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Hannelore Kuhl verabschiedet sich nach 42 Jahren vom Altenburger Friedrichgymnasium

Wechsel im Sekretariat Hannelore Kuhl verabschiedet sich nach 42 Jahren vom Altenburger Friedrichgymnasium

Im Sekretariat des Friedrichgymnasiums ist Hannelore Kuhl eine Institution. Seit 42 Jahren hält sie dort den Laden am Laufen, erlebte dabei vier Direktorinnen und Direktoren und zwei grundsätzlich verschiedene Schulsysteme. Am Freitag sagte Hannelore Kuhl Adieu, und so manche Träne floss.

Hannelore Kuhl verlässt nach 42 Jahren das Friedrichgymnasium.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Hannelore Kuhl hat schon lange gewusst, was an diesem 16. Dezember 2016 für ein besonderer Tag für sie ist. „Erst mit einer gewissen Entspannung, weil bis dahin ja noch reichlich Zeit war. Aber je näher dieser Freitag rückte, desto mulmiger wurde mir dann schon“, gesteht die 65-Jährige. Und am Freitag war er halt da, dieser besagte 16. Dezember, an dem Hannelore Kuhl ihren letzten Arbeitstag als Sekretärin im Friedrichgymnasium hatte. Nach 42 Arbeitsjahren immer in jenem Büro in der ersten Etage des altehrwürdigen Schulgebäudes räumt sie ihren Platz. In der Aula des Gymnasiums haben sich am Freitag aktuelle wie einstige Schüler, Chefs und Lehrer von dieser sichtlich gerührten Institution verabschiedet und dabei selber die eine oder andere Träne verdrückt.

Dabei wirkte Hannelore Kuhl in ihrem Sekretariat immer eher – na sagen wir mal – streng. Wer in dem Gymnasium anrief und das knappe „Friedrichgymnasium Kuhl“ hörte, der konnte durchaus schon den Eindruck gewinnen, mit Frau Kuhl sei tatsächlich nicht sonderlich gut Kirschen zu essen.

Wenn sie das heute hört, dann sieht man ihr an, dass ihr das sogar ein wenig peinlich ist. „Weil ich doch einfach nicht so bin, aber gesagt haben das schon einige.“ Sogar ihre Schwiegertochter, die einst Schülersprecherin in einem anderen Gymnasium war und sozusagen dienstlich im Friedrichgymnasium anrufen musste, fragte fast schon besorgt: Warum hast Du denn so respekteinflößend geklungen? „Dabei bin ich eigentlich gar nicht so, sondern lache sehr gerne“, betont die 65-jährige und schiebt wie zum Beweis ein sympathisches Lachen nach.

Ach, 42 Jahre im Schuldienst. In zwei völlig unterschiedlichen Gesellschafts- und Schulsystemen unter insgesamt vier verschiedenen Direktorinnen und Direktoren, wo soll man da mit der Geschichte anfangen und wo aufhören.

Na ganz am Anfang, als Hannelore Kuhl mit ihrem Mann 1973 von Werdau nach Altenburg zog, weil ihr Mann bei der Wismut arbeitete und für Kumpel nur in Altenburg und Gera Wohnungen zu haben waren. Erst kümmerte sie sich die damals um ihre neu geborene Tochter. Aber Mitte 1974 zog es die gelernte Industriekauffrau wieder in eine Arbeit. „Damals hing an der Kaufhalle in Südost ein Aushang, auf dem eine Sekretärin für die Erweiterte Oberschule Karl Marx (EOS) gesucht wurde. Ich hab mich vorgestellt und im Oktober 1974 den Dienst angetreten“, erinnert sie sich.

Technisch gesehen vergleichsweise simple, personell hingegen himmlische Zustände hätten damals an der EOS geherrscht. Allein die dort fest angestellte Putzbrigade zählte fünf bis sechs Frauen. Unterrichtet wurde damals durchweg fünfzügig, also mit jeweils fünf neunten, zehnten, elften und zwölften Klassen“, plaudert das Urgestein. Eine echte Herausforderung war immer das Schreiben der Zeugnisse mit Beurteilungen. Wo heute ein Computer nebst Drucker schnelle Arbeit liefert, musste damals alles mit der Maschine getippt werden. „Das musste meist außerhalb der regulären Arbeitszeit geschehen. Dann habe ich in einem Zimmer unterm Dach gesessen, wo sonst eigentlich unser Parteisekretär saß, aber das er nur selten nutzte.“

Tiefgreifende Veränderungen habe es mit der Wende gegeben. Und Brüche, als beispielsweise etliche Lehrer wegen Verbindungen mit dem alten System ihren Dienst quittieren mussten. „Da war manche Entscheidung nicht nachzuvollziehen und einfach nur schmerzlich.“

Aber auch diese Brüche liegen über ein Vierteljahrhundert zurück. Und logisch: Generationen von Schülerinnen und Schülern hat sie in gut vier Jahrzehnten kommen und gehen sehen. „Klar werde ich oft draußen erkannt und angesprochen. Erst kürzlich sind wir abends mit der S-Bahn vom Leipziger Weihnachtsmarkt gekommen, als mich eine junge Frau ansprach.“ Eine ehemalige Schülerin, die sie noch gut aus Pennetagen kannte. „Ach, ausgekommen bin ich mit den Schülern eigentlich immer gut. Und auch mit den Kollegen.“

Und da hatte Hannelore Kuhl in den Jahren ebenso mit einigen zu tun, die später besondere Karrieren machten und beruflich erfolgreich waren. Beispielsweise absolvierte im Jahr 1977 eine junge Studentin an der EOS ihr Schulpraktikum, die heute in schulischen Belangen im Freistaat den Hut auf hat: Die angehende Lehrerin Birgit Klaubert sammelte an dem Gymnasium die ersten praktischen Erfahrungen und ist heute Thüringens Bildungsministerin. Hannelore Kuhl vergisst aber auch nicht Margitta Dietrich zu erwähnen, die später lange Chefin des Lerchenberggymnasiums war und vor der Wende auch an der Geraer Straße als Lehrerin tätig war.

Abschließend sei noch eine Frage gestattet: Waren die Schüler vor der Wende netter, oder jene danach? Das lacht sie wieder. „Lieb waren und sind sie immer gewesen. Früher war vielleicht die Disziplin größer, dafür heute das Selbstbewusstsein, was ja auch nicht schlecht ist.“

Und was kommt jetzt? „Ehrlich gesagt, weiß ich das noch nicht so genau. Ich habe immer für meine Schule gelebt, bleibe auf jeden Fall im hiesigen Förderverein und bin bereit, wenn Hilfe gebraucht wird.“ Mit Kerstin Pröhl steht auch eine erfahrene Nachfolgerin bereit. Sonst will Hannelore Kuhl wieder mehr lesen, und eine Familie mitsamt Ehegatten ist ja auch noch da ...

Von Jörg Wolf

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