Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Großes Spektakel: Premiere vom Prinzenraub in Altenburg
Region Altenburg Großes Spektakel: Premiere vom Prinzenraub in Altenburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:14 06.07.2018
Ein farblicher Höhepunkt ist die Hochzeitsfeier auf dem Schloss. Selbst Bauchtänzerinnen wirken dabei mit. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Über dem ehrwürdigen Schlosshof von Altenburg liegt Donnerstagabend eine einzigartige Stimmung. Eine Mischung aus heller, ja euphorischer Vorfreude, einer gewissen Anspannung und geschäftigem Treiben. Und auch einem gehörigen Schuss Lampenfieber. Premierenstimmung auf dem Schloss: Der Förderverein Altenburger Prinzenraub hat zur Premiere der sechsten Prinzenraubfestspiele in neuer Zeitrechnung eingeladen. 49 Mitspieler – zumeist gleich in mehreren Rollen zu erleben – und 25 weitere Helfer haben „Kauffungens Ehre“, das Stück aus der Feder von Manuel Kressin, neu einstudiert.

Schon beizeiten kommen die ersten sichtlich gespannten Zuschauer. Kein Wunder: Zum eigentlichen 90-minütigen Stück gehört sozusagen als „warm up“ auch ein gut 90-minütiges Vorprogramm mit Hofnarren, Gauklern und, und, und...

Je näher der Termin für den ersten Vorhang für die Premiere rückt, desto entrückter und in sich gekehrter wirkt mancher mittlerweile schon kostümierte Mitspieler. Mittendrin überall und nirgendwo wuselt Eva Pommer herum. Das Vorstandsmitglied des Fördervereines wird nicht müde, die immer mehr werdenden Premierengäste zu begrüßen und „ihre Schäfchen“, wie sie Mitspieler, Helfer & Co. liebevoll nennt, mit Essenscoupons zu versorgen und nochmals zu instruieren.

Viele Blicke gehen an diesem Donnerstagabend gen Himmel. Denn irgendwie scheint es schon ein ungeschriebenes Gesetz zu sein: Kein Prinzenraub kommt ohne kühle Dusche von oben aus. Auch bei der sechsten Auflage dauert es leider nicht lange, ehe es zu tröpfeln beginnt. Aber Macher wie auch Besucher sind auf diesem Gebiet mittlerweile erfahren: Regencapes sind schon vorrätig. Zudem bleibt der große Guss aus, sondern hält sich das Nass vom Himmel in Grenzen und wird von Darstellern und Zuschauern tunlichst ignoriert.

Was aber auch nicht schwer fällt. Denn was die Truppe in den rund 90 Minuten auf die Bühne zaubert, ist packend und nimmt einen mit. Es ist schon bemerkenswert, wie man ein und die selbe Geschichte Jahr für Jahr auf ein Neues erzählen kann, und es immer wieder schafft, dass die Spannung immer wieder gleich hoch ist.

Ernsthaftigkeit, Humor und ein gerüttelt Maß an Bodenständigkeit mischten sich in den anderthalb Stunden hervorragend. Da sind die dunklen Szenen des eigentlichen Prinzenraubs durch Kunz von Kauffungen (Michael Hiller) und der finalen Hinrichtung, die sinnigerweise wieder Karin Beutler als Gauklerin minutiös vorträgt. Das macht Gänsehaut und rührt. Aber da sind auch die ulkigen Episoden, beispielsweise jene Hochzeitsfeier, bei der ein angesäuselter Bürgermeister (Hanno Wolf) herrlich über das Eheleben ablästert. In diese eigentlich lustig-ausgelassene Szene schiebt sich dann als Gegenstück der eigentliche Raub der Prinzen Ernst und Albert hinein. Die parallel laufende Hochzeitsparty friert als Szene bei der Schilderung des Raubs einfach kurzerhand ein. Herrlich ist auch, wie die Macher manche trockenheitsbedingte Einschränkung mit Kreativität zu überspielen wussten: Das obligatorische Feuerwerk gab’s angesichts der Brandgefahr logischerweise nicht in Echt. Statt dessen regnete Lametta von den Zinnen des Hausmannsturms. Und dass so mancher Hobbyschauspieler seine Sprechparts nicht im geschliffenem und nicht mehr in der hiesigen Region verortbarem Hochdeutsch hinlegte, sondern herrlich sächselte, macht alles noch viel sympathischer. Hier spielen Menschen aus der Region für ihre Region und darüber hinaus. Dass dieser Prinzenraub in seiner sechsten Neuauflage zunehmend an Strahlkraft gewinnt zeigt auch, dass unter den rund 200 Gästen der fast ausverkauften Premiere zahlreiche auswärtige waren.

Als dann im Regen kurz von 22 Uhr der letzte Vorhang fiel, hatten sich alle Akteure den schon tosenden Applaus redlich verdient. Einer derer, die vor sechs Jahren mit bei der Neugeburt dabei waren, ist Thomas Jäschke. „Eigentlich war das am Anfang ja eine Schnapsidee in einer gemütlichen Kneipenrunde. Was aber in so kurzer Zeit aus dem Prinzenraub geworden ist, macht auch uns immer wieder sprachlos“, meinte er.

Von Jörg Wolf

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Von wegen demografischer Wandel: Weil es zur Zeit immer mehr Kinder in der VG Pleißenaue gibt, steigt auch die Nachfrage nach Plätzen in den vier dortigen Kitas. Das hat Folgen: Die Einrichtungen in Fockendorf und Windischleuba mussten inzwischen Ausnahmegenehmigungen beantragen.

06.07.2018

Größtes Problem in diesem Jahr ist für die Landwirte des Altenburger Landes die Trockenheit. Vor allem beim Weizen, der mit Abstand am häufigsten angebauten Feldfrucht der Region, wird deshalb mit Ausfällen gerechnet. Weizen ist jedoch mit Raps die wichtigste Einnahmequelle der Ackerwirtschaft im Kreis.

06.07.2018

Ein Motorrad-Fahrschüler ist am Mittwoch in Meuselwitz (Kreis Altenburger Land) nach einem Sturz leicht verletzt worden. Ein Rettungswagen brachte den 17-Jährigen ins Klinikum.

06.07.2018