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Altenburg Grüße aus der Hauptstadt – „Berliner Blätter“ im Lindenau-Museum
Region Altenburg Grüße aus der Hauptstadt – „Berliner Blätter“ im Lindenau-Museum
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00:35 15.04.2018
Blick in die neue Ausstellung des Altenburger Lindenau-Museums. Im Hintergrund die Kuratorin Sophie Thorak, die damit ihre Arbeit als wissenschaftliche Volontärin in Altenburg krönt. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Nach dem überwältigenden Erfolg der ersten Kindermuseumsnacht lädt das Lindenau-Museum nunmehr zum Auftakt des Sonderausstellungsreigens des Jahrgangs 2018 ein, der sieben Expositionen umfassen wird. Am Donnerstagabend wurde die Sonderschau „Berliner Blätter – Aus der Sammlung Volker Sachse“ erstmals der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Die OVZ hatte Gelegenheit zu einem exklusiven Ausstellungsrundgang mit der Kuratorin der Schau, Sophie Thorak.

Es ist der krönende Abschluss ihrer zweijährigen Tätigkeit am Lindenau-Museum als wissenschaftliche Volontärin: Nachdem die Kunsthistorikerin im Herbst des vergangenen Jahres den „Altenburger Trialog“ eigenständig verantwortete, verabschiedet sich Sophie Thorak nunmehr mit einer von ihr konzipierten Präsentation von Grafiken, die aus der Sammlung von Volker Sachse (1936-2011) stammen. 2011 hatte dieser seinen über 1200 Einzelblätter und 48 Mappenwerke umfassenden Schatz dem Haus an der Gabelentzstraße vererbt.

Stadt, Land und immer wieder der Mensch, diese drei Größen bestimmen nahezu leitmotivisch die Sujets der seit den 1970er-Jahren zusammengetragenen Sammlung des in Westberlin lebenden Juristen, dem die Kunst als private Berufung galt. Die jetzt offerierte Exposition konzentriert sich in ihrer Auswahl auf die Zeit des Ersten Weltkriegs und der Weimarer Republik. Dementsprechend bilden Kriegserlebnisse und Kriegstraumata einen Schwerpunkt in den grafischen Darstellungen von Künstlern, die, zumeist um 1880 geboren, als junge Menschen selbst diese Gräuel als Soldaten miterleben mussten. Auch die nachfolgenden dramatischen Umbrüche wie der Zusammenbruch des Kaiserreichs oder die Novemberrevolution spiegeln sich wider in den Arbeiten, die im Zuge der Auseinandersetzung mit den Ereignissen dieser Jahre entstanden sind.

Daneben aber findet sich in der Sonderschau auch viel (vermeintliche) Leichtigkeit, betrachtet man die Darstellungen des typischen Berliner Nacht-Lebens der angeblich so goldenen Zwanziger Jahre. Kneipenszenen, Varieté-Impressionen, Überschwang in anrüchigen Bars und Etablissements gehören dazu und künden von der verzweifelten Suche der Menschen nach etwas Abwechslung.

Für ihre Ausstellung hat Sophie Thorak zudem eine Reihe von Porträts prominenter Künstler jener Ära ausgewählt – Selbstporträts oder auch Darstellungen, die befreundete Kollegen voneinander zu Papier brachten. Denn schon damals sammelten sich gerade in Berlin Künstler unterschiedlichster Genre, verschiedenster politischer Ausrichtung und künstlerisch-handwerklicher Handschrift in nahezu überbordender Fülle. Aus gutem Grund: Die Hauptstadt wuchs in rasantem Tempo zu einer Weltstadt empor, die dynamische Kulturmetropole wurde für progressiv Suchende zu einem magischen Anziehungspunkt.

Viele der in Berlin ansässigen Künstler bezogen ihre Impulse aus den verschiedenen Milieus der rastlosen Großstadt, deren Eigenheiten sich in ihren Werken entfalten. Vom quirligen Nachtleben war schon die Rede, hinzu gesellen sich da und dort betriebsame Straßen auch zur Tageszeit, prall gefüllte Cafés und Zirkustribünen, Rummelplätze oder publikumswirksame Sportveranstaltungen. Derlei buntes Leben steht im Kontrast zu schmucklosen Vorortgegenden und zu urigen Typen diverser Couleur, die allerorten in Erscheinung treten.

„Zumeist steht in den Arbeiten der Mensch im Zentrum der Betrachtung – als Teil einer anonymen Masse oder im Bildnis scharf gezeichnet in gezielter Abhebung von eben dieser“, spannt Sophie Thorak den Bogen über jene Schlaglichter, die sie als „Grüße aus der Hauptstadt“ übertitelte. Etliche dieser Meister und Strömungen sind bekannt bis heute, denkt man an Ernst Barlach, Max Beckmann und Max Pechmann oder auch an Käthe Kollwitz, die in Sachses Sammlung vertreten sind, andere können in der Präsentation entdeckt werden.

Insgesamt sind in dieser ersten Sonderausstellung des Jahres 43 Künstler mit insgesamt 66 Exponaten vertreten. Das Nebeneinander von großen Namen und weniger bekannten Akteuren macht den Reiz des Spannungsfeldes aus – und bietet dem Museumsbesucher eine Fülle an Entdeckungsmöglichkeiten.

Zur Eröffnung gab Sophie Thorak den Gästen des Abends eine Einführung, Michael Bienert, Autor und Journalist, sprach über das „Berliner Leben in der Weimarer Republik“.

Die Ausstellung ist bis zum 10. Juni zu den Öffnungszeiten zu sehen: dienstags bis freitags 12 bis 18 Uhr; samstags, sonntags und feiertags 10 bis 18 Uhr.

Von Frank Engelmann

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