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Altenburg In Altenburg eindrucksvolle Bilder vom Mauerfall bis zur deutschen Einheit
Region Altenburg In Altenburg eindrucksvolle Bilder vom Mauerfall bis zur deutschen Einheit
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08:00 07.09.2016
Die neue Ausstellung in der Galerie Brühl 2 erinnert an die Zeit von Mauerfall bis Einheit. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Wenn jetzt nach dem Bahnsozialwerk die Gesellschaft für Fotografie Berlin die Altenburger Galerie Brühl 2 als Ausstellungsort entdeckt hat, so ist dies ein untrügliches Zeichen dafür, dass sie nicht nur Künstler aus der Region anlockt. Zumal die Fotoschau „Was bleibt! – Ost-West-Fotos aus der Zeit vom 9. November 1989 bis 2. Oktober 1990“ in Vorab-Präsentationen bei der Weltmesse für Fotografie („photokina“) in Köln und anderen Städten sowie in resonanzstarken Ausstellungen dieses Jahres in Berlin und Colditz großes Interesse erweckt hat. Gleiches ist dem spektakulären Fotoprojekt, das jedes eingereichte Motiv berücksichtigt hat, nun für Altenburg zu wünschen.

Der Präsident der Gesellschaft für Fotografie, Hans-Jürgen Horn, eröffnete vergangenen Sonnabend die Altenburger Schau. Er konnte unter den leider nur wenigen Interessenten auch Dieter Zänker, den Geschäftsführer des Kulturbundes Berlin, begrüßen. Dessen Institution ist Eigentümer des sanierten historischen Hauses am Brühl. In seinen philosophierenden wie emotionalen Worten bewertete Hans-Jürgen Horn die Notwendigkeit und Berechtigung dieses großen Fotoprojektes, das quer durch Deutschland gezeigt werden soll. Jetzt sei es an der Zeit, das Geschehen 1989/90 aufzuarbeiten und neu zu bewerten. Der Ausstellungsort Altenburg wäre zudem der richtige Ort im Zentrum Deutschlands. Den anwesenden Jugendlichen riet er, sich Geschichte auf diese fotografische Weise lebendig anzueignen und die persönliche Entwicklung so festzuhalten. Weiter verwies er auf die technische Weiterentwick- lung der Fotografie im heutigen digitalen Spektrum. Private Fotos vom damaligen Kleinformat werden nun in 60 mal 40 Zentimetern auf großen Tafeln gezeigt, und per Bildschirm wird eine Fotoschau aller eingereichten 1500 Motive erlebbar.

Der Präsident der Gesellschaft für Fotografie ist und wird sich mit den Betrachtern einig sein: Die Wendezeit sei enorm spannend gewesen, voller Freude und Hoffnungen, aber auch mit Unsicherheit und Angst. Sie sei heute mit Menschlichkeit und Information statt Agitation aufarbeitbar. Die Situation, Spielball der Geschichte gewesen zu sein, sei tolerant durchaus mit Zeigefinger, aber vordergründig mit liebenswerter Ironie zu meistern.

Die zu sehenden Motive belegen dies klar. Sie erzählen von den Demonstrationen bis hin zum Schwanken wegen einer voreiligen Wiedervereinigung, vom welthistorischen Spaziergang am 9. November 1989 auf der Bornholmer Brücke, von der Verschiedenartigkeit der zu Besuch kommenden Politiker, von einer gegenseitigen Willkommenskultur, vom „Abschieben“ des Trabis, den ersten Reisen gen Westen und in die Alpen, den verstohlenen Blick in die Schaufensterauslagen am Tag der Währungsunion und ähnliches. Da gibt es den skeptischen Blick eines Kindes unter dem Plakat „Helmut Kohl kommt!“, den offenen Willy Brandt in Magdeburg, das Angebot kostenloser Übernachtung für Westbürger in Bad Doberan, die gebastelte „Bananenfalle“ auf einer Demo am 13. Dezember 1989 und auch die Menschenschlange vor dem Beate-Uhse-Center. Des Geschäftsführers Lieblingsmotiv ist der „Urlaubseinkauf 1990“.

Hans-Jürgen Horn rief dazu auf, den Kreis der bisher 200 Einreicher zu erweitern. Am Ende des Projektes soll ein Katalog oder ein Buch stehen. Selbiges ist für 2017/18 vorgesehen. Natürlich erfolgt auch eine Preisverleihung. Vorgesehen beziehungsweise denkbar ist auch ein Altenburger Fotoworkshop.

Die Neuzugänge können beim Altenburger Kulturbund in der Galerie Brühl 2 abgegeben werden. Die Fotoschau ist bis zum 25. Oktober zu sehen.

Öffnungszeiten: Montag und Freitag 10 bis 12 Uhr; Dienstag bis Donnerstag 10 bis 17 Uhr.

Von Frieder Krause

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