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Altenburg Glyphosat ist auch auf den Feldern im Altenburger Land im Einsatz
Region Altenburg Glyphosat ist auch auf den Feldern im Altenburger Land im Einsatz
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04:08 07.12.2017
So kann Glyphosat auch aussehen: Valentin Rühlmann zeichnet die chemische Formel im Friedrichgymnasium an die Tafel. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Beim Thema Glyphosat ergreift die Thüringer Landesregierung jetzt die Initiative. Wie das Umweltministerium mitteilt, fordert Behördenchefin Anja Siegesmund (Grüne), die Anwendung von Glyphosat unter anderem bei der Vorerntebehandlung zu verbieten. Am 15. Dezember soll die Initiative im Bundesrat eingebracht werden, heißt es in der Presseerklärung aus Erfurt.

In der Landwirtschaft ist Unkrautbekämpfung unumgänglich. Während Bio-Bauern mechanisch gegen unerwünschtes Grün vorgehen müssen, kommen im konventionellen Betrieb chemische Mittel zum Einsatz. Damit gehört der umstrittene Wirkstoff Glyphosat zum Berufsalltag der Bauern. Das betrifft natürlich auch die Agrar-Unternehmen im Altenburger Land, wie das Landwirtschaftsamt Zeulenroda gegenüber der OVZ bestätigt.

„Es gibt Fälle, zum Beispiel wenn es nötig ist, einen Acker völlig freizubekommen oder ein Problemunkraut bekämpft werden muss, dann kann Glyphosat das Mittel der Wahl sein“, so auch die Geschäftsführerin der Agrar T & P Mockzig, Doreen Rath. Die Partei-Grüne ist sich aber sicher, auch bei Herbiziden gilt: Erst die Dosis macht das Gift. Nicht zuletzt deshalb würden in ihrem Betrieb verschiedene Herbizide zum Einsatz kommen. Wenn möglich selektiv wirkende Mittel, also Herbizide, die nur eine bestimmte Pflanzengattung bekämpfen.

Anders Glyphosat: Das ist ein Breitbandherbizid, das jede grüne Pflanze angreift. Die glyphosathaltigen Mittel werden auf grüne Pflanzenbestandteile aufgetragen, wo dann der Wirkstoff in die Zellen eindiffundiert. Im Inneren stören die Glyphosatmoleküle den Stoffwechsel, indem sie bestimmte Rezeptoren blockieren. Damit wirkt es anders als viele Herbizide. Was ebenfalls von Bedeutung ist, wie Elvira Berger im Landwirtschaftsamt erläutert: „In der Europäischen Union gelten strenge Zulassungsvorschriften. Deshalb darf nur ein kleiner Teil der Pflanzenschutzmittel, die es gibt, verwendet werden. Kommen jedoch wenige Mittel zum Einsatz, bilden sich leicht Resistenzen aus.“

Ohne Unkraut zu bekämpfen, ist Landwirtschaft aber nicht denkbar. Exemplarisch erläutert Stephan Neidhardt, Junior im gleichnamigen Gartenbaubetrieb, das am Beispiel Weihnachtsbaum: Als dreijährige Setzlinge werden die rund 20 Zentimeter hohen Bäumchen auf Plantagen wie an der Zeitzer Straße in Altenburg gesetzt. Überwuchern meterhoch Brennnesseln die Bäumchen, könnten sich diese nicht entwickeln. Es fehlte an Licht. Weil es beim Weihnachtsbaum auch auf Schönheit ankommt, braucht er Licht von allen Seiten. „Deshalb nutzen wir Herbizide, auch glyphosathaltige“, so Neidhardt. Jedoch würde diese nur auf Teilflächen eingesetzt. „Natürlich behandeln wir nicht die gesamte Fläche an der Zeitzer Straße mit Glyphosat. Was letztlich auch zu teuer wäre“, betont Neidhardt.

Würde Glyphosat verboten, müsste auf andere Herbizide oder mechanische Bekämpfung, also Jäten und Grubbern, ausgewichen werden. „Beides bedeutet für die Kunden deutlich höhere Preise“, rechnet Neidhardt vor. Ob Glyphosat alternativlos ist, sei noch offen, meint Rath. Aber sie fände es schade, wenn es Glyphosat nicht mehr gebe. Hartnäckige Kräuter wie der Ackerfuchsschwanz wären kaum in Schach zu halten, worunter die Qualität der Feldfrüchte leiden würde. „Und mechanische Maßnahmen scheiden aus, wenn zum Beispiel das Wetter nicht mitspielt. Etwa wenn der Boden zu feucht ist, um ihn mit Maschinen zu befahren.“ Konventionelle Landwirtschaft brauche deshalb ein Stück weit Herbizide, auch glyphosathaltige. Sie müssten eben nur mit Bedacht und verantwortungsvoll eingesetzt werden, so Rath.

Darunter fällt wohl eher nicht die sogenannte Vorerntebehandlung umgangssprachlich das „totspritzen“ von Getreide. Davon wird gesprochen, wenn das reife Getreide auf dem Feld mit Glyphosat überzogen wird, damit es dann abgestorbenen und trocken leichter und schneller zu dreschen ist. „Explizit verboten ist das bis jetzt nicht“, sagt Elvira Berger der OVZ. Der Einsatz sei aber schon jetzt streng geregelt. Nicht erlaubt sei, ganze Felder zu behandeln. „Genutzt wird das in Thüringen sehr selten, manchmal, wenn Getreide nach Regen und Sturm umgefallen ist.“ Häufiger im Freistaat sei das „Stoppeln“, räumt Berger ein. Das bedeutet, dass nach der Ernte die Felder gespitzt werden, um Keimlinge zu stoppen. Denn der Raps des Vorjahrs ist im Getreidefeld der darauffolgenden Saison dann störendes Unkraut.

Von Jörg Reuter

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