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Altenburg Im Kreisarchiv lässt sich Geschichte des Altenburger Lands nachvollziehen
Region Altenburg Im Kreisarchiv lässt sich Geschichte des Altenburger Lands nachvollziehen
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07:07 11.01.2019
Kreisarchivarin Kerstin Scheiding ist die Herrin über die Sammlung im Untergeschoss des Landratsamts. Quelle: Foto: Mario Jahn
Altenburg

Kerstin Scheiding steht zwischen schmucklosen Metallregalen. In den Fächern stapeln sich – fein säuberlich gekennzeichnet – Pappkartons. In der Ecke summt ein Luftentfeuchter vor sich hin. „Zwischen 50 und 55 Prozent Luftfeuchtigkeit und 18 bis 20 Grad sind optimal“, spricht Scheiding aus Erfahrung. Und sie muss es wissen, schließlich ist sie als Kreisarchivarin Herrin über die zahlreichen Schätze, die im Keller des Landratsamtes schlummern.

2000 Regalmeter voller Geschichte und Geschichten

Gut und gerne 2000 laufende Regalmeter umfassen die hier gelagerten Bestände. „Pro Jahr kommen im Schnitt zwischen 100 und 300 weitere Meter hinzu“, so Scheiding. Ein guter Teil der Geschichte des Landkreises lässt sich in den Räumen nachvollziehen, insbesondere der politische Werdegang des Altenburger Landes ist umfangreich dokumentiert.

Auf Anordnung der DDR-Regierung eingerichtet, fanden seit 1952 zahlreiche Zeitzeugnisse den Weg in das Gebäude in der Lindenaustraße. „Dazu gehören Akten der Verwaltung, aber auch Zeitungen, Amtsblätter, Ortschroniken, aber auch Bauzeichnungen, Urkunden oder Zeitgeschichtliches aus der DDR, etwa Unterlagen aus dem ehemaligen Pionierhaus am Weibermarkt“, zählt Scheiding nur einen kleinen Teil der gelagerten Dokumente auf.

Die reichen im Übrigen mitunter sogar deutlich weiter als nur bis zur Archivgründung zurück. „Wir haben hier auch Zeitungen aus dem 19. Jahrhundert, die Bestände aus den ehemaligen Stadtarchiven Gößnitz und Schmölln reichen gar bis ins 15. Jahrhundert.“ Private Nachlässe und Schenkungen vervollständigen das Konvolut.

Im Kreisarchiv im Landratsamt lassen sich gut 600 Jahre Geschichte des Altenburger Landes nachzeichnen.

Zeitzeugnisse auf Zuruf

Dass überhaupt so viele Zeitzeugnisse den Weg in das Gewölbe gefunden haben, ist durchaus als Glücksfall zu bezeichnen. „In der DDR etwa wurde das Archiv nicht sonderlich wertgeschätzt und diente oft als eine Art Abstellkammer“, weiß die gelernte Verwaltungswirtin, die sich als Diplom-Archivarin weiter qualifizierte.

Gerade in der Nachwendezeit seien dann noch einmal viele Dokumente verschütt gegangen oder gar vernichtet worden. Umgekehrt erhielt und erhält das Archiv viele Materialien aus Privathand oder durch Hinweise aus der Bevölkerung. „Wir sind durchaus auf Zurufe oder Mundpropaganda angewiesen und freuen uns über jeden Hinweis“, gibt Scheiding unumwunden zu.

Auswandererkinder, Heimatforscher und Erbermittler

Vor allem für Heimatforscher ist das Archiv eine ergiebige Anlaufstelle, weiß Kerstin Scheiding. Daneben lassen sich aber auch Architekten von den Mitarbeitern historische Baupläne vorlegen oder stöbern Erbermittler in Todesanzeigen der Zeitungen nach Spuren zu Verwandten von Verstorbenen. Selbst aus den USA oder Australien gelangen Anfragen nach Altenburg. „Das sind vorwiegend Kinder von Auswanderern, die ihre Familiengeschichte nachvollziehen wollen.“ Auch Anfragen zu Kopien von Zeitungs-Titelseiten anlässlich runder Geburtstage seien stetig zu verzeichnen.

Die digitale Welt hält Einzug

Eine Arbeit, die inzwischen in großen Teilen auch auf digitalem Weg im Nutzerraum des Archivs erledigt werden kann, wie Kerstin Scheiding erklärt. „Viele unserer Bestände haben wir bereits auf Mikrofilm gebannt. Das ist gerade bei älteren Zeitungsausgaben wichtig, da diese wegen Bruchgefahr des Papiers nicht mehr händisch durchsucht werden können.“

Mittelfristig sollen weitere Akten folgen, nicht zuletzt, da der physische Platz im Archiv endlich ist. Trotzdem ist man im Landratsamt auch für die „klassische“ Archivarbeit gerüstet, hält neben direkter Einsicht in Schriftstücke auch Plattenspieler und Kassettenrekorder bereit, „um etwa Mitschnitte von Sitzungen abzuhören“, so Schneidig.

Wer Einsicht in die Bestände erhalten möchte, muss zunächst einen Termin mit den zuständigen Mitarbeitern vereinbaren und einen Antrag stellen. Gegen Gebühren können dann Akten gewälzt und Kopien gezogen werden, in begründeten Fällen ist die Recherche kostenfrei.

Kontakt zum Kreisarchiv kann man aufnehmen unter der Telefonnummer 03447 586150 oder per E-Mail unter kreisarchiv@altenburgerland.de

Von Bastian Fischer

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