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Hopfenbauer aus Monstab testet Sorten aus Amerika

Ernte 2016 besonders gut Hopfenbauer aus Monstab testet Sorten aus Amerika

Die Hopfenernte im Betrieb von Christian Berthold in Monstab läuft auf Hochtouren. Der Landwirt rechnet mit einer besonders guten Ernte. Rund 50 LKW-Ladungen gepresster Blüten kommen zusammen. In diesem Jahr werden auch erstmals neue Sorten geerntet. Sudversuche sollen nun zeigen, ob sich die Pflanzen auch zum Bierbrauen eignen.

Die Hopfenernte im Betrieb von Christian Berthold in Monstab läuft auf Hochtouren.

Quelle: Mario Jahn

Monstab. Christian Berthold hält sich für eine guten Landwirt. Das belegen auch seine Hopfenplantagen in Monstab. Noch einige wenige Tage haben er, die Familie, seine zwei Festangestellten sowie die zwölf polnischen Erntehelfer zu tun. Dann ist die diesjährige Hopfenernte eingefahren. Rund 50 LKW-Ladungen gepresste Hopfenblüten verlassen pro Saison den Bertholdschen Betrieb. Vielleicht wird es 2016 sogar einer mehr. „Das muss man schon sagen, die Ernte war heuer wirklich gut“, schätzt der Bauer ein.

Luft nach oben ist dennoch. Nicht zuletzt, weil ihm einige Hopfensorten – etwa ein Dutzend verschiedene hat er angebaut – machen Probleme. Berthold blickt hinüber zu einem der Felder. Seit 2006 versuche er die Pflanzen auf dem hiesigen Boden zu kultivieren. Aber sie wollen einfach nicht. „Bei denen dort funktioniert mein grüner Daumen irgendwie nicht.“ Lediglich 60 Prozent der Pflanzen schafft es über den Winter. „So verdiene ich kein Geld“, sagt er und begründet das mit dem ständigen Nachpflanzen. Dazu kommt, dass Hopfen in der Regel erst im zweiten Jahr Erträge bringt, die geerntet werden können.

Vor allem deshalb testet er seit einiger Zeit neue Sorten, von denen es beinahe unzählige gibt. Aber der Hopfenanbau ist eine kleine Wissenschaft und die Verkaufsfähigkeit ist abhängig von den Vorstellungen der Braumeister. „Ein Sorte, die hier gut wächst, von den Inhaltsstoffen her aber bei den Brauereien nicht ankommt, lässt sich nicht verkaufen. Eine gefragte Sorte, welche aber mit den hiesigen Böden nicht klar kommt, bringt am Ende zu wenig Ertrag.“ Moderne Kulturen spezielle für die Elbe-Saale-Hopfenbauern gibt es dagegen nicht beziehungsweise es werden keine gezüchtet. „Dafür sind wir mit unseren etwa 20 Betrieben einfach zu wenige, das lohnt sich für die Saatguthersteller nicht.“ Somit bleibt nur das Experimentieren mit verschiedenen Sorten.

Vor zwei Jahren setzte er einige neue Hopfensorten (die OVZ berichtete). Jetzt konnte erstmals geerntet werden. Der Ertrag sei nicht schlecht und mache Hoffnung, meint Berthold. Nun sei zum einen entscheidend, wie die Pflanzen nach der Ernte den Winter überstehen, und zum anderen, was die Brauereien nach den Sudversuchen zum Geschmack sagen. Rund 100 Inhaltsstoffe hat der Hopfen. Am wichtigsten ist die für die Bitterung des Biers verantwortliche Alphasäure. Sie bestimmt auch den Preis, das heißt, nach ihr wird abgerechnet. Für den Geschmack des Gerstensaftes sind aber auch die Aromaöle wesentlich und spielen gerade in den kleinen individuellen Brauereien ein zentrale Rolle.

Ob die neuangebauten Sorten den Geschmack treffen, wird sich zeigen. Ungeachtet dessen bestehen für circa 70 Prozent des angebauten Hopfens langfristige Abnahmeverträge. Hauptsächlich mit Abnehmern in Übersee, von da stammen auch die Testsorten. Und auch die neue Sorte, die Bethold im kommenden Jahr erstmals auf seinen Feldern anbauen wird. „Die Pflanzen gehören dann aber nicht mir, sondern dem amerikanischen Patentinhaber, der auch die gesamte Ernte beansprucht, um diese selbst zu vermarkten“, so Berthold.

„Nein, gentechnisch verändert sind die amerikanischen Sorten nicht“, stellt der Landwirt gegenüber der OVZ klar. Hopfen würde sich dafür grundsätzlich eh wenig eignen, weil die rund 100 Inhaltsstoffe mehr oder weniger allesamt für den Geschmack des Bieres nötig sind und nicht verloren gehen dürfen. „Ein Hopfen, der fast nur Alphasäure hätte, wäre zum Brauen nicht zu verwenden.“ Dazu komme, meint Bethold, dass die Industrie wenig Anreize habe, teure gentechnische Veränderungen an Pflanzen vorzunehmen, die im Zweifel 20 oder 30 Jahre leben.

Von Jörg Reuter

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