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Altenburg Hoffnung für Ex-Gagfah-Siedlung in Altenburg
Region Altenburg Hoffnung für Ex-Gagfah-Siedlung in Altenburg
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00:20 13.03.2018
Um die verfallende Ex-Gagfah-Siedlung in der Altenburger Südstraße ist ein Streit um Denkmalschutzvorgaben entbrannt. Nun deutet sich aber ein Kompromiss an. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Neue Chance für die Ex-Siedlung der Gemeinnützigen Aktiengesellschaft für Angestellten-Heimstätten (Gagfah) in Altenburg. Nachdem sich der Sanierungshimmel über dem denkmalgeschützten Ensemble in der Südstraße zuletzt zusehends verfinsterte, bricht nun die geschlossene Wolkendecke langsam auf. Grund dafür ist eine Informationsveranstaltung im jüngsten Bau- und Stadtentwicklungsausschuss des Stadtrats. Im Ergebnis dieser steht fest: Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie verhindert keineswegs einen Verkauf und eine Sanierung, in dem es an Grundrissen der zwischen 1939 und 1945 gebauten und verfallenden Häuser festhält.

Wohnungsgrundrisse können geändert werden

Dies hatten Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) und der Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsgesellschaft (SWG), Michael Rüger, allerdings immer wieder öffentlich behauptet und kritisiert. Entsprechend schnell kam der Knackpunkt vor knapp 40 interessierten Gästen im Großen Ratssaal zur Sprache. Die einstige Gagfah-Siedlung am Anfang der Südstraße sei in Gänze ein Kulturdenkmal, was Gebäude, Freiflächen und auch Grundrisse betreffe, erklärte Wolfgang Dietel vom Landesamt für Denkmalpflege. „Was aber nicht heißt, dass die Grundrisse nicht verändert werden dürfen.“

Siedlung beispielhaft für sozialen Wohnungsbau

Der Hauptgrund, warum die Siedlung samt Außenanlagen erhalten werden soll, ist laut Dietel ihr beispielhafter Charakter für den sozialen Wohnungsbau der 1930er- und 1940er-Jahre. Das gilt insbesondere für die Wohnhöfe mit ihren halböffentlichen Flächen. Dort und in den gegenüberliegenden Blocks gibt es jeweils zwei Typen von Grundrissen. „Die Veränderung dieser ist nach sorgfältiger Abwägung möglich, sie können in neue Grundrisstypen überführt werden“, sagte der Experte. Das heißt konkret: Werden analog zu den jetzigen Verhältnissen zwei Arten Grundrisse pro Haustyp vorgelegt, geht nicht alles, aber viel.

Auch Balkone oder Glastüren sind möglich

Diese könnten sogar noch Varianten enthalten, machte Dietel anhand einer Diplomarbeit aus dem Jahr 2002 deutlich. Auch Balkone seien vorstellbar, „wenn die Einheitlichkeit der Anlage“ bewahrt bleibt. Selbst bodentiefe Fenster oder Glastüren zu Terrassen und Gärten auf den Rückseiten der Häuser, die es so nie gab, seien kein Problem. Jedoch seien unter anderem die Fassaden mit rauem Putz, die Eingangstüren und deren Rahmen sowie die Fenster zu erhalten. „Oder die neuen orientieren sich daran.“

Projekt in Taucha zeigt, was gehen kann

Was mit einer früheren Gagfah-Siedlung möglich ist, zeigte der Architekt Ulrich Kalkof anhand des von seinem Büro entworfenen Projekts „Lindenquartier“ in Taucha bei Leipzig. Dort entstanden aus 150 Wohnungen 46 Reihenhäuser mit 230 bis 430 Quadratmeter großen Grundstücken. Alle Häuser verfügen auf bis zu drei Etagen über eine zum Wohnbereich offene Küche, über neu verortete Bäder, weitere völlig anders aufgeteilte Zimmer und zum Teil über Studios in ausgebauten Dachgeschossen.

80 Prozent Leerstand

Unterschied zu den 204 Wohnungen in Altenburg, die die SWG 2004 erwarb und die zu 80 Prozent leer stehen: Das Tauchaer Ensemble stand wegen einer früheren Teilsanierung nicht mehr unter Denkmalschutz. Dennoch betonte Dietel, dass dieses Projekt auch in Altenburg umsetzbar wäre – als eine von vielen Möglichkeiten. Eine generelle Freigabe der Grundrisse sei jedoch schwierig. „Das stimmt mich sehr optimistisch“, sagte Ausschuss-Chef Peter Müller mit Blick auf die Zukunft der Siedlung in der Südstraße.

SWG-Chef Rüger skeptisch

Verhaltener reagierte Rüger. „Wenn ich höre, dass man zwar Zwischenwände rausnehmen kann, aber zeigen muss, dass es mal zwei Räume waren, bin ich skeptisch“, sagte der SWG-Chef auf OVZ-Nachfrage. Zudem erklärte er, dass ihm der favorisierte Investor aus Berlin am 5. September 2017 zu verstehen gab, die Finger von der Gagfah-Siedlung zu lassen, wenn es bei der harten Haltung wegen der Grundrisse bleibt.

Offenbar ließ Investor Vor-Ort-Termin platzen

Nach OVZ-Informationen war die Haltung des Denkmalschutzes aber nicht so starr, wie behauptet. Vielmehr sind nie offizielle Anträge für Änderungen der Grundrisstypen eingereicht worden. Auch hat der Investor einen Vor-Ort-Termin im Herbst platzen lassen. Ersteres bestätigte Rüger: „Er wird keine konkrete Planung vorlegen, wenn kein grünes Licht gegeben wird, dass die Pläne umgesetzt werden können.“ Von einem geplatzten Termin wisse er nichts. Erst Anfang der Woche habe ihm der Berliner, der moderne Mietwohnungen verschiedener Größe schaffen und selbst verwalten will, aber versichert, weiter Interesse zu haben und alles übernehmen zu wollen. „Ihm muss aber größere Möglichkeit zur Gestaltung gebeben werden.“

Verkauf soll über halbe Million Euro bringen

Um das Geschäft, für das gut eine halbe Million Euro fließen soll, zügig über die Bühne zu bekommen, plädierte Rüger spätestens Anfang April für einen Vor-Ort-Termin, bei dem der Investor vom Landesamt im Beisein von Vertretern der Stadt und des Bauausschusses den prinzipiellen Segen für sein Vorhaben bekommt. Nur wenn das passiere, könnte der Aufsichtsrat im Juni über den Verkauf entscheiden.

SWG und OB beharren auf Mietwohnungen

Auch sieht der SWG-Chef keinen Anlass, auf die große Nachfrage an Eigenheimen zu reagieren und wenigstens einen Teil der Siedlung als Reihenhäuser für Familien zu vermarkten. „Ich traue einem Investor, der saniert und im Bestand behält, mehr als einem Bauträger, der saniert und versucht irgendwohin zu verkaufen“, erklärte Rüger dazu und OB Wolf ergänzte: „Die große Mehrheit des Aufsichtsrates hat das Vorhaben für gut befunden. Das sollte man auch respektieren – und nicht alle fünf Minuten die Strategie wechseln.“

Von Thomas Haegeler

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