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Inhaber schließen schweren Herzens das Geschäft in Altenburg

Radio-Fernsehen Altenburg Inhaber schließen schweren Herzens das Geschäft in Altenburg

Morgen hat das Fachgeschäft für Rundfunk und Fernsehtechnik in der Altenburger Sporenstraße zum letzten Mal geöffnet. Damit schließt nach der benachbarten Fleischerei Schulze (die OVZ berichtete) ein weiteres Traditionsgeschäft in der Innenstadt für immer seine Pforten. Doch nicht wirtschaftliche Gründe, sondern Schicksalschläge sind der Anlass.

Jürgen Seidel in seinem Geschäft in der Altenburger Sporenstraße.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Morgen hat das Fachgeschäft für Rundfunk und Fernsehtechnik in der Altenburger Sporenstraße zum letzten Mal geöffnet. Damit schließt nach der benachbarten Fleischerei Schulze (die OVZ berichtete) ein weiteres Traditionsgeschäft in der Innenstadt für immer seine Pforten. Doch im Gegensatz zum Kollegen von der Lebensmittelbranche sind es bei Radio-Fernsehen Altenburg (RFA) keine wirtschaftlichen Gründe, die die Inhaber zu diesem drastischen Schritt zwingen, sondern Schicksalschläge.

Es war der 28. Juni, der für Jürgen Seidel alles veränderte. Der 59-jährige Skatstädter, seit 1998 gemeinsam mit Edgar Bleicher Inhaber von RFA, erleidet einen Schlaganfall. Nur kurze Zeit später erkrankt auch die Ehefrau seines Mitinhabers so schwer, dass dieser gleichfalls für längere Zeit ausfällt. Wochenlang haben die drei festangestellten Mitarbeiter die beiden Geschäfte in Altenburg und Borna offengehalten und so gut es ging, die Kunden betreut. „Wir sind in dieser Zeit bei unseren Kunden auf unheimlich viel Verständnis gestoßen, beispielsweise wenn die Öffnungszeiten nicht zu halten waren oder wir eine Reparatur nicht in der versprochenen Zeit geschafft haben. Dafür bin ich sehr dankbar“, erzählt Jürgen Seidel, der sich inzwischen auf dem Weg der Besserung befindet. Doch dieser Weg ist länger und schwieriger als ursprünglich gedacht. „Ich habe immer wieder auf Genesung gehofft, um wieder in meinem Beruf arbeiten zu können“, so Seidel. Doch diese Hoffnung hat sich inzwischen zerschlagen. An eine Rückkehr ins Geschäft ist nicht zu denken, zumal vielleicht sogar noch eine Operation ansteht.

„Um unsere Kollegen nicht weiter zu verheizen, haben wir uns nach reiflicher Überlegung entschieden, nur noch eine Filiale zu betreiben. Und das ist aus ökonomischen Gründen die in Borna“, sagt Jürgen Seidel. Wie schwer ihm das gefallen ist, sieht man dem gelernten Funkmechaniker an. Denn es ist eine große Geschichte, die damit zumindest teilweise ein unerwartetes und ungewolltes Ende findet.

Radio-Fernsehen Altenburg gibt es schon seit Anfang der 60er-Jahre mit Sitz in der damaligen Moskauer Straße. Nach der Wende ließ eine Entscheidung über die Zukunft lange auf sich warten, weil man mit diesem Zwischending VEB (K) – es war weder Fisch noch Fleisch, weder VEB noch PGH – nichts anzufangen wusste. Erst 1992 wurde RFA dann von der Süweda, einem Kabelfernseh-Anbieter, von der Treuhand gekauft. Nur fünf Jahre später sollte alles dicht gemacht werden, weil die Süweda mit Handel nichts zu tun haben wollte. Da haben sich die langjährigen Mitarbeiter Jürgen Seidel und Edgar Bleicher zum Kauf entschlossen und eine GbR gegründet. Seither hat sich RFA zu einem anerkannten Fachhändler entwickelt, der Hauselektronik nicht nur verkauft, sondern in eigener Werkstatt auch repariert – wenn möglich sogar beim Kunden zu Hause. Ein Service, der so gut wie nicht mehr zu finden ist. Außerdem wurden Sat-Anlagen auch für größere Unternehmen wie Wohnungsgesellschaften projektiert und installiert.

Doch es war nicht nur eine Erfolgsgeschichte, sondern es mussten auch schwere Zeiten überstanden werden – beispielsweise nach dem Umzug in die Sporenstraße. Bauarbeiten, Poller und fehlende Parkplätze machten dem kleinen Unternehmen schwer zu schaffen. Diese Hindernisse gaben jetzt auch den Ausschlag pro Borna. „In Altenburg müssen wir jährlich allein 700 Euro bezahlen, damit wir mit einem Auto bis vors Geschäft fahren können. Hinzu kommen nochmals 300 Euro für das Auto im Außendienst. Die Knöllchen, die unsere Kunden gefrustet haben, gar nicht mitgerechnet“, bedauert Jürgen Seidel. In Borna gebe es so etwas nicht, obwohl RFA dort auch im Zentrum ansässig sei. „Es wird in Altenburg für die Innenstadthändler immer schwieriger. Viele haben wegen der Parkplatzsituation inzwischen resigniert.“

Trotzdem wird sich RFA nicht gänzlich aus Altenburg zurückziehen, versichert Jürgen Seidel. Die Rufnummern (Tel. 03447 316135 oder 316855) behalten Gültigkeit und laufen ab Januar in Borna auf. „Der Service in Altenburg ist weiter gewährleistet, auch der Firmensitz bleibt hier.“

Von Ellen Paul

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