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Heiligabend in die Kneipe – immer mehr Altenburger nutzen das Angebot

Nach der Bescherung Heiligabend in die Kneipe – immer mehr Altenburger nutzen das Angebot

Der 24. Dezember ist der erste Tag des langen Weihnachtsfests. Ein Tag, der meist mit der Familie gefeiert wird: Es gibt ein gutes Abendbrot, darauf folgt die Bescherung, oder umgekehrt, und ein geselliges Beisammensein – und vielleicht noch der Ausflug in die Stammkneipe. Immer mehr Altenburger Gaststätten machen auf und immer mehr Gäste kommen.

Hereinspaziert – Ulrike Kammel, Enrico Dietze und Renate Gärnter (v.l.) versprechen in der Gastwirtschaft Zum Alten Markt viel Spaß am Heiligabend.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Der 24. Dezember ist der erste Tag des langen Weihnachtsfests. Ein Tag, der meist mit der Familie gefeiert wird: Es gibt ein gutes Abendbrot, darauf folgt die Bescherung, oder umgekehrt, und ein geselliges Beisammensein – und vielleicht noch der Ausflug in die Stammkneipe, um Freunde zu treffen. Dies geht allerdings nur, wenn die Gaststätte auch geöffnet hat. Und das sind – man höre und staune – immer mehr. Denn die Inhaber oder Betreiber wissen offenbar um die ruhelosen Geister am Heiligen Abend und lassen die Lichter in der Gastwirtschaft deswegen an. Das Treffen von Freunden, die man lange nicht gesehen hat, oder die „Flucht“ vor der Familienidylle – was die Gäste antreibt, ist unterschiedlich, aber in mindestens fünf Altenburger Gaststätten finden sie einen Treffpunkt. Manchmal auch schon tagsüber.

„Wir haben von morgens um 9 bis nachmittags um 16 Uhr geöffnet“, sagt Holger Kubik, der Inhaber der Gaststätte Stadt Gera. „Das hat bei uns schon Tradition.“ Es würden viele vorbeikommen, die ein kleines Bierchen trinken wollen. Die Mehrheit der Besucher am
24. Dezember seien Stammgäste, sagt Kubik. Ab 16 Uhr geht das Licht dann aber aus. „Dann gehört der Heilige Abend wirklich der Familie.“

Wer jedoch erst nach der Bescherung in eine Gastwirtschaft möchte, wird beispielsweise in der Kulisse, im Brühl 7, in der Gaststätte Zum Alten Markt oder Finnegan’s Irish House fündig. Denn deren Wirte machen es genau andersherum: Sie lassen die Türen tagsüber zu und schließen erst abends auf. Der Tag gehört dann trotzdem der Familie, nur der Abend wieder dem Job und damit den Gästen.

Die Gaststätte Brühl 7 öffnet um 22 Uhr. „Allerdings bleibt bei uns an diesem Abend die Küche kalt, es gibt nur Getränke“, so Inhaber Steffen Witor. Die offenen Türen am Heiligen Abend gehören aber schon zur Tradition des Hauses. Seit es die Gastwirtschaft gibt, ist sie am 24. Dezember auf.

Seit sechs Jahren etwa gehört auch der Irish Pub in der Luxemburgstraße zu den geöffneten Gaststätten. Und das aus gutem Grund: „Der 24. Dezember ist der bestbesuchte Abend des Jahres“, sagt Christoph Müller, der das Finnegan’s Irish House zusammen mit Sven Kresse betreibt. Vor allem Freunde und Bekannte, die es beispielsweise wegen des Studiums oder der Arbeit in andere Städte verschlagen hat und die sich lange nicht gesehen haben, feiern in der Kneipe fröhliches Wiedersehen. Dann sind sie immerhin alle mal wieder vor Ort in ihrer Heimatstadt, sagt Müller.

Die benachbarte Gastwirtschaft „Kulisse“ öffnet seit ungefähr zehn Jahren ab 21 Uhr. Am Anfang wurde die Szenekneipe dafür noch ziemlich scheel angeschaut. Nach dem Motto: Wer geht schon am Heiligen Abend noch aus?! „Doch unser Angebot wird zunehmend und gern genutzt“, freut sich die Chefin des Hauses, Kathrin Meier. Und es kommen nicht nur Singles, denen zu Hause möglicherweise die Decke auf den Kopf fällt, sondern auch Pärchen. Und Freunde würden sich schon lange im Voraus ganz gezielt nach der Bescherung in der „Ku“ verabreden. Allerdings steht die Chefin ihrer Kinder wegen nicht selbst hinter dem Tresen, sondern ihre langjährige Mitarbeiterin Meike Knobelsdorf. „Ohne Meike ist ein Heiligabend bei uns eigentlich undenkbar.“

Noch sehr viel länger, eigenen Angaben zufolge 20 Jahre, hat die Gaststätte „Zum Alten Markt“ in der Pauritzer Straße am diesem Tag der Tage ab 21 Uhr geöffnet. Jung und alt, Gäste im Alter von 18 bis 80 würden den Weg in die „Pauri“ finden, sagt Wirtin Renate Gärtner, in Altenburg unter ihrem Spitznamen Letscho wohl weit bekannter. „Manche wollen Weihnachten einfach richtig feiern und setzen weniger auf Besinnlichkeit. Und wer holt sich zu solch einem Fest schon 30 Leute in die eigene Wohnung?“, fragt sie verschmitzt. Die Anregung für die Heilig-Abend-Öffnung holte sich Renate Gärtner in der Gaststätte der Gartenanlage „Fortuna“, die schon zu DDR-Zeiten mit einem solchen Angebot völlig außer der Reihe tanzte. Letscho selbst hat damit kein Problem, den Heiligabend zum Arbeitsabend zu machen. „Wir haben keine kleine Kinder mehr. Wir nutzen den Nachmittag und den zweiten Feiertag, um gemeinsam in Familie etwas zu unternehmen.“ Letscho freut sich sehr, dass immer mehr Kneipen im Umfeld mitmachen. Wer einmal im Bermuda-Dreieck von Altenburg gestrandet sei – gemeint ist der Alte Markt, die Kulisse und der Pub –, der komme so schnell nicht mehr raus, ist sie überzeugt.

Was aber ist mit der Altenburger Gaststätte schlechthin, dem Ratskeller? Hier steht man heute vor verschlossener Tür. „Der Heiligabend ist für uns ein Heiligtum, denn es ist der einzige Ruhetag im Jahr“, erläutert Chefkoch René Friedemann. Dieser 24. Dezember gehöre vor allem mit Blick auf die beiden folgenden überaus arbeitsintensiven Feiertage – das Restaurant ist an beiden Tagen in zwei Durchgängen schon seit Sommer ausgebucht – wirklich einmal den Familien. Nicht nur Friedemann freut sich seit langem darauf.

Von Andrea Schrader und Ellen Paul

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