmenrichtlinie. In Bögen durchzieht das Gewässer den Wald, gerahmt von einem Meer aus Buschwindröschen, Himmelschlüsselchen und violett blühendem Hohlen Lerchensporn. Hier und da liegt Totholz im Bachlauf. Doch die teils dicken Stämme sind für die Naturfachleute der Behörden kein Problem. Im Gegenteil: Anders als von Menschen gemachte Barrieren sind die natürlichen hoch erwünscht. „Beim Umfließen spült das Wasser die Ufer aus. Mit der Zeit bildet sich so ein neuer Bachlauf aus“, erläuterte Dittrich. Demgegenüber seien künstliche Wasserbauwerke gerade dagegen gesichert.

Menschengemacht, wahrscheinlich in den 1930er-Jahren, ist auch die Begradigung und Uferbefestigung des Spannerbachs nahe des Flugplatzes. Auf rund 1,5 Kilometer Länge wirkt das Gewässer nun wie domestiziert. Auch das soll verändert werden. Was bei der dafür zuständigen Kommune Nobitz für Kopfzerbrechen sorgt. „Das bedeutet einen Millionen-Aufwand, den wir als Kommune tragen“, so Bürgermeister Hendrik Läbe (SPD), der vorrangig die Beseitigung der Abstürze – kleine „Wasserfälle“ – will, weil nur diese die Fischwanderung blockieren.

Von Jörg Reuter

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