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Ickarus mit verbrannten Flügeln - Glanzlose Uraufführung von "Berlin Calling" im Altenburger Heizhaus

Ickarus mit verbrannten Flügeln - Glanzlose Uraufführung von "Berlin Calling" im Altenburger Heizhaus

Diese Premiere begann, als sie fast schon zu Ende sein sollte. Ein Kurzschluss sorgte am Samstagabend im ausverkauften Altenburger Heizhaus für einen technischen Defekt, der erst nach fast einer Stunde behoben war.

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Gute Schauspielleistung, zu hektische Inszenierung: David Lukowczyk als Berliner DJ und Musikproduzent Ickarus, der in der Psychiatrie landet.

Quelle: Stephan Walzl

Altenburg. Doch die Hoffnung des Publikums konnte Regisseur Pedro Martins Beja, der für das Altenburg-Geraer Theater bereits "Romeo und Julia" auf die Bühne brachte, mit seiner hektischen Inszenierung nicht erfüllen - auch wenn die überwiegend jungen Leute am Ende fleißig applaudierten.

"Berlin Calling" ist die Geschichte von Ickarus (David Lukowczyk), der als Berliner DJ und Musikproduzent mit seiner Freundin und Managerin Mathilde (Vanessa Rose) durch die Clubs hetzt. Ickarus macht die Party nicht, er ist die Party. Deshalb liebt ihn die Szene und wartet sehnsüchtig auf sein nächstes Album. Um die Tage und Nächte durchzuhalten, wirft er Pillen ein. Sein Kumpel Klaus (Henning Bäcker), der tagsüber brav im Supermarkt Leergut annimmt und ansonsten mit allen möglichen Drogen dealt, besorgt sie ihm.

Eines Tages ist eine falsche Pille dabei, Ickarus dreht durch und findet sich in der Psychiatrie wieder. Er soll sich ausruhen, sein Leben ändern. Alles freiwillig natürlich, und unter fachkundiger Aufsicht von Dr. Petra Paul (Mechthild Scrobanita) - so betonen alle ringsum. Fast wie im Hotel, sogar an seinem Album darf er weiterarbeiten. Doch das Plattenlabel sagt das Album ab und Mathilde, die immer wieder um seine Entlassung gekämpft hat, tröstet sich zwischenzeitlich mit der lesbischen Ärztin. Ickarus verlässt mehrfach die Klinik und soll deshalb ganz gehen. Eine Abschiedsparty mit Alkohol, Drogen und Prostituierten bringt ihn schließlich aber in die geschlossene Abteilung der Klinik. Die wird dann auch noch zum Ort für ein Covershooting für das Album, das nun doch erscheinen soll - aber nicht, wie Ickarus es will unter dem Titel "Titten, Techno und Trompeten", sondern unter "Berlin Calling".

Die Altenburger Inszenierung läuft in und vor einem riesigen Quader aus Metallschienen (Bühne und Kostüme Jeremias Böttcher) ab. Der verwandelt sich mittels weißer Tücher mal in ein Tonstudio, dann wieder in die Nervenklinik. Die Tücher sind zudem Projektionsflächen für Videosequenzen, die Ickarus' Alpträume und Wahnvorstellungen deutlich machen - zerbrochene Puppenköpfe und verzerrte Fratzen, etwa von Zivi Pete (Peter Schneider), von der Ärztin, die ihn als Sexobjekt benutzt, von Mathilde und der Ärztin.Doch Ickarus, der den alten Traum des Einssein von Alltag und Kunst lebt, rappelt sich wieder auf. "Ich hab einfach keine Zeit zum Sterben", meint er. Aber wenn doch, dann soll nichts von ihm zurückbleiben "außer dieser eine Ton".

Die wie gehetzt wirkende Inszenierung hat nur zwei Ruhepunkte. Da ist zum einen die Szene, in der die ansonsten toughe Mathilde alles Aufgesetzte von sich abfallen lässt und wie ein unbedarftes Mädchen - einzig begleitet vom Klavier - singt (Musik Katharina Kellermann). Und es ist jene Szene, in der Ickarus zunächst eingewickelt ist in Plastikfolie wie in einer Zwangsjacke, um dann in den wie ein Netz quer durch den Quader gespannten Foliestreifen zu hängen - abgestürzt wie einst Ikarus aus der griechischen Mythologie, der zu hoch flog und sich die Flügel verbrannte. Überhaupt ist es der Verdienst der Schauspieler, dass diese Uraufführung nicht gänzlich in einem Desaster endete.

Nächste Vorstellungen: 24. November und 3. Dezember, jeweils 19.30 Uhr.

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