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Altenburg Heute zu Besuch am Honigstand vom Imker Ronny Böttcher aus Bad Köstritz
Region Altenburg Heute zu Besuch am Honigstand vom Imker Ronny Böttcher aus Bad Köstritz
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07:42 10.10.2018
Imker Ronny Böttcher lebt vom Honigverkauf – und auch, wenn bei ihm keine lange Schlange steht: Zu klagen hat er nichts. Quelle: Jörg Reuter
Altenburg

Ronny Böttcher betreibt wie schon sein Großvater in Bad Köstritz Massentierhaltung. Doch es ist weder für ihn noch für seine Kunden auf dem Altenburger Markt ein Problem, dass bei ihm zwischen 20 000 und 60 000 Tiere auf engstem Raum als Volk zusammenleben. Denn Ronny Böttcher ist Imker. Wie viele Bienenvölker er genau hat, darüber will er nicht reden. Aber offensichtlich sind es so viele, dass er ein ganzes Jahr mit der gesunden Süßigkeit seiner zahllosen fleißigen Helfer Handel treiben kann.

Frischer Kaffee unterm Tisch

„Und ich verkaufe ausschließlich Honig aus eigener Produktion, deshalb habe ich auch relativ wenig Sorten“, sagt er und beugt sich tief unter seinen Tisch. Hoch kommt er mit einer Kaffeekanne und einem Plastikbecher, den er befüllt und dem Händlerkollegen vom Nachbarstand reicht. Ein kleines Nebengeschäft meint er schmunzelnd, weil er vom Honig allein nicht leben könne. Irgendwie habe es sich so ergeben, dass er mittwochs die Händler mit frischem Kaffee versorgt, sagt er im Ernst beim Ausschenken des nächsten Bechers. Natürlich gehört zu jedem Kaffee ein Scherz und ein kurzer Plausch unter den Händlern.

Gerade dieser freundschaftliche Umgang untereinander auf dem Altenburger Markt sei einer der Aspekte, warum er seit Jahren so gern hierherkommt und normalerweise auch keinen Termin auslässt. „Den Stand und die Imkerei habe ich übrigens von meinem Großvater übernommen. Auch der war schon regelmäßig hier auf dem Markt“, erzählt Böttcher. In den vergangenen 20 Jahren habe sich der Generationswechsel allmählich vollzogen. Auch deshalb ist sein Opa bei den Kunden in Altenburg noch präsent. „Viele Stammkunden haben schon bei ihm Honig gekauft und fragen heute immer noch regelmäßig, wie es ihm geht“, sagt der Imker und wendet sich der nächsten Kundin zu, die ein Glas Frühjahresblüte haben möchte.

Treue Stammkunden seit vielen Jahren

Zwischen 40 und 50 Kilogramm Honig liefert ein Volk im Jahr. Wobei richtiger ist, dass diese Menge ungefähr zwölf Monate reichen muss. Denn Honigsaison im Bienenstock ist nur von Mai bis Juli. Danach kommt kaum noch etwas dazu. „Und jetzt füttere ich auch schon zu“, gibt Ronny Böttcher einen kleinen Einblick in sein Handwerk. Zu füttern sei nötig, erklärt er, weil die Imker den Bienen den Honig wegnehmen, der im Stock unter anderem die Reserve des Bienenvolkes für die Jahreszeiten ist, in denen sie keinen Nektar mehr finden.

Elli Steinbach ist ganz offensichtlich froh, dass die Bienen den Honig mit den Menschen teilen, denn sie hat gerade mehrere Gläser erworben. „Ach ich kenne die Leute hier schon viel Jahre“, sagt die Seniorin wie auf Bestellung und schwärmt sogleich vom Rapshonig. Diesmal habe sie den Honig aber vor allem für ihre Kinder gekauft, plaudert sie mit dem Honigmann ihres Vertrauens und der OVZ. Die einen würden in Leipzig zu Hause sein, die anderen gar in Österreich. Doch egal, wo ein Besuch anstehe, immer hieße es: „Mutti, du muss unbedingt wieder den Honig mitbringen.“ Ihre Kinder würden nur den Altenburger Honig essen, weil er so frisch sei, so Elli Steinbach und ergänzt, ein Glas pro Woche würde sie selbst leeren. „Honig ist ja nicht nur lecker, sondern auch gesund. Und er hilft gegen so viele Krankheiten“, ist die Altenburgerin überzeugt und füllt ihre Tasche mit den Honiggläsern.

Für die Kunden schön cremig

So ein Plausch – wie gerade mit Elli Steinbach – gehöre nicht nur dazu, das machte für ihn auch erst so richtig den Reiz des Jobs aus. „Hin und wieder kaufen auch Touristen bei mir, so ein Glas lässt sich ja leicht mitnehmen. Aber überwiegend lebe ich von den Stammkunden. Und ich bin sehr dankbar über deren Treue“, sagt Ronny Böttcher und stellt ein abgegebenes Glas zu den anderen leeren. Viele Kunden bringen ihre leeren Gläser wieder zurück an den Honigstand zum Wiederverwenden. Bei den Gesprächen gehe es zwar meist um Gott und die Welt, die Kinder oder Enkel, aber auch um Honig. Dann fragen die Leute etwa, warum er wenig sortenreinen Honig anbietet.

„Das liegt daran, weil die Stöcke bei mir stationär stehen. Das ist für sortenreinen Honig ungünstig, denn die Bienen sammeln eben das, was gerade in der Umgebung blüht.“ Nach dem Ausschleudern rührt er dann fast alle seine Honigs cremig. „In den Waben ist er flüssig. Wenn ich den Honig so abfülle, kristallisieren die meisten Sorten schnell aus, was viele nicht mögen. Nur Lindenblütenhonig lasse ich so, weil der sehr lange auch flüssig bleibt“, erklärt Ronny Böttcher und beginnt, nach einem langen Markttag langsam seine sieben Sachen wieder einzupacken.

Von Jörg Reuter

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