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Historisches Gartenhaus gleich neben dem Altenburger Südbad soll saniert werden

Dornröschenschlaf Historisches Gartenhaus gleich neben dem Altenburger Südbad soll saniert werden

Jahreslang schlummerte es inmitten einer Streuobstwiese fast vergessen vor sich hin: Das Köhlersche Gartenhaus, dass Hutfabrikant Max Köhler im Jahr 1911 aus Fertigteilen errichtete. Jetzt gehört das Gebäude nebst umgebender Streuobstwiese der Energie- und Wasserversorgung Altenburg, die es restaurieren will.

Jürgen Fröhlich und Anton Geerlings (v.l.) präsentieren die Originalbaupläne von 1911.

Quelle: Jens Paul Taubert

Altenburg. Ja, die Skatstadt hat auch Ecken, die scheinbar in der öffentlichen Wahrnehmung in Vergessenheit geraten sind. Und dort finden sich richtige kleine Schätze, die das Herz von Altenburgs oberstem Denkmalschützer Jürgen Fröhlich höher schlagen lassen. Mitten im grünen Herzen der Skatstadt, zwischen Großem Teich und Südbad, liegt dieses Kleinod: Ein historisches Gartenhaus, dass schon über 100 Jahre auf dem Buckel hat und mit zu den ersten Fertigteilhäusern in ganz Deutschland zählt, die gefertigt wurden.

Als die Energie- und Wasserversorgung Altenburg (Ewa) Anfang 2016 den Betrieb des Südbads in eigene Regie nahm, kam das Unternehmen quasi auch gleich mit in den Besitz dieses Kleinods, dass aber schon seit vielen Jahren ungenutzt leer steht und entsprechend gezeichnet ist. Mitsamt einer das Haus umgebenden üppigen Streuobstwiese, auf der neben leckeren Kirschen auch Apfelbäume historischer Sorten stehen.

Als sich Ewa-Geschäftsführer Anton Geerlings durch das mittlerweile gut kniehoch stehende Gras gen Gartenhaus kämpft, steigt seine Laune förmlich mit jedem Schritt. Dass der Weg sprichwörtlich und beschwerlich durch die Pampa führt, scheint ihm überhaupt nichts auszumachen. „Man muss sich doch nur mal dieses herrliche Areal mitsamt dem Gartenhaus anschauen. Wo findet man ein so altes Gebäude sonst noch? Und wo findet man eine Streuobstwiese inmitten der Stadt?“, schwärmt der Geschäftsführer. Und Anton Geerlings hat schon eine klare Vision, in der dieser Dornröschenschlaf ein Ende haben soll: „Die Streuobstwiese ist ideal zum ausspannen. Im Gartenhaus könnte man zudem ein Imbissangebot und einen Getränkeausschank einrichten. Das erste Bier werde ich hier zapfen“, so Geerlings entschlossen.

Nachdem die Ewa in den Besitz des Grundstücks nebst dem seit 2009 auf der Denkmalliste stehenden Gartenhauses kam, wurde das Gebäude schon soweit gesichert, dass der Verfall gestoppt und mögliche Vandalen außen vor sind. „Das alles herzurichten ist unser Plan. Das wäre eine ideale Ergänzung für Besucher des Südbads und Ausflügler in dieser Ecke“, sagt der Ewa-Chef, der allerdings einschränkt, dass der Betrieb und die schrittweise Sanierung des Südbads erst einmal Priorität genießen. „Und bei dem Projekt hat ja auch unser Aufsichtsrat das letzte Wort“, merkt Geerlings an.

Aber wie Jürgen Fröhlich aus seinen Bestandsakten genau herauslesen kann, handelt es sich tatsächlich um ein Juwel. Errichtet wurde das Gebäude im Jahr 1911 vom Hutfabrikanten Max Förster als so genanntes Sommerfrischehaus. „Ganz im damals üblichen Stil der Gartenstadt wie Dresden-Hellerau. Und als Fertigteilhaus, was damals in den ersten Zügen lag.“

Produziert wurden die Häuser einst von der Gesellschaft für Holz- und Massivbau in Berlin-Friedrichsfelde, ein Unternehmen, dass es bis zum heutigen Tag noch geben soll. „Vielleicht gibt es ja dort Interesse, sich an der Restaurierung eines solchen alten Referenzstücks zu beteiligen“, meint Anton Geerlings mit einem Schmunzeln. Max Förster war damals ein in Altenburg weithin bekannter Unternehmer. Seine Hutfabrik befand sich übrigens in direkter Nähe zu seiner geplanten Sommerfrische: In den Fabrikgebäuden residiert heute das Hotel „Am Großen Teich“.

Vermutlich per Bahn kamen die vormontierten Teile aus Berlin nach Altenburg. Dort wurden die Fertigteile auf einem schon zuvor massiv gemauerten Keller montiert. „Das Haus trägt alle Merkmale der zeitgenössischen Häuser in vorgefertigter Montageweise“, liest Fröhlich aus den Akten. Wie lange das Gartenhaus genutzt wurde, vermag keiner genau zu sagen. „Ich bin seit rund 20 Jahren hier und kenne es eigentlich nur ungenutzt“, meint Anton Geerlings. Zumindest hat er schon mit den Obstexperten vom Mauritianum Kontakt aufgenommen und um die Begutachtung der auf der Streuobstwiese wachsenden Bäume gebeten. „Und tatsächlich: Bei den Äpfeln handelt es sich zumeist um historische und selten gewordene Sorten, die hier einst verbreitet waren.“

Aber auch der Blick ins Innere des Häuschens ist spannend: Neben einem großen Raum, der sich später sicher auch für diverse Feiern eignen könnte, gibt es zwei abgetrennte kleine Kammern: Eine mit der Küche und ein stilles Örtchen mit Plumpsklo. Und alles ist original 1911.

Von Jörg Wolf

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