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Immobilienmarkt im Altenburger Land leidet an Geldsorgen und mangelndem Angebot

Wohneigentum Immobilienmarkt im Altenburger Land leidet an Geldsorgen und mangelndem Angebot

Laut einer Erhebung hat Altenburg die geringste Wohneigentumsquote unter den Thüringer Kreisstädten. Die Erklärungen dafür gehen in verschiedene Richtungen: Zwangsversteigerungen und finanzielle Nöte auf der einen Seite, eine hohe unbefriedigte Nachfrage nach Baugrundstücken und Eigenheimen andererseits.

Die Pauritzer Straße ist einer der wenigen neuen Eigenheim-Bauplätze in Altenburg. Von vier Parzellen ist derzeit nur noch eine unbebaut.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Zwangsversteigerungen und finanzielle Nöte auf der einen Seite, eine hohe unbefriedigte Nachfrage nach Baugrundstücken und Eigenheimen andererseits: Der Immobilienmarkt im Altenburger Land befindet sich im Spannungsfeld. Vielen Menschen im Landkreis bleibt das Wohnen in eigenen vier Wänden verwehrt, obwohl es ihr Wunsch wäre.

Eine aktuelle Untersuchung des Pestel-Instituts aus Hannover, die sich auf Daten des Mikrozensus bezieht, liefert Zahlen. Nur 19 Prozent der Haushalte in der Stadt Altenburg hatten 2015 ein eigenes, selbst genutztes Haus oder eine Eigentumswohnung. Damit hat die Skatstadt die niedrigste Wohneigentumsquote unter allen Thüringer Kreisstädten. Zum Vergleich: In Greiz beträgt die Quote 34 Prozent, in Eisenberg 36, in Schleiz sogar 48 Prozent. Mit Blick auf den gesamten Kreis Altenburger Land ist der Wert zwar höher, allerdings nicht üppig: Rund 41 Prozent der Haushalte haben eine eigene Immobilie. Damit liegt der Landkreis etwa zwei Prozentpunkte unter dem vom Landesamt für Statistik ausgewiesenen thüringenweiten Durchschnitt.

Die Erklärungen, warum Wohneigentum im Altenburger Land und speziell in der Stadt Altenburg keine größere Rolle spielt, gehen in verschiedene Richtungen. Makler Gerd Reinboth von Willms Immobilien verweist auf verbreitete Existenzängste. „Viele befürchten einen Jobverlust oder haben ein zu geringes Einkommen, um eine so große Anschaffung realisieren zu können.“ Außerdem, so hat Reinboth beobachtet, seien Bankkredite inzwischen schwerer zu bekommen als noch vor Jahren. Die Kreditinstitute seien vorsichtiger. Auch ein Grund, weshalb es in jüngster Zeit eine größere Zahl von Zwangsversteigerungen in der Region Altenburg gegeben habe.

Die Einschätzung, dass monetäre Unsicherheiten den Weg ins Eigentum verbauen, teilt auch Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts. „Es hapert oft an guten Bedingungen für eine solide Finanzierung. Daran ist auch eine unsichere berufliche Perspektive schuld.“ Günther bezeichnet konkret die 25- bis 40-Jährigen als „Verlierergeneration“. „In dieser Altersgruppe – und das betrifft allein in Altenburg rund 5100 Frauen und Männer – ist die Eigentumsquote im Landkreis innerhalb von zwölf Jahren um 22,8 Prozent zurückgegangen.“ Günther beruft sich bei seinen Berechnungen auf Daten aus der Zusatzerhebung Wohnen beim Mikrozensus 2014. Und bemängelt eine „fehlende staatliche Unterstützung für selbst genutztes Wohneigentum“.

Ein Hemmnis für eigene vier Wände ist allerdings auch die Situation auf dem lokalen Immobilienmarkt. Stichwort Eigentumswohnungen in Altenburg: „Gefragt sind vor allem größere Wohnungen, am besten mit Zugang ins Grüne. Eine Vier-Raum-Wohnung mit Garten, Terrasse oder großem Balkon – das ist Goldstaub“, sagt Makler Michael Trommer. Die potenziellen Käufer – Familien mit Kindern oder gut verdienende Paare – suchen etwas Geräumiges, so seine Erfahrung. Verfügbar seien jedoch insbesondere Ein- und Zwei-Raum-Wohnungen. „Da gibt es ein Überangebot.“ Eine Ursache dafür sei die verbreitete Praxis in den 1990er-Jahren, große Wohnungen für bessere Vermietbarkeit zu teilen. Vor allem Kapitalanleger aus den alten Bundesländern hätten auf diese Weise in der Stadt Spuren hinterlassen.

Noch gefragter als Wohnungen seien Eigenheime und Baugrundstücke. „Beides Mangelware“, schätzt Trommer ein. „Ich muss jeden Monat zehn Leute wegschicken, weil ich nichts Passendes anbieten kann. Da fällt auch auf die Füße, dass in den letzten 25 Jahren kaum neue Eigenheime errichtet wurden.“ Zum Verkauf stehende Einfamilienhäuser gebe es nur in bescheidenem Umfang. Das gelte ebenso in den Dörfern. Dort könne man allerdings für rund 130 000 Euro plus Sanierungskosten ein nettes Häuschen bekommen.

„Gerade erst wurden drei Eigenheime in Starkenberg von älteren Leuten an junge Familien verkauft“, berichtet Bürgermeister Wolfram Schlegel (Die Regionalen). „Die großen Güter sind nicht ganz so beliebt, aber hier wie dort gilt: Es ist alles eine Frage des Preises.“ Gerade bei ländlichen Immobilien müssen oft finanzielle Abstriche gemacht werden. Die Preisvorstellungen der Alt-Besitzer seien mitunter ein Problem, sagt Carsten Helbig (SPD), Bürgermeister von Langenleuba-Niederhain. Die Gemeinde ist in diesem Punkt aber nicht eingebunden. „Wir sind ständig dabei, neue Flächen zu erschließen“, schildert Helbig. „Vor Kurzem haben wir zwei Eigenheimstandorte in der Nähe der Schule entwickelt und verkauft. Aktuell liegen uns sechs weitere Nachfragen vor.“ Viel zu tun auch in Rositz: „Die Nachfrage ist deutlich gestiegen. Jede freiwerdende Lücke, jedes angebotene Haus findet rasant Abnehmer, wenn der Preis stimmt“, sagt Bürgermeister Steffen Stange (parteilos). Auch zwei Eigenheimplätze, die die Gemeinde beim Bernsteinhof freigab, seien ruck-zuck verkauft worden. Allerdings: Kommunales Bauland gebe es wenig, die Gemeinde könne nur selten neue Angebote schaffen.

Ein Grund, weshalb das Altenburger Land vom allgemeinen Immobilien-Boom nach wie vor kaum profitiert. Nach Angaben des Landesamtes für Statistik lag die Zahl der Bauland-Käufe im Landkreis 2015 auf einem Tiefstand. Nur 54-mal wechselten Flurstücke den Eigentümer. 2014 gab es 58 Käufe, im Jahr davor 60. Zum Vergleich: Mitte der 1990er-Jahre lag die Zahl der Bauland-Anschaffungen noch über 200 pro Jahr.

Von Kay Würker

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