Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Große Grabstätten nicht mehr im Trend – Altenburg bietet bald Baumbestattung

Stadtrat beschließt neue Friedhofssatzung Große Grabstätten nicht mehr im Trend – Altenburg bietet bald Baumbestattung

Diskussionslos hat der Altenburger Stadtrat am Donnerstag mit großer Mehrheit zwei neue Satzungen zum Friedhof beschlossen. Auf dem 15 Hektar großen Areal wird es künftig Bestattungen an Bäumen, Rasen-Reihengrabstätten sowie ein so genanntes Sternenfeld geben. Auch die Gebühren werden erhöht, zum Teil deutlich.

Ein Rasengrabfeld auf dem Altenburger Friedhof.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. „Das Ende des Lebens wird von den meisten Menschen ausgeblendet“, sagt Denis Anders. Der Referatsleiter Stadtwirtschaft im Altenburger Rathaus kann dies selbst zumindest beruflich nicht, denn er ist für den Altenburger Friedhof zuständig. In dieser Funktion hat er jetzt eine neue Friedhofssatzung und Friedhofsgebührensatzung ausgearbeitet, die dem Stadtrat auf seiner Sitzung am Donnerstagabend zur Beschlussfassung vorlag. Wie es scheint, gehören die Stadtratsmitglieder aber auch zu denen, die nicht gern über das Lebensende reden, denn es wurde – um mal im Bild zu bleiben – kein Sterbenswort dazu gesagt. Dabei stehen mit den Satzungen, die beide zügig mit großer Mehrheit beschlossen wurden, wichtige Neuerungen, Veränderungen und nicht zuletzt zum Teil erhebliche Preiserhöhungen ins Haus.

Die letzten Satzungsänderungen liegen mittlerweile 13 beziehungsweise acht Jahre zurück, doch seither hat sich die Bestattungskultur in Deutschland und mithin auch in Altenburg gravierend gewandelt. Standen früher auf dem 500 Jahre alten Friedhof Reihen- und Wahlgrabstätten im Vordergrund, so geht der Trend seit einigen Jahren immer mehr zu meist anonymen Urnengemeinschaftsgräbern. Preiswerte und pflegearme Grabstätten werden zunehmend bevorzugt. „Doch dafür braucht man natürlich nicht so viel Fläche, so dass wir vor allem auf dem Gelände des ehemaligen kirchlichen Friedhofs schon viele ungenutzte Flächen haben“, erläutert Denis Anders. „Es war deshalb an der Zeit, zu überlegen, wie wir auf den Trend reagieren und unseren Friedhof zukunftsfähiger machen.“

So soll am Ende des ehemaligen kirchlichen Friedhofs auf einer abgeschlossenen Anlage künftig eine sogenannte Baumbestattung möglich sein. Man kann also aussuchen, ab man seine letzte Ruhestätte lieber an einem Bergahorn, einer Eiche oder einer Winterlinde haben möchte. Beabsichtigt ist zudem, Rasen-Urnenreihengrabstätten im amerikanischen Stil anzulegen. Und auf vielfachen Wunsch aus der Bevölkerung wird es künftig auch ein Sternenfeld geben, auf dem zum Beispiel tot geborene Kinder bestattet werden können. „Wenn man einen so großen Friedhof hat, sollte man einfach jeglichem Wunsch entgegenkommen“, so der Referatsleiter.

Nicht nur mit der veränderten Bestattungskultur, sondern auch mit drastisch gesunkenen Bestattungszahlen haben die für den Friedhof Verantwortlichen zu kämpfen. Auch hier macht sich der demografische Wandel bemerkbar. Waren es 1990 noch 1200 Fälle im Jahr, so sank die Zahl zwischen 2000 und 2010 auf nur noch knapp halb so viele. Zuletzt stieg die Zahl im Vorjahr auf rund 650 und damit wieder leicht an. Dazu beigetragen hat auch die stetig zunehmende Anzahl Auswärtiger. Zu einem Drittel werden in Altenburg inzwischen Verstorbene aus dem Landkreis, aber auch aus Meerane oder Glauchau beerdigt. „Darauf sind wir inzwischen angewiesen“, bekennt Anders.

Um aber unter diesen geänderten Voraussetzungen den städtischen Friedhof kostendeckend zu halten, sei eine Gebührenerhöhung für fast alle Grabarten zwingend erforderlich. Am deutlichsten erhöht, nämlich um fast 70 Prozent und sogar darüber, werden die Kosten für die Nutzung eines Urnen- oder Erdreihengrabs, für ein Urnenwahlgrab hingegen sinkt diese Gebühr. Besonders drastisch fallen auch die Steigerung der zu entrichtenden Unterhaltungskosten bei Urnengemeinschaftsgräbern mit und ohne Namensstein und beim Rasengrabfeld aus.

„Ohne Erhöhung bräuchten wir Zuschüsse aus dem Stadthaushalt. Doch dieses Geld sollte lieber für Sanierung und Erhalt der unter Denkmalschutz stehenden Gebäude wie Friedhofskapelle, Gottesackerkirche, Fürstengruft oder die Friedhofsmauern ausgegeben werden“, argumentiert Anders.

Diese könnte man dann zumindest ansatzweise auch begehbar machen. Denn das 15 Hektar große Areal am Grüntaler Weg sei auch ein Kulturgut, eine historische Park- und Gartenanlage, die durchaus für Touristen interessant ist. Allein 126 Einzelgrabmale stehen unter Denkmalschutz, ebenso originale Wandgräber, schmiedeeiserne Grabeinfassungen und Gedenksteine. Es gibt drei Kriegsgräberanlagen und vier Ehrengrabstätten.

Von Ellen Paul

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Altenburg
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Angestupst
    Mikrologo Angestust

    Die Aktion „Angestupst“ von LVZ und Sparkasse Leipzig geht in die nächste Runde. Alle Infos finden Sie hier! mehr

  • LVZ-Fahrradfest
    Logo LVZ-Fahrradfest

    LVZ-Fahrradfest 2016: Sehen Sie hier einen Rückblick mit vielen Fotos von allen Starts, Videos und mehr. mehr

  • Belantis - Infos und Events
    Belantis - Infos und Events

    Belantis - das AbenteuerReich im Herzen Mitteldeutschlands. Hier gibt es Neuigkeiten und alle Infos zu den Events! mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2016

    Sport frei!, heißt es auch 2016 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und weitere asisi-Projekte in Dresden, Berlin und anderen Städ... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr