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Greiz will kämpfen, doch nicht gegen Altenburg

Gebietsreform Greiz will kämpfen, doch nicht gegen Altenburg

Der Tag nach dem Paukenschlag. Nachdem Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) am Mittwoch seine Partitur zur Gebietsreform lüftete, hallt landauf, landab ein vielstimmiges Echo. In die Jubelchöre aus Kreissitz-Kandidaten wie Altenburg mischen sich Dissonanzen aus anderen Regionen.

Altenburg, das Zentrum des neuen großen Landkreises mit Greiz – so will es das Innenministerium. Doch es regt sich Widerstand.

Quelle: Patrick Moye

Altenburg/Greiz/Eisenberg. Der Tag nach dem Paukenschlag. Nachdem Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) am Mittwoch seine Partitur zur Gebietsreform lüftete, hallt landauf, landab ein vielstimmiges Echo. In die Jubelchöre aus Kreissitz-Kandidaten wie Altenburg mischen sich Dissonanzen aus anderen Regionen.

Aus Greiz etwa. Der Landkreis soll laut dem aktuellen Gesetzentwurf mit dem Altenburger Land zusammengehen, wobei Greiz seinen Verwaltungssitz verlieren und von der Skatstadt aus geführt würde. Die Greizer Landrätin Martina Schweinsburg hat für diese Aussichten nicht viel übrig. „Wobei ich klar sagen möchte: Es steht für mich nicht zur Debatte, Altenburg und Greiz gegeneinander aufzuwiegen“, betont die CDU-Politikern im OVZ-Gespräch. „Beide Städte sind auf ihren Kreissitz-Status dringend angewiesen. Nicht zuletzt, weil beide in Randlage zu Sachsen liegen – Altenburg im Sog der Metropole Leipzig, Greiz in Nachbarschaft des starken Oberzentrums Plauen. Auch wenn man die geplanten künftigen Kreise anders zuschneiden würde, wird es nicht besser.“

Schweinsburg wehrt sich vielmehr gegen die Kreisgebietsreform in Gänze. „Das ist eine einzige Sinnlosigkeit. Ich kämpfe weiter für das Vogtland und den Erhalt der bewährten Strukturen. Zumal es keinerlei belastbare Wirtschaftlichkeitsberechnungen oder andere Belege gibt, dass das Zusammenwerfen von Landkreisen einen Nutzen hat.“ Greiz könne es sich nicht leisten, „politische Spielereien“ mitzumachen. In der geplanten neuen Struktur würde die Region Gefahr laufen, abgehangen zu werden, ist die Präsidentin des Thüringer Landkreistages überzeugt. „Man sieht ja am Beispiel Schmölln, wohin das führt. Kaum war der Kreis im Altenburger Land aufgegangen, verlor die Stadt ihr eigenständiges Krankenhaus.“

Greiz hat gegen die Reformpläne bereits Klage eingereicht. Und Andreas Heller (CDU), Landrat des Saale-Holzland-Kreises, erwägt seit Poppenhägers Offenbarung am Mittwoch den gleichen Schritt. Dabei erhält seine Region aus Altenburg ernsthafte Avancen. Die Landrätin des Altenburger Landes, Michaele Sojka (Linke), macht sich bekanntlich für eine Fusion der beiden Ostthüringer Kreise stark. Diese Ehe sei einerseits strukturell sinnvoller als ein Zusammengehen mit dem ebenfalls wirtschaftlich schwachen Greiz, zum anderen verweist Sojka auf die gemeinsamen historischen Wurzeln. Von 1603 bis 1918 war die Region Holzland als sogenannter „Westkreis“ Bestandteil des Herzogtums Sachsen-Altenburg.

Das Saale-Holzland will den Brautstrauß allerdings nicht fangen. „Wir haben ja durchaus gute Beziehungen zum Altenburger Land, aber eine Fusion ist für mich nicht diskutabel“, sagte Landrat Andreas Heller auf OVZ-Anfrage. „Wir pflegen gelegentlich den Gedankenaustausch, zum Beispiel zum Thema Schulnetzplanung oder zur Metropolregion Mitteldeutschland – schließlich ist man von Eisenberg aus ebenfalls in einer halben Stunde in Leipzig. Auch die gemeinsamen historischen Wurzeln sind Thema.“

Allerdings zeige die neuzeitliche Entwicklung, dass der Saale-Holzland-Kreis eher mit der Wirtschaftsregion Jena verwoben ist. Und mit dem Landkreis Saale-Orla. „Der wäre, wenn es wirklich sein muss, unser bevorzugter Fusionskandidat. Priorität hat für mich jedoch der Erhalt der bisherigen Strukturen“, betonte Heller. „Dem Saale-Holzland-Kreis ging es nie zuvor so gut wie jetzt. Wir sind wirtschaftlich leistungsfähig, haben eine höhere Beschäftigungsquote als Jena und verzeichnen Zuzug junger Leute, die auch auf den Dörfern Eigenheime erwerben. Es gibt für uns keinen Grund, mit Nachbarn zusammenzugehen.“ Er denke seit Mittwoch verstärkt über eine Klage gegen die Gebietsreform nach. „Ein Monsterkreis mit Saale-Orla und Saalfeld-Rudolstadt, der größer wäre als das Saarland, ist Wahnsinn.“ Trotzdem stehe Altenburg-Holzland nicht zur Debatte.

Also doch Altenburg-Greiz? So oder so lässt Landrätin Sojka keinen Zweifel, dass die Entscheidung für den Kreissitz Altenburg die einzig richtige sei. Nicht zuletzt wegen der historisch wertvollen Verwaltungsgebäude, die die Skatstadt aufzuweisen hat. Anders als Greiz, wie Sojka in einem Brief an Poppenhäger anmerkte. Martina Schweinsburg wies diese Aussage am Donnerstag zurück. „Unser fürstliches Landratsamt wurde 1903 zu Kaisers Zeiten erbaut – für genau diesen Zweck. Und es wurde noch erweitert. In einen Anbau haben wir vor ein paar Jahren erst 12 Millionen Euro investiert.“

Von Kay Würker

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