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Hilfe naht

Hilfe naht

Es ist eine gar sonderbare Ausstellung, die derzeit im Lindenau-Museum zu sehen ist. Denn an den Wänden hängen Kunstwerke, die sich in einem nicht gerade vorzeigbaren Zustand befinden.

Altenburg.

Kaputte Rahmen, abgeblätterte Farbe, Löcher in der Leinwand. Sie sind zu sehen, weil das Museum seit Oktober in einer großangelegten Aktion unter dem Motto "Zu Hilfe, zu Hilfe!" Restaurierungspaten sucht. Die Resonanz ist sehr zufriedenstellend. Über 24 000 Euro sind bislang zusammengekommen.

 

 

 

Manchmal sind nur Kleinigkeiten auszuführen, um ein Exponat zurück zur Ausstellungsreife zu führen, manchmal fehlt einem Bild nur der passende Rahmen, der nicht angeschafft werden kann. In vielen Fällen aber sind aufwendigere Maßnahmen nötig, um ein Kunstwerk für die Zukunft zu erhalten. Insgesamt beläuft sich die Summe, die für Restaurierungen an den jetzt offerierten Objekten notwendig wäre, auf 68 000 Euro. Geld, über das das Lindenau-Museum aufgrund der angespannten Finanzsituation nicht verfügt, wie auch die Position eines festangestellten Gemälde-Restaurators im hauseigenen Stellenplan fehlt.

 

Daher war die Restaurierung von Einzelobjekten bislang nur punktuell möglich, teils über Diplomarbeiten auf Basis der seit 2008 bestehenden Kooperation mit der Hochschule für bildende Künste Dresden, teils über spezielle Förderprogramme des Bundes. Aufgrund dieser prekären Situation wandte sich Museumsdirektorin Julia M. Nauhaus mit ihrem Hilfe-Ruf an die Öffentlichkeit. "Um in einer geplanten neuen Dauerausstellung einen Querschnitt durch die reiche Gemäldesammlung des Hauses zeigen zu können, suchen wir Paten, die Geld für die Restaurierungen spenden", hatte die Kunsthistorikerin zur Ausstellungseröffnung formuliert. Zugleich machte sie überregional auf die Sachlage aufmerksam, in Fernseh- und Radiointerviews, in Gesprächen mit Journalisten der Printmedien und indem sie den Ausstellungsflyer an in aller Welt lebende Förderkreis-Mitglieder und Freunde des Lindenau-Museums verschickte.

 

Erste Reaktionen wurden inzwischen hocherfreut zur Kenntnis genommen. Spendenzusagen über 24 000 Euro lagen bis zum Jahreswechsel vor. Von Kunstliebhabern aus Altenburg und dem Landkreis, aber auch von Berlinern, Erfurtern, Leipzigern, Münchnern oder aus der Schweiz, wie Museumsmitarbeiterin Angelika Wodzicki beim Blättern in den Spenderlisten feststellt. Oft sind es kleinere Beträge um die 100 Euro, aber auch die Summe von 3500 Euro eines Sponsors aus der Region, der wie viele andere namentlich nicht genannt werden will, gehört dazu.

 

Keinen Hehl aus seiner Liebe zum Lindenau-Museum macht indes ein Mitglied des Förderkreises - der in Weil am Rhein lebende Clemens Pflieger. Er hatte gleich nach dem Erhalt des Faltblattes per Telefonanruf einen mittleren vierstelligen Betrag in Aussicht gestellt und um Angebote für eine Restaurierungs-Patenschaft gebeten. Zwischen etlichen Vorschlägen abwägend, entschied er sich schließlich für das 1874 entstandene, großformatige "Panorama von Kairo", das der Maler Friedrich Otto Georgi schuf. Im Jahr 1880 hatte der Altenburger Kunstverein das Werk für das Haus an der Gabelentzstraße erworben. "Gar zu gern hätten wir es in den zurückliegenden Jahren schon mehrfach in Sonderausstellungen eingebunden, weil es bestens zu einzelnen Themen gepasst hätte", erinnert sich Museumsmitarbeiterin Susanne Reim. "Doch der Zustand des Bildes machte unser Ansinnen stets zunichte." Neben der sehr fleckigen Firnis und Lockerungen in der Malschicht fallen bei diesem Werk vor allem vier Löcher in der Leinwand auf. Um es Besuchern wieder in seiner ursprünglichen Schönheit zeigen zu können, gehen Experten von einem Restaurierungsbedarf in Höhe von 4500 Euro aus. Clemens Pflieger sagte "Ja" und sichert mit seiner Zusage die Zukunft der Kairo-Ansicht.

 

Während für einige der ausgestellten Objekte dank solcher Spendenbereitschaft eine Rettung zumindest in halbwegs greifbare Nähe rückt, hat sich für manches Bilder-Schicksal noch niemand interessiert. Wie im Fall der "Windmühle in der Normandie" von Charles Hognet, deren Restaurierung rund 800 Euro kosten würde. Oder auch das Porträt der Herzogin Charlotte Georgine von Sachsen-Hildburghausen, das mit Johann Friedrich August Tischbein einer der bedeutendsten Vertreter der großen Malerfamilie Tischbein in den 1790er-Jahren schuf. "Dieses Bild wurde bis Juni 2013 im Rahmen einer Diplomarbeit umfassend untersucht, konserviert und restauriert", erzählt Angelika Wodzicki. "Aufhängen können wir es aber nicht, denn es fehlt uns ein Rahmen hierfür." Kostenaufwand: rund 1500 Euro.

 

Fazit: Die ersten Reaktionen auf den Hilfe-Ruf des Lindenau-Museums machen Mut, weitere Unterstützer sind aber gern willkommen. Noch bis zum 21. April besteht Gelegenheit, sich einen Überblick über die Schätze der Gemäldesammlung des Hauses und den Restaurierungsbedarf zu verschaffen.

 

iSpenden werden im Lindenau-Museum entgegengenommen oder erbeten an: Spendenkonto: Landratsamt Altenburger Land Kontonummer: 1111 004 400, BLZ: 850 502 00 Sparkasse Altenburger Land. Bitte unbedingt angeben: Zahlungsgrund "Zu Hilfe".

Frank Engelmann

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