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In Altenburg fliegen die Fäuste für einen guten Zweck

Benefiz-Boxnacht In Altenburg fliegen die Fäuste für einen guten Zweck

Die Benefiz-Boxnacht in Altenburg haben in den zurückliegenden zwei Jahren um die 800 Zuschauer erlebt. Mit ähnlichen Zahlen hoffen die Veranstalter um Promoter Peter Petzold aus Rositz auch am Sonnabend. Der Erlös geht diesmal direkt an die Oase, Petzolds soziales Projekt für Mensch und Tier in Rositz. 19 Kämpfe sind geplant, darunter eine Europameisterschaft, in der Lokalmatador Mario Platz alles gegen will.

Trainer und Entdecker Peter Petzold fiebert mit seinem Schützling Mario Platz (v.l.) dem bislang größten Kampf seiner Karriere entgegen.
 

Quelle: Mario Jahn

Altenburg.  Bei der dritten Benefiz-Boxnacht am Sonnabend im Goldenen Pflug greift der Rositzer Mario Platz vom Boxclub Rositz nach dem bislang größten Titel seiner zwölfjährigen Karriere: Im K1 in der Gewichtsklasse bis 77 Kilogramm kämpft Platz gegen den Bosnier Edis Dzambas um die Europameisterschaft. Die OVZ sprach mit dem 26-jährigen Rositzer sowie seinem Trainer und Promoter der Boxnacht, Peter Petzold, über das Event, wie Kampfsport zum Lebenshelfer werden kann, und ein auffälliges Tattoo auf Marios linker Brustseite.

Peter Petzold (55) betreibt in Rositz schon seit zehn Jahren die Oase, einen Ort, in dem alte wie kranke Tiere eine Heimat finden und wo vor allem Menschen mit psychischen wie sozialen Problemen ein offenes Ohr und praktische Hilfe zur Selbsthilfe finden. Dazu gehörte in den ersten Jahren auch das so genannte Straßenboxen für Problemkids. Unter fachkundiger Anleitung konnten sie dort sinnvoll Sport treiben und vor allem Aggressionen abbauen.

Der Mann, dessen Konterfei Sie sozusagen am Herzen tragen, steht Ihnen offenbar ziemlich nahe...

Mario Platz: Natürlich. Das ist mein Vater, der leider viel zu früh gestorben ist, als ich erst acht Jahre war. Dieser Verlust hat mich schwerst erschüttert. Ich hatte daran lange Zeit schwer zu kauen. Eigentlich bis heute noch. Vor zwei Jahren habe ich mir dieses Tattoo stechen lassen. Von einem alten Schwarzweißbild meines Vaters, damit er immer bei mir ist.

Irgendwie war dieser Schicksalsschlag später auch die Initialzündung für die folgende sportliche Karriere?

Mario Platz: In gewisser Weise schon. Ich bin eigentlich ein sehr introvertierter Mensch, der Probleme und Konflikte lieber mit sich allein ausmacht, im Stillen verarbeitet. Auch der mich so schwer belastende Verlust des Vaters und andere Konflikte, die später weiter hinzukamen. Aber irgendwann ist man da auch an einem Punkt, wo der berühmte letzte Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt. Und dann kommen halt Sachen, die nicht rechtens sind. Auch bei mir, wenngleich dies kleinere Sachen waren. Klar haben meine Mutter und andere Familienmitglieder darunter auch zu leiden gehabt. Und dann, als ich zwölf Jahre alt war, brachte mich eine Tante zu Peter Petzold und fragte ihn, ob er sich nicht um mich kümmern könnte.

Peter Petzold: Den Tag, an dem Mario vor zwölf Jahren zu mir gebracht wurde, werde ich nie vergessen. Da stand so ein leicht abgerissenen und trotziges Bürschchen vor mir. Und die Tante fragte mich allen Ernstes, ob ich mich ihm annehmen könnte. Ehrlich ich habe damals gedacht: Oh Gott, nicht noch einer. Aber dann ist der Junge uns allen hier richtig ans Herz gewachsen, ja er gehört zur Familie. Und ich bin sozusagen sein Ersatzvater.

Mario Platz: Da gab es sicher auch turbulente Zeiten und wir hatten auch mal Streit miteinander. Und, ja, es gab auch Punkte, wo mir der Peter eigentlich den Buckel herunterrutschen konnte. Aber soweit ist es ja nie gekommen.

Warum?

Mario Platz: Weil Peter eine Art hat, junge Leute wie mich zu führen. Sowohl im privaten wie auch im sportlichen Bereich. Heute arbeite ich als Anlagenmonteur und bin die Woche über auf Montage. Aktuell am Bodensee. Die Kurve, das kann man wohl sagen, habe ich offensichtlich gekriegt.

Peter Petzold: Klar sage ich den jungen Leuten klar und deutlich, wo es lang geht. Aber da wird niemals herumgeschrien. Aber alle wissen auch, dass Leistungen anerkannt werden.

Mario, vor zwölf Jahren haben Sie auch beim Fightclub Rositz aktiv mit dem Sport begonnen. Was lernt man daraus?

Mario Platz: Boxen am Anfang, später aber auch Freefight oder K1 sind sicher knallharte Kampfsportarten. Aber dort gelten klare Regeln, die es einzuhalten gilt. Und dies ist immer eine Schule fürs Leben. Zudem lernt man in diesem Kampf Mann gegen Mann auch zu akzeptieren, wenn der Kontrahent besser ist und was man falsch gemacht hat. Das stärkt auch fürs alltägliche Leben.

Wieviele Kämpfe haben Sie bislang bestritten?

Mario Platz: So um die 40 in den Jahren. Sowohl im Boxen, wie auch im Freefight oder K1. Meinen ersten Boxkampf habe ich durch einen knallharten K.o. in der zweiten Runde gewonnen. Danach habe ich einiges einstecken müssen, bin selber einige Male schwer zu Boden gegangen. Aber insgesamt hat mich das stärker gemacht.

Peter Petzold: Manchmal ist es gar nicht so gut, wenn man seine Kampfsportkarriere mit so einem klaren Sieg beginnt. Das macht in gewisser Weise auch leichtsinnig, weil man glaubt, alles läuft so gut. Aber der Mario hat die Kurve ja super hingekriegt. Und jetzt ist er in unserem Boxclub für die vielen Jüngeren ein oder das Vorbild.

Jetzt geht es um die Europameisterschaft im K1. Ist der Gegner bekannt und wie bereitet man sich darauf vor?

Mario Platz: Den Gegner kennen wir überhaupt nicht, wissen aber, dass aus Bosnien ganz starke Leute kommen. Auf jeden Fall haben wir uns ganz intensiv auf diesen Höhepunkt meiner sportlichen Karriere nach Deutscher und Internationaler Deutscher Meisterschaft in den beiden Vorjahren vorbereitet. Dank dafür auch an alle, die dabei geholfen haben.

Wie hält man am Kampfabend die Spannung bis zum ersten eigenen Gong, der wohl erst weit nach Mitternacht erklingen dürfte?

Mario Platz: Ich sekundiere meinen Vereinskameraden, die vor mir in den Ring müssen. Und dann geht ich ganz tief in mich, schotte mich gegen alles Äußere ab. Manchmal auch mit Musik, Metal vor allem.

Und was passiert nach dem Kampf?

Mario Platz: Das hängt ja auch davon ab, wie der ausgeht. Aber wir werden uns danach schon was einfallen lassen.

Peter Petzold: Auf jeden Fall gehen wir richtig schön ungarisch essen. Das hat sich der Mario gewünscht, und das bekommt er auch.

Rund um die Benefiz-Boxnacht

  • Die Altenburger Benefiz-Boxnacht findet zum dritten Mal im Goldenen Pflug in Altenburg statt.
  • Einlass ist Sonnabend ab 18 Uhr, die Kämpfe beginnen um 19.30 Uhr.
  • Ausrichter ist die German Boxing Association (GBA), die als Dachverband sowohl für Amateure sowie Profis offen steht.
  • In Altenburg wird es insgesamt 19 Kämpfe im klassischen Boxen, Kickboxen sowie K1 geben. Im Ring zu erleben sind Nachwuchssportler und Erwachsene - Profis sowie Amateure.
  • Fünf Gürtel werden vergeben: Neben der Europameisterschaft geht es um Internationale Deutsche, Deutsche und Ostdeutsche Meisterschaften.
  • Der Reinerlös der Veranstaltung kommt der von Petzold in Rositz betriebenen Oase zugute, die dieses Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert.
  • Karten im Vorverkauf zu 20 Euro gibt es unter anderem in den Filialen von Getränke Patzelt sowie der Oase. Außerdem besteht am Freitag im Goldenen Pflug von 15 bis 21 Uhr die Möglichkeit, Karten zu 20 Euro zu erwerben. An der Abendkasse kosten  die Karten 25 Euro. 

jw

Von Jörg Wolf

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