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"Ich war in ständiger Angst"

"Ich war in ständiger Angst"

Ein Jahr Gefängnis für versuchten Raub, Beleidigung und Sachbeschädigung. Dazu Einweisung in eine Entzugsanstalt. Es war ein unspektakuläres Urteil, das am Montag gegen einen 27-Jährigen Altenburger vor dem Amtsgericht gefällt wurde.

Viel bemerkenswerter war der zu Tage getretene Leidensweg von Sebastian G., den eine schwere seelische Erkrankung und ein jahrelanger Drogenkonsum aus der Bahn warfen.

 

Sein Schicksal ist eng verknüpft mit dem seiner Mutter, die wegen ihres Jungen noch mehr gelitten haben muss, völlig verzweifelt war und in ständiger Angst lebte. Vor allem wegen der nie aufhörenden aggressiven Bettelei ihres Sohnes um Geld. Tag für Tag rief er an, klingelte, störte er seine Mutter auf Arbeit. Die 49-Jährige wusste genau, wofür ihr Sohn das Geld brauchte: Für seinen Drogenkonsum. Mal gab sie ihm fünf, manchmal zehn Euro. Nur um ihre Ruhe zu haben, wie sie vor Gericht sagte. Eben weil sie wusste, dass er sehr schnell wütend werden konnte und dann von ihm beschimpft wurde. Wie zum Beispiel am 18. November vergangenen Jahres, als ihr Sohn völlig ausrastete, sie beleidigte, mit Füßen trat und dabei verletzte, sie aufs Sofa schubste und ihr schließlich sogar die Geldbörse entriss. Mit Mühe und Not eroberte sie das Portemonnaie zurück. Dass ihr das gelang, ersparte ihrem Jungen eine noch längere Haft, denn das Gesetz spricht in diesem Fall nur von versuchtem Raub. Und noch etwas kam strafmildernd hinzu. Durch den Drogenkonsum am Vortag war der Angeklagte noch berauscht und gilt damit als schuldunfähig. "Ich wollte das alles nicht", sagte er. "Ich wusste nicht, was ich tue."

 

Seit seinem 15. Lebensjahr nimmt Sebastian G. Drogen, zuerst Cannabis, mit 17 dann Crystal, das in Altenburg offenbar leicht zu bekommen ist. Denn täglich zog sich der Angeklagte eine Linie rein. Über ein Dutzend Aufenthalte in einer Altenburger Klinik für Psychiatrie folgten. Doch die Behandlung brachte nichts, denn der junge Mann suchte schon nach ein paar Tagen immer das Weite. Allerdings wäre eine langfristige Behandlung sinnvoll gewesen. Denn der Angeklagte leidet an einer schweren Schizophrenie, einer Krankheit, die durch den Drogenkonsum extrem verschlimmert wird, wie ein Gutachter erläuterte.

 

Dass sich Sebastian G. nicht beherrschen kann, zeigte der Vorfall am 6. April dieses Jahres, als er seine Mutter in deren Wohnung erneut aufs Übelste beleidigte, gegen eine Glasscheibe und einen Briefkasten trat.

 

Ein paar Wochen später wurde er in die geschlossene Abteilung der psychiatrischen Fachklinik Stadtroda eingewiesen, wo er seitdem sitzt. Mittlerweile scheint Sebastian G. clean zu sein. Dennoch machte er vor Gericht einen extrem nervösen Eindruck, zog den Kopf zwischen die Schultern, verschränkte extrem seine Arme, seine Bewegungen wirkten fahrig, sein Blick unruhig. An den drei Verhandlungstagen wurde er von je vier bewaffneten Polizeibeamten bewacht, kam und ging in Handschellen. Obwohl er kein Gewalttäter ist und eher schmächtig wirkt, könne ein Anfall ungeheure Kräfte freisetzen. Ohne Behandlung wird er weiter straffällig, prognostizierte der Gutachter.

 

Dies sah auch das Gericht so, das weitere Taten des Angeklagten befürchtet, vor allem, um an Geld für Drogen zu kommen. Wenn er dies nicht bei seiner Mutter bekomme, werde er sich andere Opfer suchen. Durch eine grundlegende Therapie soll Sebastian G. seine Sucht überwinden und sich danach auch wegen seiner Schizophrenie behandeln lassen. Der Klinikaufenthalt wird auf seine einjährige Haftstrafe angerechnet.

Jens Rosenkranz

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