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Im Altenburger Lindenau-Museum gibt's Zoff um die neuen Sitzmöbel

Zwischen allen Stühlen Im Altenburger Lindenau-Museum gibt's Zoff um die neuen Sitzmöbel

Wer schon einmal eine Veranstaltung im Altenburger Lindenau-Museum besucht hat, der weiß um das Dilemma mit den in die Jahre gekommenen Sitzmöbeln. Deshalb sollen jetzt neue angeschafft werden – bezahlt von Sponsoren und dem Förderverein. Doch die an sich gute Idee sorgt jetzt für Unmut.

Das Altenburger Lindenau-Museum kommt nicht aus den Schlagzeilen.
 

Quelle: dpa

Altenburg.  Wer schon einmal eine Ausstellungseröffnung, ein Konzert oder einen Vortrag im Altenburger Lindenau-Museum besucht hat, der weiß um das Dilemma mit den Sitzmöbeln. Die mächtig in die Jahre gekommenen Ikea-Modelle – Klappstühle aus einem Metallgeflecht – sind ziemlich unbequem und lassen ihre Nutzer oft genug neidvoll auf die Reihe der Ehrengäste solcher Veranstaltungen blicken. Die sitzen nämlich auf den wenigen, mit rotem Samt gepolsterten Stühlen.

Deshalb haben sich das Team des Museums und der Vorstand des Förderkreises „Freunde des Lindenau-Museums“ schon vor einigen Monaten geeinigt: neue Sitzmöbel müssen her. Bequem, formschön, stapelbar und gut verstaubar sollten sie sein. Da aber das Geld im Musentempel bekanntlich stets knapp ist, einigte man sich darauf, auf Sponsorensuche zu gehen. Und: Für jeden Stuhl, der von privater Hand bezahlt wird – Kostenpunkt 165 Euro – kauft der Förderkreis einen weiteren hinzu. Gebraucht werden also 40 Spender für die insgesamt 80 Stühle, die angeschafft werden sollen. Aktuell sind bereits 23 Sponsoren gefunden, also 46 Stühle bezahlt. Die ersten schon im Museum eingetroffen.

Um die Sache etwas anzukurbeln – bis dato war die Aktion nur auf der Homepage von Museum und Förderverein nachzulesen – wurden jetzt eine Pressemitteilung herausgegeben und gezielt Briefe an Kreistagsmitglieder mit der Bitte um Unterstützung verschickt. Doch genau diese Sponsorensuche droht jetzt nach hinten loszugehen oder zumindest für Unmut zu sorgen.

Denn in den Briefen wird auch das Unternehmen genannt, bei dem die Stühle in Auftrag gegeben wurden – die Firma Thonet aus Frankenberg (Eder) in Hessen. Für Kreisrat Thomas Reimann (Regionale) beispielsweise ein Unding. „Immer wieder ist die Rede von der Stärkung der regionalen Wirtschaft. Und wenn es konkret wird, dann schaffen wir das Geld nach Wessiland“, ist Reimann sauer. Der Ortsteilbürgermeister von Wintersdorf weiß aus langjähriger Erfahrung, dass es immer der Mühe wert ist, Firmen in der eigenen Region zu suchen und sie mit den Aufträgen zu bedenken. „Und wir haben mit der Stahlrohrmöbel GmbH in Gößnitz jemanden vor Ort. Doch dort hat das Museum ja nicht einmal angefragt“, so Reimann. Dies bestätigte Vertriebsmitarbeiterin Karin Harnisch der OVZ auf Anfrage.

Das Corpus delicti – die neuen Stühle

Das Corpus delicti – die neuen Stühle.

Quelle: Museum

Auch Uwe Melzer, Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten im Kreistag und Mitglied des Kulturausschusses, bedauert eine solche Herangehensweise. „Ich finde das sehr schade. Wir bestellen alle Stühle, die wir brauchen in Gößnitz und haben damit gute Erfahrungen gemacht“, so der Chef der Verwaltungsgemeinschaft Pleißenaue. „Wenigstens den Versuch, dort einen passenden Stuhl zu finden, hätte man unternehmen können.“

Der Fördervereinsvorsitzende Lutz Woitke hingegen kann die ganze Aufregung nicht verstehen. „Wir reden hier nicht von Geld aus dem Kreishaushalt, sondern von privaten Spenden“, sagte er. Deshalb sei man hier auch nicht rechenschaftspflichtig. Museum und Förderkreis wollten ein Modell, das vom Design her zum Lindenau-Museum passt. Es sollte diesmal nicht einfach nur ein Stuhl sein. Denn es ist ein renommiertes Haus, das mit Kunst zu tun habe. Es bestehe also auch beim Kauf von neuen Stühlen ein gewisser Anspruch. Man habe verschiedene Modelle begutachtet und sich dann bewusst für die Firma Thonet entschieden, weil die Anforderungen hier am besten erfüllt wurden. „Außerdem glaube ich nicht, dass alle Kreisräte ihre Autos in Mosel kaufen“, so Lutz Woitke abschließend.

Uwe Melzer schon. „Ich habe mich ganz bewusst für einen VW entschieden und auch für einen Händler aus der Region. Für mich gilt Wirtschaftsförderung nicht nur beruflich, sondern wenn es irgend geht auch privat.“

Von Ellen Paul

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