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"Ich kann das ja gar nicht glauben"

"Ich kann das ja gar nicht glauben"

"Wir waren kürzlich in der Ausstellung zur Entstehung der Trachten im Meuselwitzer Heimatmuseum und hatten das Glück, eine Führung des Gestalters zu erhalten.

Wintersdorf.

 

 

"Wir waren kürzlich in der Ausstellung zur Entstehung der Trachten im Meuselwitzer Heimatmuseum und hatten das Glück, eine Führung des Gestalters zu erhalten. Wir waren begeistert davon", schreibt Sabine Rödel aus Lucka in einem Brief an die OVZ.

 

Der Mann, der die Ausstellung vorbereitet hat, heißt Fritz Weber und wohnt im Wintersdorfer Ortsteil Pflichtendorf. Drei Monate lang hat der 85-Jährige Informationen über die Altenburger Tracht gesammelt, Fotos und Dokumente zusammengesucht. "Der Anlass für diese Ausstellung war, dass das Interesse für das Deutsche Trachtenfest in Altenburg auch in Meuselwitz geweckt werden soll," meint der Rentner, der schon zeitlebens von den heimischen Traditionen fasziniert ist.

"Meine Mutter hat früher jeden Sonntag Tracht getragen, obwohl es zu dieser Zeit gar nicht mehr notwendig war, aber für sie war es wichtig", erinnert sich Fritz Weber. Zudem wurde in seinem Elternhaus oft in Altenburger Mundart gesprochen, was ihn animierte, später selbst Gedichte und kleine Texte zu schreiben.

Seine Leidenschaft für Trachten konnte er während seiner 40-jährigen Betriebszugehörigkeit bei der Meuselwitzer Maschinenfabrik erst richtig ausleben. In der 50er-Jahren gründete sich dort ein Kulturensemble, das 1957 sogar beim Rudolstädter Volkstanzfest aufgetreten ist. "Dass das ein Bestandteil der Ausstellung wird, war mir sehr wichtig", erzählt Fritz Weber und blickt auf die alten Fotos von damals.

Auf drei großen Tafeln und in zwei Vitrinen ist im Meuselwitzer Heimatmuseum derzeit die Ausstellung des Pflichtendorfers zu sehen. Nicht nur Bilder und originale Bestandteile der Trachten gehören dazu, sondern auch zahlreiche Texte, die der Rentner an seinem Computer geschrieben hat. "Ich habe viel gelesen und recherchiert. Beispielsweise wird oft erzählt, dass das Hormt ein Brautschmuck war. Das stimmt zwar, aber die Frauen durften ihn schon ab dem 14. Lebensjahr bis zur Trauung tragen, dann wurde er noch zusätzlich verziert. Er war ein Zeichen der Jungfräulichkeit."

Wenn es gewünscht wird, führt Fritz Weber die Besucher des Museums gern selbst durch die Ausstellung und erklärt deren Entstehungsgeschichte. Davon waren auch Wolfgang und Sabine Rödel sehr begeistert, als sie vor ein paar Tagen das Museum besuchten. "Zu jedem Exponat hat uns Herr Weber etwas erklärt, alles war liebevoll ausgewählt und exakt ausgeführt, wir waren sehr angetan von seiner Arbeit", schreibt das Ehepaar in seinem zweiseitigen Brief.

Als Fritz Weber gestern den Blumenstrauß bekam, wusste er zunächst gar nicht, was er sagen sollte. "Ich kann das ja gar nicht glauben", meinte er und entschuldigte sich im gleichen Moment dafür, dass er darauf überhaupt nicht vorbereitet gewesen sei. "Hätte ich auch nur den Hauch einer Ahnung gehabt, hätte ich mich wenigstens rasiert", schmunzelte er.

Dennoch freute er sich riesig über die Anerkennung und erzählte freudestrahlend von seinem nächsten Projekt. "Ich versuche gerade, die Geschichte von Pflichtendorf aufzuschlüsseln. Ich rede mit den älteren Bewohnern, die sich noch an die Geschehnisse von früher erinnern können und möchte dann alles aufschreiben und mit Bildern versehen."

Der engagierte Rentner hat sich also noch einiges vorgenommen, doch jetzt freut er sich erst einmal über seinen Blumenstrauß und auf das Wochenende mit seiner Familie.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute vergeben wir wieder den OVZ-Blumenstrauß des Monats. Erhalten sollen ihn Menschen, die sonst nicht im Rampenlicht stehen und doch Großes ganz selbstverständlich leisten.

Wenn Sie jemanden kennen, der Ihrer Meinung nach einen solchen Strauß verdient hat, dann schreiben (04600 Altenburg, Kornmarkt 1) oder mailen (altenburg.redaktion@lvz.de) Sie uns bitte. Name, Kontaktmöglichkeit und eine kurze Begründung genügen.

Die OVZ-Dankeschön-Blumensträuße stellt freundlicherweise das Altenburger Blumenhaus Brehmer zur Verfügung.

 

 

Monique Pucher

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