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Altenburg Herz ist Trumpf beim 6. Skatstadt-Marathon - Teilnehmerrekord und fünf neue Bestzeiten
Region Altenburg Herz ist Trumpf beim 6. Skatstadt-Marathon - Teilnehmerrekord und fünf neue Bestzeiten
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20:43 15.06.2014
Altenburg

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Doch nicht nur deshalb scheint die Welt jetzt in Ordnung zu sein und für Sekunden still zu stehen. Denn sogleich fällt die Leipzigerin ihrem Liebsten Vincent Hoyer in die Arme, der sie schon ungeduldig erwartet.

Das ist deshalb erwähnenswert, weil der 24-Jährige bereits gut anderthalb Stunden zuvor bei der sechsten Ausgabe des Altenburger Lauf-Festes für Furore gesorgt hatte. Kurz vor halb zwölf läuft Hoyer mit einem Lächeln auf den Lippen und dem sensationellen neuen Rekord von 2:27,08 Stunden ein. Dass er damit seinen eigenen Rekord um mehr als sieben Minuten unterbietet, lässt die Massen auf dem Markt jubeln. Noch mehr aber staunen sie über die Lockerheit, mit der der angehende Jurist dies tut. Damit räumt ein Liebespaar die beiden Hauptläufe ab - und das jeweils mit Streckenrekord. Das gab es noch nie.

Schon diese Geschichte zeigt: Beim 6. Skatstadt-Marathon ist Herz Trumpf. Und das, obwohl die Finisher-Medaille eine Eichel-Zehn zeigt. Und auch, obwohl mit 3331 angemeldeten Startern zum sechsten Mal ein neuer Teilnehmerrekord aufgestellt wird und neben den beiden Marathon-Strecken auch die Bestzeiten beim Halbmarathon der Frauen und über 13,3-Kilometer purzeln.

Der Rekord sei zwar nicht ihr Ziel gewesen, aber dadurch und durch den Sieg ihres Freundes sei nun "alles perfekt", sagt Robe, nachdem sie Luft geholt hat. "Letztes Jahr zum Halbmarathon-Sieg fand ich die Strecke noch sehr schön, nach der doppelten Runde nun sehr anstrengend." Das Paar, das eine Freundin besuchte, nutzte die Gelegenheit zudem für den Besuch der Museumsnacht. "Um Altenburg noch näher unter die Lupe zu nehmen", erklärt Hoyer. Der Lauf in der Skatstadt zähle inzwischen zu seinen Top-Drei. "Die Atmosphäre ist super, die Landschaft toll und Altenburg eine schöne Stadt."

Das Herausragende an Hoyers Leistung lässt sich allerdings erst im Vergleich begreifen. So kommt der Läufer vom LFV Oberholz nur kurz nach Bianca Josten ins Ziel. Die Jenaerin ist eine Stunde nach ihm gestartet und siegt nach ihrem Vorjahreserfolg über 42,195 Kilometer nun im Halbmarathon und bleibt mit 1:29,55 Stunden knapp unter dem bisherigen Rekord (1:30,12 h). Zudem hat der Leipziger stolze 21 Minuten Vorsprung auf den Marathon-Zweiten Steffen Burkhardt, der 2012 gewann und sich vor Hoyer verneigt. "Das ist ein Spitzenläufer", sagt der 33-jährige Windischleubaer. "Durch seinen Diabetes ist Vincents Leistung noch höher einzuschätzen."

Wegen Problemen mit seiner Zuckerkrankheit wollte der Ausnahme-Athlet eigentlich "nur einen lockeren Lauf machen". Entsprechend überrascht und glücklich war Hoyer selbst: "Ich kann auf flachen Strecken unter 2:20 Stunden laufen, aber hier ist nicht viel mehr möglich als der neue Rekord." Dazu sei die Strecke einfach zu anspruchsvoll.

Das wissen auch Wiederholungstäter wie der gebürtige Altenburger Lars Rößler (Sieger Halbmarathon) und Juliane Heinze (Streckenrekord 13,3 km), die genau darin ihre Herausforderung sehen und zudem immer mehr Top-Läufer aus Leipzig und Jena anziehen. So etwa den Jenenser Jan Burzik, der mit 0:45,55 Stunden gleich eine neue Bestzeit über 13,3 Kilometer hinlegt, oder die Leipziger Jörg Matthé, Sven Richter, Juliane Meyer und Sandra Boitz, die den Paar-Staffel-Marathon dominieren.

Aber auch abseits der sportlichen Höchstleistungen geht es emotional zu. Da schnappt sich Danny Finzel 100 Meter vor dem Ziel seine Tochter Juli und läuft mit der Zweieinhalbjährigen auf dem Arm über die Ziellinie. "Sie wollte unbedingt mitlaufen, konnte aber wegen des Alters noch nicht", erklärt der Altenburger, der jetzt in Leipzig wohnt. "Damit sie ein Gefühl bekommt, hab ich sie mir geschnappt." Aus alter Verbundenheit sei er 5,4 Kilometer für den SV Lerchenberg mitgerannt, "damit wir endlich mal gewinnen". Entsprechend laut jubeln die Aktiven um SVL-Chef Torsten Rist, nachdem klar ist, dass sie die Vereinswertung im sechsten Anlauf abgeräumt haben.

Die Steppkes in den Kinderläufen sind derweil so sehr bei der Sache, dass der eine oder andere gar nicht merkt, wie der Schuh abhandenkommt. Doch kein Problem. Binnen von Sekunden eilt ein Helfer herbei, hebt ihn auf und gibt den Schuh dem Sanitäter, der ihn dem Besitzer bringt. Dies kommentierte Moderator Stefan Bräuer treffend: "Das ist Altenburg."

Thomas Haegeler

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