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In Gößnitz stieg die Premiere des Nörgelsäcke-Programms

„Der will nur spielen“ In Gößnitz stieg die Premiere des Nörgelsäcke-Programms

Eine Kabarettbühne in einer kleinen Stadt, so wie dies Gößnitz ist, braucht Abwechslung. Fehlt die Vielfalt, bleibt das Publikum aus. Das wissen die acht Akteure seit Jahren und sorgen stets für Neues. Derzeit sind es zehn Programme, die ein volles kleines Haus zu den sieben bis 14 Veranstaltungen pro Monate garantieren.

Thomas Puppe als bekiffter Lehrer. Er löst Kreuzworträtsel noch mit Hilfe eines Lexikons.
 

Quelle: Klaus Peschel

Gößnitz.  Hinzu kommen die Gastspiele namhafter Kabarettisten, die Lachlustige auch weiterhin nach Gößnitz ziehen werden. Bis Jahresmitte haben sich das Musikkabarett MTS (Mut, Tatendrang und Schönheit) angesagt sowie der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke und der Altinsterburger Karl Dall. Bis zum Juli sind darüber hinaus auch noch vier Premieren aus eigenem Haus angesagt. Die erste davon wurde am vergangenen Freitag in Gößnitz mit Applaus bedacht.

Auf der Bühne stand Thomas Puppe. Den 61-Jährigen, seit über 40 Jahren ist er im kabarettistischen Geschäft, kann man durchaus als Urgestein der Nörgelsäcke bezeichnen. „Der will nur spielen …“, so nennt sich sein Soloprogramm. Zwei Stunden allein als Kleinkunstkünstler auf der Rampe zu stehen, keinen Hänger zu haben, das Publikum vergessen zu lassen, auf die Uhr zu schauen, die Frauen und Männer an den Tischen, gedeckt mit Knabbereien, Bier, Wein oder Kaffee, mit in das dramaturgische Geschehen einzubinden, das können nicht viele. Thomas Puppe kann es.

Sein Trumpf: Er ist ein Kabarettist der Verwandlung. Hüte und Kostüme, Schals und kleine Requisiten machen ihn zum Chamäleon. Hinzu kommen verschiedenen Dialekte, die aus seinem Mund sprudeln. Seine dramaturgische Klammer: Die Leute sitzen nicht im Kabarett, sondern auf einem Bingonachmittag. Bingo ist was für Rentner. Das Durchschnittsalter der Premierengäste in Gößnitz lag aber wohl doch etwas darunter. Was sehr erfreulich ist. Puppes Anspielungen auf ein Betagtsein der Anwesenden muteten daher mitunter etwas seltsam an. Dennoch, alle, Jung und Alt, spielten mit, als er zu Beginn seiner Show Sprechchöre arrangierte und dirigierte. Die eine Hälfte des Publikums rief „Bing“, die andere Hälfte skandierte „Go“. Das Ergebnis: Go Bingo go. Das war die Botschaft des Abends. Mister Puppe, alias Mister Bing, war zufrieden. Bingo wurde an diesem Abend aber nicht gespielt. Aus technischen Gründen. Der Monteur kam den ganzen Abend nicht, um die Bingokugeln aus ihrer Behausung zu befreien. Dennoch drehte sich zwei Stunden lang alles um das Spielen als solches.

Da tritt Thomas Puppe mit Zipfelmütze als Mensch-ärgere-dich-nicht-Figur auf und beklagt sich: „Keiner will mehr mit mir spielen, man hat mich rausgeschmissen.“ Das ist doppeldeutig. „Mit diesem Spiel lernte man zu verlieren“, so Puppe, „doch wer will denn heute noch verlieren.“ Und als Spielfigur freue er sich auf den nächsten großen Stromausfall, der alle Smartphones und Computer außer Kraft setzt. Als bekiffter Lehrer löste er Kreuzworträtsel noch mit Hilfe eines Lexikons und wunderte sich, dass junge Leute, befragt nach ihrem Berufswunsch, immer häufiger antworten: „Irgendwas mit Medien.“ Thomas Puppe trat als Koch auf, dem eine Bingokugel in die Küche gerollt war und meinte, bei uns essen nur Ortsfremde, und die vier Sterne an der Tür stammen von der Tiefkühltruhe. Mit den Worten „Geld hoch, Hände her“ überfiel er als maskierter Räuber die fröhliche Bingorunde. Als Finanzbeamter nahm Thomas Puppe die Besteuerung direkt an der Quelle vor, dort, wo das Geld gewonnen wird, denn Spitzengewinne bringen Spitzensteuern.

Das neue Programm der Nörgelsäcke zeigt einen Thomas Puppe, der will nur spielen. Und das kann er als Kabarettist in diesem Nummernprogramm genüsslich tun. Das Programm ist lustig und empfehlenswert. Von politischer Brisanz ist es nicht. Wen wundert es. Die Leute wollen etwas zu Lachen haben.

Von Klaus Peschel

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