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Altenburg "Ich soll vernichtet werden" Luckaer Stadtrat wegen Sexualdelikten vor Gericht
Region Altenburg "Ich soll vernichtet werden" Luckaer Stadtrat wegen Sexualdelikten vor Gericht
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20:22 22.02.2012
Altenburg/Lucka

Von Jens Rosenkranz

Nicht "Sex and Crime" in Lucka beschäftigt seit gestern das Gericht, sondern Sex und Politik. Trotz dieser brisanten Mischung versammelte sich wenig mehr als eine Handvoll Besucher im klitzekleinen Gerichtssaal 8 des Justizgebäudes an der Burgstraße. Was es zu hören gab, bot einerseits politischen Sprengstoff, würde andererseits auch Stoff für ein Drehbuch hergeben.

So soll Kretzschmar eine Rathaus-Angestellte gegen ihren Willen mehrfach begrabscht und anderweitig sexuell belästigt haben. Sie solle sich doch nicht so haben, sie wolle es doch auch, gab die Staatsanwaltschaft die angeblichen Worte des jetzt 57-Jährigen wieder. Und, dass er sein Opfer zum Oralverkehr aufgefordert haben soll. Dazu kam es nicht, denn die Mitarbeiterin konnte sich aus der Umklammerung befreien.

Für zusätzliche Brisanz sorgte dabei, dass Kretzschmar von 1994 bis 2001 ehrenamtlicher Vize-Bürgermeister war und von Oktober 2000 bis Frühjahr 2001 den erkrankten, damaligen Rathauschef Christoph Richter sogar vertreten hatte. Zwei Übergriffe würden in diesen Zeitraum passen. Die Staatsanwaltschaft riet dem Angeklagten zu einem Geständnis und deutete an, in diesem Fall ein deutlich geringeres Strafmaß zu beantragen. Kretzschmar ging darauf nicht ein und bezeichnete die Vorwürfe mehrfach als nicht wahr. Er habe sich immer gefragt, wem solche Beschuldigungen nützen, um sogleich selbst darauf zu antworten: nur der jetzigen Luckaer Bürgermeisterin Kathrin Backmann. "Ich soll als kritischer Stadtrat vernichtet werden."

Das einst gute Verhältnis zu Backmann sei etwa ab 2008 in die Brüche gegangen. Als Gründe nannte der als äußerst unbequem geltende Kretzschmar seine kritische Haltung unter anderem bei Verstößen gegen Bebauungspläne, zu Investoren-Vorhaben und städtischen Haushalten. Auf die angeblich auch durch ihn verursachten Turbulenzen in Sitzungen habe Backmann "hysterisch reagiert". Kretzschmar führte ebenso an, dass Backmann im Mai 2010 gedroht hatte, aus der SPD-Kreistagsfraktion auszutreten, wenn seine Partei ihn nicht endlich ruhig stelle, erklärte Kretzschmar.

Ebenfalls im Mai 2010 wurde Anzeige gegen Kretzschmar erstattet, woraufhin die Staatsanwaltschaft Gera Ermittlungen einleitete und ihn im Juli 2011 angeklagt hatte. Zwischen der Anzeige und dem ersten angeblichen Tatzeitpunkt liegen demnach über neun Jahre. Denn zum ersten sexuellen Übergriff soll es an einem Tag im Oktober 2000 gekommen sein, danach im März/April 2001 und Ende 2003.

Die gestrige Verhandlung wurde bereits nach 50 Minuten unterbrochen und wird am 2. März fortgesetzt. Dann wird die Aussage des Opfers erwartet. Bürgermeisterin Kathrin Backmann (SPD) soll am 16. März gehört werden. Laut Anklage gilt sie als Zeugin für den Übergriff an einem Freitag Ende 2003. Ebenso ist der Auftritt der Kämmerin und Bauamtsleiterin des Luckaer Rathauses vorgesehen. Sie soll nach Aussage des Gerichts ebenso von Kretzschmar sexuell belästigt worden sein.

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