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Gymnasiallehrerin aus Altenburg wird auf zehn Bewerbungen zehnmal abgelehnt

Von wegen Mangel Gymnasiallehrerin aus Altenburg wird auf zehn Bewerbungen zehnmal abgelehnt

Claudia John aus Altenburg findet als ausgebildete Gymnasiallehrerin für Deutsch und Geschichte seit 2007 keinen festen Job im Landkreis und sieht sich als überqualifiziertes Befristungsopfer. Die Auffassung des Bildungsministeriums, dass der Lehrermangel nicht am Geldmangel liege, bezeichnet die 38-Jährige als fadenscheinig.

Der Lehrermangel entwickelt sich in Thüringen zum Problemthema.

Quelle: dpa

Altenburg. „Lehrermangel ist kein Geldmangel. Es gibt einfach nicht genügend Bewerber, die wir gewinnen können.“ Das hatte Norman Müller vom Thüringer Bildungsministerium kürzlich auf einem Forum des Kreiselternrates erklärt. Doch ist das wirklich so? Claudia John erzählt eine ganz andere Geschichte. Seit 2007 ist die Altenburgerin ausgebildete Gymnasiallehrerin für Deutsch und Geschichte mit zweitem Staatsexamen und der Abschlussnote 1,6. Und seitdem sucht die 38-Jährige eine Anstellung in einem Gymnasium im Landkreis. Bislang leider ohne Erfolg. Zwischen 2009 und 2016 hat sich Claudia John zehnmal für eine unbefristete Stelle beworben und erhielt ebenso viele Ablehnungen, die letzte kam im August 2016.

Der Grund: Für ihre Fächerkombination Deutsch und Geschichte gibt es in Ostthüringen offenbar genügend Lehrer. Dies wurde Claudia John zum Beispiel mitgeteilt, als sie sich wegen ihrer ständigen Absagen im Februar 2015 an Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke) wandte. Eine unbefristete Einstellung sei nur möglich, wenn ein überregionaler Bedarf nicht durch vorhandene Lehrkräfte abgesichert werden könne und freie Stellen zur Verfügung stehen, wurde ihr vom Ministerium mitgeteilt.

Weil es mit dem Gymnasium nicht klappte, arbeitet Claudia John seit 2013 an einer Grundschule, zuerst im Karolinum Altenburg, seit über drei Jahren nun in Nobitz. Sie habe sich in die Grundschulpädagogik gut eingearbeitet, arbeite dort gern und erfolgreich in vielen Fächern und als Klassenlehrerin, sagte sie der OVZ. Allerdings sei aus rechtlichen Gründen ihre Anstellung immer wieder befristet. Dadurch würde sie in einer unteren Gehaltsgruppe bezahlt und habe keine Chance auf die nun anstehende Verbeamtung.

Die offizielle Begründung des Bildungsministeriums dafür laute, dass sie für eine Entfristung eine zu hohe Qualifikation habe. Auch Weiterbildungen, zum Beispiel für Deutsch als Zweisprache (DaZ), seien ihr verwehrt worden, weil diese vom Schulamt nur für unbefristet eingestellte Lehrer vorgenommen werden würden.

Die Darstellung von Norman Müller, Einstellungen würden nicht am Geld scheitern, bezeichnet Claudia John deshalb als fadenscheinig und realitätsfremd. Denn der eigentliche Grund, dass ihre Stelle entfristet wird, sei das Geld. In einem festen Job müsste man sie als Gymnasiallehrerin bezahlen.

Thomas Lahr, der Direktor des Altenburger Friedrichgymnasiums, kann bestätigen, dass es in den letzten Jahren tatsächlich ausreichend Lehrer für Deutsch und Geschichte gab und bei einer Lücke sofort für Ersatz gesorgt wurde. Diese Zeiten seien aber spätestens in zwei bis drei Jahren vorbei. Dann würde auch diese Fachkombination mit Sicherheit wieder stark nachgefragt werden. Ohnehin habe der Ausfall durch Krankheiten stark zugenommen, weil der Stellenüberhang wie in der Vergangenheit nahezu abgebaut wurde und es keine Reserven mehr gebe, sagt Schulleiter Lahr.

Ob das Bildungsministerium angesichts des kommenden Bedarfs seine rigiden Einstellungsrichtlinien überdenkt, bezweifelt Claudia John im Moment noch. Ihre jetzige Stelle läuft im März 2018 wieder aus, es ist ihr vierter Arbeitsvertrag innerhalb von vier Jahren. Sie stehe damit in ihrem Job immer wieder auf der Kippe, wisse nicht, ob es weitergeht oder ob sie arbeitslos wird. Ein unmöglicher Zustand.

So wie sie gebe es in Altenburg noch mindestens zwei weitere Gymnasiallehrer, die an Grundschulen arbeiten und denen es ebenso gehe wie ihr. Dass sich Thüringen um seine Pädagogen wirklich bemüht und auf den drohenden Bewerbermangel vorbereitet ist, kann sie deshalb nicht feststellen. Für Claudia John ist es kein Wunder, wenn Lehrer zum Beispiel nach Sachsen abwandern. Dort sei die unbefristete Einstellung auch in verschiedenen Schulformen völlig unproblematisch.

Von Jens Rosenkranz

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