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"Ich rate zu Vorsicht bei der Schuldzuweisung"

"Ich rate zu Vorsicht bei der Schuldzuweisung"

Der Todesfall einer 30-jährigen Altenburgerin im November 2011 bei einer Nacken-Massage und die Anklage gegen ihre Physiotherapeutin vor dem Amtsgericht Altenburg hat für Aufsehen und Verunsicherung bei Patienten und bei Physiotherapeuten gesorgt.

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Gerd Richter

Quelle: Uwe Frauendorf

OVZ sprach darüber mit Gerd Richter, Vorsitzender des Thüringer Landesverbandes für Physiotherapie.

 

Herr Richter, muss man als Patient nun Angst vor einer Nackenmassage haben, wenn sie vom Arzt verschrieben wurde?

 

Nein. Eine solche manuelle Therapie ist nach wie vor geeignet, Kopfschmerzen oder Schwindelgefühle zu behandeln. Man sollte als Patient allerdings zuvor auf eine gründliche Untersuchung durch seinen Arzt drängen. Dieser muss überprüfen, ob die angedachte Therapie vorgenommen werden darf, indem er zuvor selbst die später angewendeten Rotationen im Nackenbereich vornimmt, ohne dass es den Patienten zum Beispiel schwindelig wird. Aus Erfahrung wissen wir, dass die Massagen sehr schnell verschrieben werden, ohne dass zuvor gründlich untersucht wurde, ob Komplikationen auftreten könnten.

 

Also hätte der Todesfall vermieden werden können?

 

Das weiß ich nicht. Für mich ist aber klar, dass bei einer gesunden Patientin und einer korrekt ausgeführten Behandlung keine Blutgefäße einreißen dürfen. Ich bezweifle, dass die ehemalige Altenburger Kollegin derart massiv zu Werke gegangen ist, dass daraufhin die Arterien reißen. Wenn die Therapie ordentlich ausgeführt wurde, kann es zu keinem Todesfall kommen. Jede Therapeutin hat eine fundierte Ausbildung, die so etwas ausschließt und hat auch eine Prüfung abgelegt. Bei den in der Therapie vorgenommenen Behandlungen handelt es sich um die gleichen Bewegungen, die jeder von uns auch im Alltag vornimmt, wenn er zum Beispiel mit dem Kopf rollt, Sport treibt oder etwas anhebt.

 

Weshalb sind die Blutgefäße denn dann gerissen?

 

Es ist Sache des Gerichts, das herauszufinden. Es ist meines Erachtens aber zu einfach, die Schuld nur bei der Physiotherapeutin zu suchen. Bei der Patientin ist wohl einiges schon im Vorfeld schief gelaufen und versäumt worden. Möglicherweise lag bei ihr eine Vorschädigung vor. Deshalb halte ich es für notwendig, jetzt auch einen physiotherapeutischen Gutachter hinzuzuziehen. Ich rate bei der Schuldzuweisung zu äußerster Vorsicht, da solche Vorwürfe schwer nachzuweisen sind.

 

Mit Sicherheit sind jetzt auch Physiotherapeuten verunsichert. Sollten sie solche Nackenmassagen ablehnen, obwohl sie von den Ärzten verschrieben werden?

 

Nein, Sie sollen das tun, was und wie sie es gelernt haben. Wichtig ist eine gründliche Untersuchung des Arztes und ein Vertrauensverhältnis zwischen Therapeut und Patient.

Jens Rosenkranz

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