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Hartes Brot für Bäcker

Hartes Brot für Bäcker

Die Innung der Bäcker, Konditoren und Müller des Altenburger Landes ist dramatisch geschrumpft. Nur noch elf Bäcker, zwei Konditoren und ein Müller gehören ihr an.

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Innungsobermeister Hennig Gerth mit Azubi Alexandra in seiner Bäckerei in Kostitz.

Quelle: Mario Jahn

Noch vor zehn Jahren waren 17 Bäckereibetriebe Mitglied. Innungsobermeister Henning Gerth sieht derzeit auch kein Ende dieser Abwärtsspirale. Denn oft fehlt der Nachwuchs, der die Familienbetriebe übernimmt.

 

 

 

Seit 1988 ist Henning Gerth Konditormeister und Chef des Familienbetriebes im Starkenberger Ortsteil Kos-titz. Mit den Zahlen von damals mag der 50-Jährige die heutigen lieber nicht vergleichen: "Da gab es allein im Altkreis Altenburg 20 bis 25 Bäckereien und im Kreis Schmölln waren es auch 15 bis 20." Oft ist es der fehlende Nachwuchs, der in den Ruhestand gehende Altmeister zum Aufgeben des Geschäftes zwinge, weiß Gerth, der seit Oktober 2012 als Innungsobermeister fungiert.

 

"Kann die Nachfolge in der eigenen Familie noch geregelt werden, ist das schon ein Idealfall", sagt der Obermeister und nennt Traditionsgeschäfte wie Strobel in Altenburg und Kriebitzsch in Wintersdorf, wo jeweils die Töchter das Zepter übernahmen. Ansonsten werde es sehr, sehr schwer, über Jahre einen potenziellen Nachfolger für eine Übernahme fit zu machen.

 

Aber unlösbar sei diese Herausforderung nicht. "Denn wer sich mit Herz ins Zeug legt, der kann mit so einem kleinen Betrieb auch bestehen", meint Gerth voller Überzeugung. Doch derzeit suchen die Bäcker wie sämtliche anderen Handwerksbranchen eben händeringend nach neuen Lehrlingen. Und finden sie leider oft nicht.

 

Noch vor Jahren seien innerhalb der Innung in jedem Ausbildungsjahr drei bis vier Konditoren sowie vier bis fünf Bäcker in die dreijährige Lehre gestartet. "Jedes Jahr, wohlgemerkt", hebt der 50-Jährige hervor. Heute durchlaufen gerade noch zwei Lehrlinge bei Gerth und der stellvertretenden Innungsobermeisterin Romy Strobel ihre Ausbildung. Auch andere Betriebe könnten sich mittlerweile für eine Ausbildung durchaus erwärmen. "Nur finden sich keine Bewerber."

 

Die vor allem in den Supermärkten aus dem Boden schießenden Backstuben seien eine harte Konkurrenz für die traditionellen Bäckereien. Sicher liefern sie ebenso frische und schmackhafte Produkte, von denen aber niemand wisse, woher die Zutaten stammen. Die Innungsbetriebe haben gegenüber den fast ausschließlich mit in aller Welt vorproduzierten Massenwaren bestückten Filialisten und ihren Aufbackstationen deshalb einen unschätzbaren Vorteil: "Die Menschen besinnen sich wieder auf ihre regionalen Erzeuger, bei denen man nachvollziehen kann, welche Zutat woher stammt. Und diese Rückbesinnung ist unser Pfund, mit dem wir wuchern müssen", ist der Obermeister überzeugt. Dies gelte auch dafür, dass man als kleines Unternehmen sehr schnell auf besondere Wünsche reagieren kann.

 

"Mit vergleichsweise wenigen Ausnahmen" werden in der Backstube des 50-Jährigen sämtliche Teige selbst angesetzt. "Beispielsweise kommt ein richtiger Sauerteig für unser Brot ohne Säuerungsmittel oder etwas anderes aus der Tüte aus. Und ich lege für den Großteil meiner Innungskollegen meine Hand ins Feuer, dass sie ebensolche Standards anlegen."

 

Klar sei aber auch, dass ein solches Handwerk nicht gegen Dumpingpreise ankommen kann, die in Back-Ketten üblich sind. "Auch hier müssen wir mit Qualität überzeugen." Und mit einem Einkaufserlebnis: Schon seit Langem sei es in den Geschäften üblich, dass in den Läden auch Stehtische zu einem Kaffee nebst frischgebackenem Snack oder belegten Brötchen einladen. "Obwohl das nicht die großen Umsatzbringer sind, gehören solche Angebote einfach dazu. Auch weil man so Kunden für sich gewinnen kann."

 

Übrigens: "Wir sind für die Kunden auch noch als Erzeuger greifbar und stehen bei Fragen sehr gerne Rede und Antwort", betont Gerth, und spricht damit auch für seine Innungskollegen und -kolleginnen.

Jörg Wolf

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