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Altenburg Haustarif - oder 40 Leute müssen gehen / Am Altenburg-Geraer Theater drohen drastische Einschnitte
Region Altenburg Haustarif - oder 40 Leute müssen gehen / Am Altenburg-Geraer Theater drohen drastische Einschnitte
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21:14 17.02.2012

Von Ellen Paul

Der Auftritt von Kuntze vor seinen Mitarbeitern war kurz, aber alles andere als schmerzlos. Er informierte über die sogenannte "unternehmerische Entscheidung" für die Zukunft des Theaters der drei Gesellschafter, garnierte seinen Vortrag mit Sätzen à la "In schweren Zeiten müssen wir alle zusammenstehen" und verschwand. Kein Gespräch, keine Zeit für Fragen. Die Leute saßen sprach- und fassungslos im Geraer Konzertsaal. Denn für die Künstler und die Angestellten sind die beiden Varianten nichts anderes als die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Schon seit Monaten hat vor allem Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) als einer der drei Gesellschafter und bis vor kurzem Aufsichtsratsvorsitzender betont, dass nur mit dem Abschluss eines neuerlichen Haustarifvertrags Thüringens einziges Fünf-Sparten-Haus in seiner jetzigen Form fortbestehen kann. Und der Abschluss müsse deutlich unter den jetzigen Konditionen liegen. Seit gestern wissen die Mitarbeiter, was es konkret bedeutet. OVZ-Informationen zufolge sollen sie auf weitere sieben Prozent Lohn und Gehalt verzichten. Schon jetzt sind sieben Prozent weniger in der Lohntüte, als ihnen tariflich ihrer Qualifikation entsprechend zustehen würde.

Die Gesellschafter haben die Geschäftsführung beauftragt, entsprechende Verhandlungen mit den zuständigen Gewerkschaften aufzunehmen. Ziel soll sein, Personalkosten in Höhe von jährlich 2,1 Millionen Euro gegenüber der Vergütung der Flächentarifverträge einzusparen. Dadurch will man betriebsbedingte Kündigungen beziehungsweise Nichtverlängerung von Verträgen vermeiden oder sogar rückgängig machen. Die Haustarifverträge sollen zudem keine Festlegung zur Wiederbesetzung von freigewordenen Stellen enthalten.

Für das Fall, dass es zu keinem Abschluss kommt und zum Flächentarif zurückgekehrt werden muss, haben die drei Gesellschafter eine "unternehmerischen Entscheidung" gefällt, die das Überleben des Theaters sichern soll. Und die bedeutet den von Wolf schon vor Wochen angekündigten drastischen Einschnitt: Dann müssen bis August 2014 43,5 Stellen abgebaut und in diesem Zuge ganze Sparten geschlossen werden. Der Streichliste zum Opfer fallen würden das Schauspiel und das Puppentheater. Richtig bluten müsste außerdem das Orchester, das von derzeit 78 auf 59,5 Musiker-Stellen runtergefahren würde. Auch in die Bereiche Technik, Ausstattung und Dramaturgie würde eingegriffen.

Erhalten bliebe neben dem abgespeckten Orchester das Musiktheater mit neun Solisten und 21 Chorsängern, die junge Bühne mit zwei Theaterpädagogen und natürlich das Ballett, das als Staatsballett unter dem "Schutz" des Freistaates steht (OVZ berichtete). Zu seinem Bestand sollen 23 Tänzerinnen und Tänzer gehören - weitere Mitarbeiter in den einzelnen Bereichen sind in dieser Aufzählung nicht enthalten.

Dieser radikale Abbau wäre nicht nur für das Publikum ein herber Verlust, sondern für das Unternehmen zudem ein überaus kostspieliges Unterfangen. Die tarifvertraglichen Abfindungen werden auf 3,5 Millionen Euro geschätzt.

Als erste hat gestern nur wenige Stunden nach der Vollversammlung die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) gegen die weitere Verkleinerung des Philharmonischen Orchesters protestiert. Seit der Zusammenlegung der Orchester von Gera und Altenburg im Jahr 2000 seien von 149 bereits 71 Stellen abgebaut worden. Eine weitere Reduzierung würde die Leistungsfähigkeit von Theater und Orchester gravierend beeinträchtigen, so die DOV. Eine bessere finanzielle Ausstattung des Hauses sei dringend geboten.

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