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Altenburg Hilma und Fritz Müller feiern Gnadenhochzeit
Region Altenburg Hilma und Fritz Müller feiern Gnadenhochzeit
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19:26 03.04.2018
Seit 70 Jahren sind Hilma und Fritz Müller verheiratet. Am Dienstag begingen sie ihre Gnadenhochzeit. Das große Familienfest steigt am Sonnabend. Quelle: Jörg Reuter
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Rositz

Man muss sich gut verstehen, das sei das einfache Geheimnis einer langen und glücklichen Beziehung, meint Hilma Müller. Die Rositzer Seniorin muss es wissen: Immerhin ist sie seit 70 Jahren mit ihrem Mann Fritz verheiratet. Am Dienstag feierten die beiden bei schönstem Wetter ihre Gnadenhochzeit. „Den Sonnenschein haben wir uns aber auch verdient“, fand Hilma Müller und lächelt ihren Fritz an, als hätten sie sich gerade erst kennengelernt.

Und irgendwie scheint es auch fast wie gestern zu sein, als der junge Mann bei ihr vorsprach und einen Gruß vom Bruder ausrichtete. „So haben wir uns kennengelernt“, denkt Hilma Müller an die Zeit kurz nach dem Krieg zurück. Die Männer, Hilmas Bruder und ihr zukünftiger Mann Fritz, hatten sich zuvor in Gefangenschaft kennengelernt. Fritz kam einige Monate eher frei, und deswegen bat der Kriebitzscher seinen Bekannten aus Lesen, Mutter und Schwestern zu informieren, dass er im September auch heimkomme.

Die gute Nachricht überbracht von dem schmucken jungen Mann – da war es um Hilma geschehen. „Seine Mutter kannte ich schon vorher gut von der Arbeit in der Zuckerfabrik. Dass sie mal meine Schwiegermutter wird, konnte ich aber nicht ahnen“, erzählt sie. Seit ihr Mann vor einigen Jahren ein Hirnschlag hatte, kann er sich kaum oder nur bruchstückhaft erinnern. „Ich merke seitdem nichts mehr und muss mir deshalb alles von meiner Frau gefallen lassen“, witzelt er und erntet Protest von seinen Kindern und ein liebevolles Streicheln seiner Frau.

Als er sie damals das erste Mal zum Tanz ausführte, stellte er sich richtig vor, weiß Hilma Müller noch genau. Hochzeit war wenig später im April 1948. „Da war aber nicht so schönes Wetter wie heute. Es hat mir in den Brautschleier genieselt.“ Doch gleich wollten die Regentropfen im Schleier nicht, wie es die Legende sagt, zu Talern werden. Es waren die harten Nachkriegsjahre. „Die Zuckerfabrik hat uns noch die Hochzeitskutsche spendiert, aber mir gleichzeitig die Papiere gegeben, weil‘s damals keine Doppelverdiener geben sollte.“ Erst 1954 fing sie in der Rositzer Zuckerfabrik wieder an.

Fritz Müller war da schon in der Grube in Zechau tätig, wohin er nach seiner Anstellung im Karosseriewerk Altenburg wechselte. Damals waren die jungen Leute auch gerade umgezogen. Nach der Hochzeit lebte das Paar erst in Lesen, doch als der Ort 1953 abgebaggert wurde, musste die Familie nach Rositz.

„Na, gegeben hat es da nichts, nur eine neue Wohnung.“ Es waren schwere Jahre für die Müllers. Mit vier Kindern und einem bescheidenen Verdienst auch zu DDR-Zeiten kein Zuckerschlecken. „Hobbys hatten wir nicht, aber einen Garten und ein Stück Feld zur Selbstversorgung.“ Dennoch haben sie auch schöne Erinnerungen aus dieser Zeit, etwa an den jährlichen FDGB-Urlaub.

Ungeachtet dessen sind die besten Jahren wohl die nach der Wende gewesen. Die Kinder waren raus, das Ehepaar seit Ende der 80er in Rente, inzwischen waren auch die Regentropfen aus dem Brautschleier zu Talern geworden und die Müllers konnten reisen. „Und das haben wir dann auch getan und uns ganz Europa angesehen“, schwärmt die neunfache Groß- und zwölffache Urgroßmutter.

Von Jörg Reuter

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