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Altenburg In Szene gesetzter Dialog: Gerhard Altenbourg und Rolf Szymanski
Region Altenburg In Szene gesetzter Dialog: Gerhard Altenbourg und Rolf Szymanski
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00:35 15.04.2018
Die Frauen von Messina“ (1978) von Rolf Szymanski – Carolin Theermann, Studentische Praktikantin, bei letzten Handgriffen vor der Eröffnung. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Im Lindenau-Museum geht es in diesen Märztagen Schlag auf Schlag. Nur zehn Tage nach der neuen Sonderschau „Berliner Blätter – Exponate aus der Sammlung Volker Sachse“ (die OVZ berichtete) ist jetzt eine weitere Exposition im Haus an der Gabelentzstraße eröffnet worden. „Buben, Damen, Könige“, so der Ausstellungstitel, bestimmen die Szenerie.

Mit dieser zweiten Exposition des Jahrgangs 2018 wird klar: Dem Leben, dem Schaffen und vor allem dem höchst umfänglichen Erbe Gerhard Altenbourgs und dessen tiefgründiger Aufarbeitung gilt auch weiterhin einer der Schwerpunkte des Museums. Dessen Direktor Roland Krischke setzt auf Kontinuität und denkt dabei in großen Zeiträumen – inklusive der Vision für die Zeit nach der Wiedereröffnung des Hauses an der Gabelentzstraße nach vollendetem grundhaftem Umbau. Dann stelle er sich vor, Exponate Altenbourgs in Dialog zu setzen zu Joseph Beuys oder auch zu Paul Klee – jetzt aber werden erst einmal die Beziehungen zwischen dem bedeutendsten Altenburger Künstler und Rolf Szymanski erleuchtet.

Faden wieder aufgenommen

Roland Krischke nimmt den Faden der von seiner Vorgängerin Julia M. Nauhaus vor fünf Jahren begründeten Reihe „Altenbourg im Dialog“ wieder auf, mit leicht verändertem Konzept. In der Reihe fanden bisher Gegenüberstellungen mit Martin Disler (2013), Werner Heldt (2014), Julius Bissier (2015) und Paul Eliasberg (2016) statt. Die aktuelle Präsentation widmet sich dem Spannungsfeld zwischen meisterhafter Altenbourg‘scher Grafik und den ebenso faszinierenden Kreationen eines Mannes, dem die Plastik als hauptsächliches Betätigungsfeld galt. Das Ergebnis dieses Gegenübers und Miteinanders überrascht und zieht in Bann.

Anlass für die Ausstellung im Lindenau-Museum ist der 90. Geburtstag des Bildhauers Rolf Szymanski (1928-2013). Erste Überlegungen zu einer ihn würdigenden Ausstellungskonzeption liegen bereits Jahre zurück. „Dieses Projekt habe ich quasi geerbt“, wirft Krischke schmunzelnd ein. Inzwischen aber sind vielfältige neue Ideen zur Realisierung des Vorhabens geboren worden – nicht zuletzt auch infolge der seit Monaten grassierenden Grippewelle, die mal diesen, mal jenen Mitarbeiter des Museums ans (Kranken-)Bett fesselte. Letztlich sind es nunmehr vier Kuratoren, die die bemerkenswerte Sonderschau bis zur „Premiere“ führten: Neben Krischke selbst brachten sich der wissenschaftliche Mitarbeiter des Lindenau-Museums, Benjamin Rux, die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gerhard-Altenbourg-Stiftung, Inge Grimm, und Restauratorin Susanne Reim ein und kreierten diesen Altenbourg-Dialog Numero fünf im Quartett. Besagten Umständen ist es auch zuzuschreiben, dass der Ausstellungskatalog diesmal nicht zum Eröffnungstag vorgelegt werden konnte, sondern erst im April erscheint.

Gegenseitige Wertschätzung

Gerhard Altenbourg (1926-1989) und Rolf Szymanski – sie kannten sich seit langem. Beide verband, neben der Wertschätzung für das Werk des jeweils anderen, eine Freundschaft, die auch in ihrem Briefwechsel dokumentiert ist. Auszüge daraus sind in der Ausstellung zu finden. Die hohe Anerkennung, die Altenbourg seinem Künstlerkollegen zollte, ist unter anderem ablesbar an der Tatsache, dass ihn in seinem Wohnhaus im Braugartenweg der Skatstadt etliche der Plastiken Rolf Szymanskis unmittelbar umgaben. Auf Fotos ist festgehalten, wie Gerhard Altenbourg in seinem „Atelier“ genannten Empfangsraum in der unteren Etage inmitten von Exponaten des bewunderten Freundes sitzt. Zehn der im Nachlass der Altenbourg-Stiftung bewahrten Plastiken aus dem Haus des Künstlers werden in der Ausstellung offeriert, darüber hinaus Exponate aus Museumsbeständen. Der größte Teil der Arbeiten von Rolf Szymanski stammt aus drei Privatsammlungen in Düsseldorf, Hannover und Altenburg.

Insgesamt werden 28 Grafiken von Gerhard Altenbourg und 25 Grafiken sowie 58 Metallarbeiten von Rolf Szymanski gezeigt. Auch Raritäten finden sich darunter: Erstmals zu sehen sind zwei sehr persönliche Werke beider Künstler, die jeweils ein Schmuckstück für die Frau des Düsseldorfer Sammlers fertigten, von denen sich die Besitzerin, wenn auch nur kurzfristig für diese Ausstellung, höchst ungern trennen wollte. Wie zu hören war, trägt sie den Schmuck doch bis heute.

Trotz aller Unterschiede ist eine große Nähe zwischen den Arbeiten der zwei Künstler festzustellen. Beide stellen das Menschenbild in den Mittelpunkt, vor allem die weibliche, oftmals erotisch interpretierte Figur. Beide waren sich in ihrer Auffassung von künstlerischer Arbeit sehr nahe, jeder tüftelte stets gleichzeitig an verschiedenen Werken, sie immer wieder zur Hand nehmend, sie weiterentwickelnd. Überaus universal gebildet und belesen, fanden sie ihre Inspiration oft in literarischen Werken und spielten auf diese Bezüge in vielsagenden oder irritierenden Werktiteln an.

Für die Präsentation des Dialogs zwischen Altenbourg und Szymanski wählte das Kuratoren-Quartett eine teils originelle Form. So zeigt ein Schiff im Mittelpunkt der Ausstellungshalle Figuren Szymanskis zu maritimer Thematik. Kleine Figuren wurden auf Konsolen an den Pfeilern des Sonderausstellungsraumes angebracht, die diesem somit eine fast sakrale Atmosphäre verleihen. Eigens für diese Schau wurde die Zahl der Lampen in diesem Bereich deutlich aufgestockt, um die zahlreichen Kleinplastiken im wahrsten Sinne des Wortes ins rechte Licht zu rücken und somit prachtvoll in Szene setzen zu können. Ein Novum, das seine Wirkung nicht verfehlt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 24. Juni im Lindenau-Museum zu sehen.

Von Frank Engelmann

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