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Hotel Schwanefeld steht direkt auf der sächsisch-thüringischen Landesgrenze

Grenzlinie mitten durchs Bettenhaus Hotel Schwanefeld steht direkt auf der sächsisch-thüringischen Landesgrenze

Gerade am Buß- und Bettag fällt es Andreas und Tessa Barth besonders auf, dass sie die Chefs eines Hotels in ungewöhnlicher Lage sind. Denn das Hotel Schwanefeld steht direkt auf der Landesgrenze von Thüringen und Sachsen.

Andreas Barth mit einem sächsisch-thüringischen Grenzstein. Die Landesgrenze verläuft mitten durchs Hotel Schwanefeld.

Quelle: Jörg Reuter

Meerane/Ponitz. Gerade am Buß- und Bettag fällt es Andreas und Tessa Barth besonders auf, dass sie die Chefs eines Hotels in ungewöhnlicher Lage sind. Schauen sie auf der einen Seite zum Fenster hinaus, sehen sie in Meerane die Leute in Feiertagsstimmung spazieren gehen. Blicken sie durch die gegenüber liegende Fensterfront, dann können sie in Guteborn die normale Geschäftigkeit eines Werktags beobachten. Denn das Hotel Schwanefeld steht direkt auf der Landesgrenze von Thüringen und Sachsen. Die Grenzlinie verläuft mitten durchs Bettenhaus.

Barth lacht: „Bis vor einiger Zeit gab es in der Nachbarschaft auf Thüringer Seite ein Autohaus, da war es noch auffälliger.“ Überhaupt, so meint der Hotelier, seien vor Jahren die Unterschiede zwischen Thüringen und Sachsen auffälliger gewesen. Bereits im November 1990 kaufte Barth die traditionsreiche Wirtschaft, die es seit dem 18. Jahrhundert in Meerane gibt. Die größte Ungleichheit bestand anfangs bezüglich der Schließzeiten, die in Thüringen strenger als im Nachbarland waren. „Auch als das Rauchverbot eingeführt wurde, hatten wir über längere Zeit unterschiedliche Regelungen“, erzählt Barth. Vieles hat sich inzwischen angeglichen. Ungeachtet dessen ist der Grenzverlauf im Gebäude hin und wieder ein Thema.

Beispielsweise bei Hochzeiten. Die 52 Zimmer des Vier-Sterne-Hauses der Romantik-Kette werden oft dafür gebucht. Dann muss aber genau geschaut werden, wer wo heiratet. „Wenn etwa die Gesellschaft bei schlechtem Wetter eine Trauung von Außen nach Innen verlegt, dann darf nicht ein Raum im jeweils anderen Bundesland genommen werden. Dann wäre die Heirat ungültig“, weiß Barth. Auf das Geschäftliche habe die Grenzlage des zu Meerane gehörenden Hotels jedoch wenig Einfluss. Nur bei Bauvorhaben im Außenbereich steigt der Aufwand, weil Anträge und Anfragen in der Regel zweimal gestellt werden, einmal für die thüringische und einmal für die sächsische Seite. „Das ist ein kleiner Nachteil“, meint Barth.

Doch es hat auch Vorteile. Ein Hotel direkt auf der Landesgrenze ist ja durchaus werbewirksam und lässt sich leicht merken. Wichtiger aber sind für den Hotelchef die touristischen Rahmenbedingungen beider Freistaaten. „Unsere Region wird zu oft zu Unrecht unterschätzt“, findet der Geschäftsmann. Bei guter Verkehrsanbindung und zentraler Lage braucht es für den Tourismus nicht unbedingt einen See oder Meeresstrand vor der Tür. „Die Leute machen nicht nur Langzeiturlaub. Und Kurzzeiturlaubern wird hier viel geboten. Sie können sich in beiden Bundesländern sehr viel ansehen und viel erleben.“ Das reicht von den Burgen und Schlössern, Museen und Denkmälern bis hin zu Theatern, einer tollen Landschaft und den nahen Großstädten. Doch irgendwie, so Barth, würden die Menschen hier immer nur auf das sehen, was sie gerade nicht haben. „Sie vergleichen die Region mit Metropolen wie München oder Hamburg und übersehen dabei, wie schön es hier ist.“

Für eine touristische Attraktion der Region, wenn man so will, ist Barth selbst verantwortlich. Denn die zum Hotel gehörende sächsisch-thüringische Schokoladen-Manufaktur ist seit Langem ein gern besuchtes Ziel im Ponitzer Ortsteil Guteborn. Vor zehn Jahren baute Barth die Pâtisserie auf. „Das ist die Leidenschaft meines Mannes, und für uns noch mehr als die Grenzlage ein Alleinstellungsmerkmal“, erklärt Ehefrau Tessa Barth. Die süßen Versuchungen haben natürlich nicht nur zur Adventszeit Konjunktur. Wohl aber die Stollen aus der eigenen Produktion, für die das Hotel Schwanefeld ebenfalls bekannt ist. „Vor vier Jahren wurde unser Stollen zum Viertbesten Deutschlands gekürt“, erzählt Barth stolz.

Vom Feiertag in Sachsen haben die rund 70 Angestellten des Hotels aber nicht viel. Ein Teil von ihnen muss auch am Buß- und Bettag arbeiten. Schließlich wollen die Hotelgäste ihren Kurzurlaub übers verlängerte Wochenende genießen.

Von Jörg Reuter

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