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Altenburg In Altenburg ist der Tod bühnenreif
Region Altenburg In Altenburg ist der Tod bühnenreif
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00:30 29.03.2018
Hudson Oliveira als Dichter Dante (vorn) und Mitglieder des Thüringer Staatsballetts verzaubern das Publikum. Quelle: Sabina Sabovic
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Altenburg

Gibt es ein Leben nach dem Tod? Werden wir unsere Lieben wiedersehen an einem Ort, den wir Paradies nennen? Und wie gelangen wir an diesen Sehnsuchtsort?

Nichts weniger als diese Fragen beschäftigen Silvana Schröder in ihrem zweiteiligen klassischen Ballettabend „Eine infernalische Reise/Letzte Lieder“, der am Sonntag im Landestheater Altenburg umjubelte Premiere feierte. Entstanden im Rahmen der Liszt-Biennale 2017, basiert das Ballett im ersten Teil musikalisch auf der Dante-Sinfonie von Franz Liszt nach der „Göttlichen Komödie“ Dante Alighieris. Im zweiten Teil ließ sich die Direktorin des Thüringer Staatsballetts von vier Liedern inspirieren, die Richard Strauss zu Gedichten von Hermann Hesse und Joseph von Eichendorff in Erwartung seines eigenen nahen Todes geschaffen hat. Kein leichter Stoff, zumal die Choreografin weitgehend auf Handlung verzichtet und mit Abschiednehmen und Erlösungshoffnung Themen zur Diskussion stellt, die wir gern ausblenden würden.

Berührendes Gesamtkunstwerk

Dass dieser sinfonische Tanzabend zu einem berührenden Gesamtkunstwerk wird, ist dem grandiosen Zusammenwirken aller Beteiligten zu verdanken: dem Philharmonischen Orchester Altenburg-Gera unter Leitung von Takahiro Nagasaki, den Damen des Opernchores von Theater und Philharmonie Thüringen, der fantastischen Sopranistin Anne Preuß, einem stimmigen Bühnen-, Licht- und Laser-Konzept (Andreas Auerbach) und dem Thüringer Staatsballett mit seiner Direktorin Silvana Schröder.

Zum Auftakt mit den schicksalsschweren Posaunen des Infernos kämpft Hudson Oliveira einsam auf dunkler Bühne und muss sich dann doch die Totenmaske Dantes aufsetzen lassen. Frauen und Männer kreisen ihn ein und nehmen ihn mit auf die Reise ins Totenreich, von der Hölle hinauf ins Purgatorio auf den Läuterungsberg und in die angedeuteten Sphären des Paradieses. Für das Chaos der Unterwelt und die Verzweiflung der toten Seelen kreiert Silvana Schröder außergewöhnliche Gruppenbilder mit weit ausgreifenden, fließenden Bewegungen, synchronen Schrittfolgen und kraftvollen Hebungen. Wie die Musik das Schattenhafte dieser Seelen in Töne fasst, lässt auch Schröder ihre Kompanie scheinbar losgelöst von Zeit und Raum agieren.

Ans Herz gehende Körper- und Seelenqual auszudrücken, gelingt der Choreografin besonders mit ihrem Pas de deux, den Alina Dogodina und Vitalij Petrov verkörpern. Die langjährigen Mitglieder des Thüringer Staatsballetts haben schon in vielen Rollen technisch und ausdrucksstark das Publikum verzaubert. Mit der anrührenden Episode eines Liebespaares, das vom Gemahl der jungen Frau im Diesseits beim Ehebruch ertappt und erstochen wird und nunmehr in unerfüllter Liebe auf ewig aneinander gebunden durch die Höllenkreise treibt, schreiben sie diese Erfolgsgeschichte fort.

Stimmgewaltige Sopranistin

Anrührend gelingt Silvana Schröder auch der Weg zum Erlösungsort, auf dem die Damen des Opernchores und die stimmgewaltige Sopranistin Anne Preuß als Beatrice mit dem biblischen Magnificat begeistern.

Nach der Pause ahnt Beatrice im Diesseits, dass ihr Leben endlich ist. Leidenschaftlich und mit großer Innigkeit singt Anne Preuß vom „Frühling“ (Hesse), in dem schon der Abschied anklingt, und von einem wandermüden Paar (Joseph von Eichendorff), das Hand in Hand durch das Leben ging und nun im tiefen Abendrot angekommen ist. Silvana Schröder bebildert diese Lied-Gedichte nicht, sondern stellt ihr tänzerisch eigenständige Interpretationen zur Seite. Kein Bild ist zu viel, keine Szene zu lang, der Tod aber bleibt ein Geheimnis.

Zum Schlussapplaus sind auf der Bühne alle Künstler vereint und feiern mit dem Publikum einen großartigen Abend.

Nächste Aufführungen am Landestheater Altenburg: 30.3. und 9.6., jeweils 19.30 Uhr.

Von Sabine Wagner-Munteanu

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