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Hunderte Besucher schauten hinter sonst verschlossene Türen

Thüringer Staatsarchiv Altenburg Hunderte Besucher schauten hinter sonst verschlossene Türen

Zum Tag der Archive kamen Hunderte Besucher ins Thüringer Staatsarchiv, um hinter sonst verschlossene Türen zu schauen. Neben gestandenen Heimat- und Hobbyforschern waren auch junge Leute unter den Neugieren.

Jörg Müller, stellvertretender Leiter des Thüringer Staatsarchivs Altenburg, führt die Besucher mit viel Geduld durch die Räume der Einrichtung.

Quelle: Klaus Peschel

Altenburg. Solch ein Gewimmel möcht ich sehen. Dabei geht es gar nicht um Ostern, sondern um das Thüringische Staatsarchiv Altenburg. Es öffnete am Sonntag seine Türen in der Junkerei des Schlosses für alle, die neugierig auf das waren, was hinter den Kulissen eines Staatsarchivs passiert. „Jedes Jahr gibt es bei uns einen solchen Tag der offenen Archivtüren, entweder zur Museumsnacht, zum Tag des offenen Denkmals oder wie diesmal zum Tag der Archive“, sagte Archivleiterin Doris Schilling.

Der Tag der Archive steht immer unter einem Motto. In diesem Jahr ist das Thema „Mobilität im Wandel“. Schon 10 Uhr standen die Leute vor der Tür und baten um Einlass. Nach elf zählten die sieben Mitarbeiter schon über einhundert Besucher. Als 13 Uhr die zweite Führung begann, standen so viele Menschen im Archiv, dass die Gruppe geteilt werden musste. Im Staatsarchiv gab es statt einer zwei Führungen, der Rest ging mit der Leiterin des Stadtarchivs Altenburg, Ursula Schreiber, in die Försterei.

Von Jörg Müller, stellvertretender Leiter des Staatsarchivs, erfuhren die Besucher vieles über die Arbeit der Archivare. So sind diese auch für die Ämter im Landkreis zuständig. Dazu gehören die Gerichte. Wenn dort die Regale voll sind, muss das Staatsarchiv ran. Akten gehen auf Reisen und finden hier ihre letzte Ruhe. Da ist noch Platz. Wenn auch die Länge der aneinander gereihten Dokumente bereits sechs Kilometer beträgt. Hinzu kommen noch 15 000 Karten und Pläne. Nicht zu vergessen die Bibliothek. 16 000 Bände sind bereits in einer Datenbank erfasst.

Da das Altenburger Archiv in jüngster Zeit immer häufiger von Studenten und von Schülern zur Anfertigung von Seminararbeiten genutzt wird, waren es am Sonntag nicht nur gestandene Historiker und Heimatforscher, die sich anschauen wollten, wo und wie die papiernen historischen Schätze gelagert werden. Um den Nachwuchs braucht sich das Archivwesen in Thüringen keine Sorgen zu machen. Unter den Ansprechpartnern war auch der erste Praktikant des Staatsarchivs. Markus Harder aus Prößdorf hatte am Sonntag den letzten Tag seines Praktikums. Der junge Mann studierte neuere Geschichte in Jena und trug sich mit dem Gedanken, im Archivwesen zu arbeiten. Fazit seiner Praktikumszeit: „Das hat mir sehr viel gebracht, ich werde wohl Archivar.“ Und anerkennend fügte er hinzu: „Hut ab vor den Mitarbeitern, das sind Profis.“

Dass sie es sind, zeigt sich auch in der kleinen Ausstellung, die dem Motto „Mobilität im Wandel“ gewidmet ist. Anhand von Dokumenten aus dem Archiv und Leihgaben entführt sie in die Zeit der laufenden Boten, der Postkutschen, des Flugwesens, der Kraftomnibusse und der Straßenbahn. Die Ausstellung ist weiterhin zu den Öffnungszeiten des Staatsarchivs zu sehen. Eine virtuelle Fahrt mit der Straßenbahn war aber nur am Sonntag möglich. Verleger Klaus-Jürgen Kamprad kam der Bitte des Archivs gern nach. So fuhr die Straßenbahn als Endlosschleife sechs Stunden um die Innenstadt Altenburgs im Jahre 1912. Und sie hatte immer Fahrgäste.

Das Filmprojekt war 2012 in einer Zusammenarbeit zwischen dem Reinhold-Verlag und der Energie- und Wasserversorgung (Ewa) Altenburg entstanden. „Das Interesse an unserer Arbeit ist sehr groß, die vielen Leute sind nur wegen uns gekommen, nicht weil heute Museumsnacht oder Tag des offenen Denkmals ist“, freute sich Archivleiterin Doris Schilling. Und sie versicherte, dass es auch 2017einen solchen Tag der offenen Tür geben werde.

Von Klaus Peschel

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