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Grund zu grenzenloser Freude - sanierter Teehaus-Komplex feierlich eröffnet

Grund zu grenzenloser Freude - sanierter Teehaus-Komplex feierlich eröffnet

Was lange währt, wird gut. Nach etwa 20 Jahren des Ringens um die Sanierung und acht Jahren effektiver Bauzeit sind am Freitagabend Teehaus und Orangerie im Altenburger Schlosspark mit einem Festakt vor knapp 150 geladenen Gästen feierlich eröffnet worden.

Altenburg.

 

 

 

 

Von Thomas Haegeler

"Ich bin, was ich bin, und was ich bin, ist ungewöhnlich", singt Dagmar Frederic am Freitagabend zu vorgerückter Stunde im Teehaussaal. Und der Text des Stücks aus dem Musical "Ein Käfig voller Narren" trifft nicht nur auf die akustische Darbietung der inzwischen 67-jährigen Entertainerin zu, sondern auf vieles im Zusammenhang mit dem nun in neuem Glanz erstrahlenden Denkmal-Komplex.

Als ungewöhnlich kann etwa das Engagement der Valente des Ostens, wie sie Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck einst nannte, für die Sanierung des Kleinods gelten. Schließlich spielte sie im Februar 2008 mit befreundeten Künstlern über 20 000 Euro ein und damit ein knappes Fünftel der 115 000 Euro, die der Teehaus Altenburg Förderverein in das Denkmal investierte und weiter investieren wird. Zudem übernahm Dagmar Frederic auch die Patenschaft für eine von fünf Bänken im fast fertigen Barockgarten des einstigen Lusthauses.

"Die Akustik hat mich so gereizt, dass ich die komplette Probe ohne Mikro absolviert und dann auch ein Stück zum Auftritt so gesungen habe", erzählt die Entertainerin mit Blick auf den neuen Teehaussaal vollauf begeistert. "Ich freue mich für jeden, der hier ein Konzert geben darf." Sie erinnere sich noch genau, wie sie vor über vier Jahren zum ersten Mal in dem damals noch heruntergekommenen Haus stand. "Und als ich es heute gesehen habe, stand ich mit offenem Mund da. Ich danke allen, die das ermöglicht, und allen, die es nicht verhindert haben, sowie allen, die heute da sind."

Damit bringt sie auf den Punkt, was Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) und der oberste Denkmalschützer der Stadt, Jürgen Fröhlich, in ihren Reden ausführten. In der Tat ist eine derart große Beteiligung der Bevölkerung an einem Millionen-Projekt nicht weniger ungewöhnlich zu nennen als der Einsatz einer Künstlerin aus Eberswalde.

"Ich verneige mich vor jedem, der hier mitgewirkt hat", würdigt Wolf diesen Umstand, ohne die Hindernisse der 1992/93 mit dem Dach und der Deckenkonstruktion begonnenen, aber erst 2005/06 mit der Verbindung zwischen Orangerie und Teehaus fortgesetzten und nun mit der Schaffung eines barocken Gartens beendeten Sanierung zu unterschlagen. "Auch wenn die Auflagen immer mehr wurden, wir wegen verschiedener Probleme manchmal graue Haare bekommen haben und es hitzige Diskussionen mit dem Denkmalschutz gab, so haben wir doch immer wieder Kompromisse gefunden." Auf das Ergebnis könne man stolz sein, so Wolf weiter. "Wir haben den Spagat zwischen altehrwürdigen Gebäuden und der Funktionalität des 21. Jahrhunderts geschafft." Man wolle hier touristisch einiges erreichen, Gäste beeindrucken und viele Veranstaltungen durchführen. "Daher ist mein größter Wunsch, dass wir unsere Kräfte bündeln und nicht neutralisieren."

Die Mischung aus Historie und Moderne hebt auch Fröhlich hervor. "Hier fügt sich Neues gut in Altes ein", erklärt der Denkmalschützer. "An der Ostseite des Teehaussaals befindet sich noch der Originalputz von 1712, der Rest wurde in guter Qualität rekonstruiert." Eine der Holzsäulen sei ebenfalls noch im Original erhalten geblieben, die übrigen entsprechend angepasst. "Zudem sind im Erdgeschoss die restaurierten barocken Eichenfenster erhalten geblieben und dienten als Vorlage für die oberen. Auch der Alabaster-Fußboden unter dem Deckengemälde im Teehaussaal ist original."

In dieses Loblied stimmt Stephan Keilwert ein. "Als Gothaer bin ich neidisch, weil wir zwei Orangerien haben, aber noch nicht so weit sind", sagt der Restaurator. Zudem habe er lange kein so schön restauriertes Deckengemälde gesehen. Außerdem liefert er gleich einen weiteren Grund zu Stolz und grenzenloser Freude bei den Altenburgern. "An den Wänden ist die Marmorino-Technik zum Einsatz gekommen, wobei Sumpfkalk ganz dünn aufgetragen und anschließend poliert wird." Das gebe es bundesweit nur noch in Weimar und - wenn fertig - in Wilhelmshaven. "Unser Auftrag besteht darin zu vermitteln, dass das ein Menschenwerk ist, hier wurde getanzt, gefeiert, geweint und gelacht", ergänzt Fröhlich.

Dazu hat Thomas Knechtel, der als Schlossherr für den Betrieb verantwortlich ist, die passende Geschichte. Denn Anfang Juli ermöglichte er es einem Paar, das goldene Hochzeit feierte, in den Saal zurückzukehren, in dem es sich einst kennen und lieben lernte. "Die beiden wussten noch genau, wo sie saßen und wer als erstes geguckt hat", erinnert sich Knechtel, der sich nicht zuletzt deswegen freut, das neue Juwel den Altenburgern und ihren Gästen zum Tag des offenen Denkmals endlich präsentieren zu können. Danach werde es zwei Hochzeiten, eine Geburtstagsfeier und ein Konzert des Jazzclubs im Teehaus geben, ehe es bis Frühjahr in den Dornröschenschlaf verfällt.

Vielleicht gastiert dann Dagmar Frederic erneut in Altenburg. Denn Fördervereinsvorstand Uwe Burkhardt, der den Draht zur Entertainerin hat, plant unter dem Titel "Teehausgeflüster" eine Wiederauflage der Theater-Konzerte. "Es gibt noch einiges zu tun für uns", meint er und spricht von Sandvasen und Nischenfiguren. "Aber jetzt bin ich erst mal ein glücklicher Mann."

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