Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Haustarif - oder 40 Leute müssen gehen / Am Altenburg-Geraer Theater drohen drastische Einschnitte

Haustarif - oder 40 Leute müssen gehen / Am Altenburg-Geraer Theater drohen drastische Einschnitte

Entweder es kommt zum Abschluss eines neuen Haustarifvertrages oder über 40 von derzeit 295 Mitarbeitern müssen gehen. Das ist die Alternative für das Altenburg-Geraer Theater angesichts eines Lochs von zwei Millionen Euro in der Finanzierung der fusionierten Bühnen ab 2013. Darüber hat Intendant Kay Kuntze die Belegschaft gestern Vormittag in einer Vollversammlung informiert.

Altenburg/Gera. Von Ellen Paul

Der Auftritt von Kuntze vor seinen Mitarbeitern war kurz, aber alles andere als schmerzlos. Er informierte über die sogenannte "unternehmerische Entscheidung" für die Zukunft des Theaters der drei Gesellschafter, garnierte seinen Vortrag mit Sätzen à la "In schweren Zeiten müssen wir alle zusammenstehen" und verschwand. Kein Gespräch, keine Zeit für Fragen. Die Leute saßen sprach- und fassungslos im Geraer Konzertsaal. Denn für die Künstler und die Angestellten sind die beiden Varianten nichts anderes als die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Schon seit Monaten hat vor allem Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) als einer der drei Gesellschafter und bis vor kurzem Aufsichtsratsvorsitzender betont, dass nur mit dem Abschluss eines neuerlichen Haustarifvertrags Thüringens einziges Fünf-Sparten-Haus in seiner jetzigen Form fortbestehen kann. Und der Abschluss müsse deutlich unter den jetzigen Konditionen liegen. Seit gestern wissen die Mitarbeiter, was es konkret bedeutet. OVZ-Informationen zufolge sollen sie auf weitere sieben Prozent Lohn und Gehalt verzichten. Schon jetzt sind sieben Prozent weniger in der Lohntüte, als ihnen tariflich ihrer Qualifikation entsprechend zustehen würde.

Die Gesellschafter haben die Geschäftsführung beauftragt, entsprechende Verhandlungen mit den zuständigen Gewerkschaften aufzunehmen. Ziel soll sein, Personalkosten in Höhe von jährlich 2,1 Millionen Euro gegenüber der Vergütung der Flächentarifverträge einzusparen. Dadurch will man betriebsbedingte Kündigungen beziehungsweise Nichtverlängerung von Verträgen vermeiden oder sogar rückgängig machen. Die Haustarifverträge sollen zudem keine Festlegung zur Wiederbesetzung von freigewordenen Stellen enthalten.

Für das Fall, dass es zu keinem Abschluss kommt und zum Flächentarif zurückgekehrt werden muss, haben die drei Gesellschafter eine "unternehmerischen Entscheidung" gefällt, die das Überleben des Theaters sichern soll. Und die bedeutet den von Wolf schon vor Wochen angekündigten drastischen Einschnitt: Dann müssen bis August 2014 43,5 Stellen abgebaut und in diesem Zuge ganze Sparten geschlossen werden. Der Streichliste zum Opfer fallen würden das Schauspiel und das Puppentheater. Richtig bluten müsste außerdem das Orchester, das von derzeit 78 auf 59,5 Musiker-Stellen runtergefahren würde. Auch in die Bereiche Technik, Ausstattung und Dramaturgie würde eingegriffen.

Erhalten bliebe neben dem abgespeckten Orchester das Musiktheater mit neun Solisten und 21 Chorsängern, die junge Bühne mit zwei Theaterpädagogen und natürlich das Ballett, das als Staatsballett unter dem "Schutz" des Freistaates steht (OVZ berichtete). Zu seinem Bestand sollen 23 Tänzerinnen und Tänzer gehören - weitere Mitarbeiter in den einzelnen Bereichen sind in dieser Aufzählung nicht enthalten.

Dieser radikale Abbau wäre nicht nur für das Publikum ein herber Verlust, sondern für das Unternehmen zudem ein überaus kostspieliges Unterfangen. Die tarifvertraglichen Abfindungen werden auf 3,5 Millionen Euro geschätzt.

Als erste hat gestern nur wenige Stunden nach der Vollversammlung die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) gegen die weitere Verkleinerung des Philharmonischen Orchesters protestiert. Seit der Zusammenlegung der Orchester von Gera und Altenburg im Jahr 2000 seien von 149 bereits 71 Stellen abgebaut worden. Eine weitere Reduzierung würde die Leistungsfähigkeit von Theater und Orchester gravierend beeinträchtigen, so die DOV. Eine bessere finanzielle Ausstattung des Hauses sei dringend geboten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Altenburg
  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr