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"Ich wollte nicht der Totengräber der Verwaltungsgemeinschaft sein"

"Ich wollte nicht der Totengräber der Verwaltungsgemeinschaft sein"

"Es ist schon ein komisches Gefühl, nach 30 Jahren in der Verwaltung in Langenleuba-Niederhain, davon 23 Jahre als VG-Chef, auszuscheiden", gibt sich Werner im OVZ-Gespräch nachdenklich.

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Nach 23 Jahren im Chefsessel der Verwaltungsgemeinschaft Wieratal geht Gerd Werner jetzt in den Ruhestand.

Quelle: Mario Jahn

Weil die Verwaltung gerade ins sanierte Rittergut umzogen ist, seien ihm beim Einpacken der Umzugskisten manch alte Unterlagen in die Hände gefallen und Erinnerungen hochgekommen. "Da hat sich im Laufe der Jahre so Einiges angesammelt. Vom handgeschriebenen Protokoll bis hin zu alten, interessanten Rechnungen und Fotos", so der Niederhainer.

 

Seine ersten Schritte in der Kommunalpolitik machte er ab 1985 als Sekretär des Rates der Gemeinde Langenleuba-Niederhain. "Mit Vollbart und langen Haaren passte ich damals eigentlich gar nicht da rein. Doch man wollte mich haben, so wie ich war", blickt er zurück. Fünf Jahre später dann die Wahl zum Bürgermeister von Langenleuba-Niederhain. Mit Gründung der VG Wieratal 1992 kam noch der Posten des VG-Chefs dazu. Alle damaligen Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden Langenleuba-Niederhain, Frohnsdorf, Ziegelheim, Göpfersdorf und Jückelberg als Mitarbeiter in die Verwaltung zu holen, sollte sich in all den Jahren als ein guter Schachzug herausstellen. Kannten diese doch die Probleme ihrer Bürger und ihrer Dörfer.

 

Bis 1999 hatte Werner beide Funktionen inne. Dann verlangte der Gesetzgeber deren Trennung und er konzentrierte sich auf die Arbeit für die VG. Jürgen Schneider, der sein Nachfolger als Bürgermeister wurde, schätzt den 59-Jährigen als guten Verwaltungsfachmann. "Zwischen uns hat es stets eine konstruktive Zusammenarbeit gegeben. Wir hatten immer einen guten Draht zu- einander. Deshalb bedauere ich es sehr, dass Gerd Werner nun aus dem Berufsleben ausscheidet", meint Schneider, der neben seinem Bürgermeisterposten auch Stellvertreter des VG-Chefs ist.

 

"Ich war dafür angetreten, dass sich in dieser Form der Verwaltung auch die kleinen Orte entwickeln konnten. Und schaut man sich in den Mitgliedsgemeinden um, dann haben wir viel geschafft. Neue Sportstätten, neue Feuerwehrhäuser und Gemeindezentren sind entstanden, die Erhaltung aller Kindertagesstätten und die Sanierung der Straßenschänke sind auch zu erwähnen", zieht er ein kleines Resümee, das bei Weitem nicht vollständig ist.

 

Dafür sind mehrere Millionen Euro an Fördermitteln in die Gemeinden geholt worden. "Die Ideen und Entscheidungen für die Vorhaben kamen aus den Kommunen. In der Verwaltung haben wir dann alle auf den Weg gebracht", sagt der scheidende VG-Vorsitzende.

 

Nach dem Höhepunkt seines Wirkens gefragt, erinnert er sich an das Jahr 1996. "Damals haben wir alle Register gezogen, um zu verhindern, dass bei der Gebietsreform aus den fünf Kommunen der VG eine Einheitsgemeinde wird. Auf dem Papier waren wir das damals nämlich schon." Aus heutiger Sicht hätte eine Einheitsgemeinde sicherlich Vorteil gebracht, meint er und runzelt die Stirn. "Aber damals herrschte Aufbruchstimmung, die Gemeinden hatten deutlich mehr Geld als heute und konnten in ihren Orten etwas bewegen." Als das Geld knapper wurde, habe er sich immer wieder für eine Einheitsgemeinde ausgesprochen, doch nicht alle Gemeinden seien davon zu überzeugen gewesen. Als Verwaltungsfachmann gibt er den Gemeinderäte von heute nun den Ratschlag: "Sucht das Gespräch mit Nobitz und nutzt die Chance der Freiwilligkeitsphase zum Zusammenschluss. Das ist auf jeden Fall besser, als abzuwarten, bis von oben etwas festgelegt wird."

 

Trotz der guten Entwicklung in den fünf Gemeinden hinterlasse er eine große Baustelle, meint Werner selbstkritisch. "Das sind die Straßenausbaubeiträge, die bis Ende 2016 erhoben und eingezogen sein müssen. Ich sehe aber wie viele andere nicht ein, dass die Bürger für Straßen und Fußwege, die vor 20 oder 25 Jahren gebaut wurden, heute noch bezahlen sollen", tut er seine persönliche Meinung kund.

 

Weil er nicht derjenige sein wollte, der die Bescheide für die Straßenausbaubeiträge unterschreibt, habe er sich nicht wieder zur Wahl als VG-Vorsitzender gestellt, nennt er nur einen Grund, warum er nicht alles gegeben hatte, um noch einmal gewählt zu werden. "Mit dem Gedanken aufzuhören, habe ich mich seit Herbst 2014 beschäftigt", deckt er erst jetzt die Karten richtig auf und erklärt mit Blick auf die bevorstehende Gebietsreform: "Ich wollte nicht der Totengräber der Verwaltungsgemeinschaft sein, die ich aufgebaut habe."

 

Weil es derzeit keinen gewählten Nachfolger gibt - der einzige Bewerber war wie berichtet durchgefallen -, hat Werner zum Aus- und Aufräumen seines Zimmers noch Luft nach hinten. Einen Plan, was er danach in seiner vielen freien Zeit tun wird, habe er noch nicht, gesteht er ein. "Ich lasse den neuen Lebensabschnitt, der bestimmt schön ist, aber auch Gefahren in sich birgt, auf mich zukommen."

 

Langeweile werde er aber sicherlich nicht haben, denn auf dem großen Grundstück seines Vaters gäbe es jede Menge Arbeit. Mehr Zeit möchte er auch für seinen Neffen, der so etwas wie ein Enkelersatz ist, verbringen, oder Sport treiben und lesen. "Ich würde ehrenamtlich auch gern in den Kindertagesstätten der VG helfen, wenn handwerkliche Tätigkeiten anstehen oder bei der Pflege der Sportstätten Hand anlegen", sagt Werner und räumt ein, nach all den Jahren nicht sofort ganz loslassen zu können.

Marlis Neumann

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Von Redakteur Monika Neumann

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