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Altenburg Initiative wittert Spekulation in Altenburg
Region Altenburg Initiative wittert Spekulation in Altenburg
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04:19 12.10.2018
Die ehemalige, denkmalgeschützte Kaffeerösterei verfügt über eine Wohn- oder Nutzfläche von schätzungsweise 3000 Quadratmetern (Archivfoto von 2016). Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Entwickelt sich das Gründerzeitviertel an der Blauen Flut zum Schauplatz von Spekulationsgeschäften? Diese Sorge keimt derzeit in dem Stadtgebiet auf. Auslöser ist ein denkmalgeschütztes Gebäude, das vom gegenwärtigen Eigentümer offenbar in Erwartung eines erheblichen Wiederverkaufsgewinns erworben wurde.

Im Juni wurde das Haus Fabrikstraße 5 bei einer Auktion der Sächsischen Grundstücksauktionen AG zum Preis von 76 000 Euro versteigert (die OVZ berichtete). Bei dem stark sanierungsbedürftigen Gebäude handelt es sich um eine ehemalige, denkmalgeschützte Kaffeerösterei. Doch schon seit September steht es wieder zur Veräußerung. Seitdem prangt vor Ort ein Schild mit der Aufschrift „Zu verkaufen“. Über den Preis steht dort nichts, doch Interessenten aus dem Altenburger Land haben sich beim Eigentümer informiert und berichten gegenüber der OVZ übereinstimmend von einer stolzen Kaufsumme: 550 000 Euro. Aufgerufen von einer Leipziger Immobilienfirma. Wie die Interessenten weiter berichten, sei das Gebäude zu diesem Preis bei dem Leipziger Unternehmen gelistet, werde von diesem „jedoch nicht aktiv zum Verkauf“ vermarktet.

Von Seite des Unternehmens vorerst keine Antwort

Welche Absicht dahinter steckt, ist noch unklar. Die OVZ wandte sich mit Fragen an die Firma in der Messestadt. Unter anderem wollte die OVZ wissen, wie dieser Preis zustande kommt, was mit dem Gebäude seit der Ersteigerung passiert ist und welche Pläne der Eigentümer für dieses Objekt verfolgt. Vorerst könne man sich dazu nicht äußern, weil man noch „interne Gespräche“ führe, hieß es von Seite des Unternehmens.

Jutta Penndorf findet diese Entwicklung besorgniserregend. „Diese Summe lässt befürchten, dass das Gebäude nicht saniert werden wird“, sagt sie. Die Stadträtin (Grüne/ Stadtforum) ist Mitglied der Initiative „Neue Gründerzeit an der Blauen Flut“. Diese wurde erst im August von Oberbürgermeister André Neumann (CDU) bei einer Pressekonferenz vorgestellt (die OVZ berichtete). Die Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Quartier zwischen Bahnhof und Altstadt wieder aufzuwerten. Anfang September hatten die Mitglieder zusammen mit vielen freiwilligen Helfern die Gehwege und Schaufenster der Kanalstraße und der Gabelentzstraße einer gründlichen Reinigung unterzogen. Auch Oberbürgermeister André Neumann hatte angekündigt, dass die Stadt die Initiative unterstützen wolle.

Stadt und Initiativen-Mitglieder hoffen auf Sanierungskonzept

Die Stadt Altenburg äußerte sich in einer Stellungnahme ebenfalls zu den jüngsten Entwicklungen im Gründerzeitviertel. Generell begrüße man es, wenn es eine lebhafte Nachfrage für Grundstücke in Altenburg gebe, lässt Bürgermeister Frank Rosenfeld wissen. Natürlich könne die Stadt in einer freien Marktwirtschaft keinen Einfluss auf die Verkaufspreise von Gebäuden nehmen. Auch ein Kaufpreis dieser Höhe könne zur Belebung der Stadt beitragen, wenn die Summe nur durch die Umsetzung eines entsprechenden Nutzungskonzepts refinanziert würde. „Ohne ein solches Nutzungskonzept ist aber wohl mit einer nennenswerten Steigerung des realen Grundstückswerts vermutlich auch langfristig nicht zu rechnen“, heißt es weiter in der Stellungnahme Rosenfelds.

Die Initiative „Neue Gründerzeit an der Blauen Flut“ hat sich bereits über die rechtliche Situation informiert. „Bei dem Viertel an der Blauen Flut handelt es sich um ein sogenanntes Erhaltungsgebiet“, so Penndorf. „Nur im Geltungsbereich einer Sanierungssatzung könnte angesichts überhöhter Grundstückspreise eventuell die Genehmigung versagt werden.“ Das, bedeutet, dass die Gemeinde den Strukturwandel fördern und beeinflussen könnte, wenn das Quartier zum Sanierungsgebiet erklärt würde. Man strebe derzeit nach Möglichkeiten, das Quartier zu einem offiziellen Fördergebiet zu entwickeln. Voraussetzung dafür sei die Gewinnung eines Quartiersmanagers. Diese Person solle sich darum kümmern, die verschiedenen Akteure des Viertels in Kontakt zu bringen und Fördermöglichkeiten für Projekte zu finden.

Initiative fürs Quartier wäre gesprächsbereit

Man könne aber auch nicht ausschließen, dass der Eigentümer der Fabrikstraße 5 über ein Nutzungskonzept für das stark sanierungsbedürftige Gebäude verfügt, merkt Penndorf an. „Wir wären in jedem Fall an Gesprächen mit ihm interessiert.“

Auch Jürgen Floeren sorgt sich darum, was mit dem Gebäude geschehen wird. „Eine Immobilie ist immer das wert, was man bereit ist, dafür zu zahlen“, sagt der Betriebswirt aus Nürnberg, der ebenfalls Mitstreiter der Initiative ist. Floeren ist selbst Besitzer einiger Gebäude im Viertel. Er hatte der Gruppe außerdem Räumlichkeiten in der Kanalstraße 39 für fünf Jahre kostenlos zur Verfügung gestellt, welche diese als Kontaktbüro nutzt.

Sanierung könnte über zwei Millionen Euro kosten

„Es ist absolut problematisch für das Viertel, wenn mit dem Haus nichts passieren sollte“, sagt der Unternehmer. Auch Mikrowohnungen für Studenten oder großzügige Lofts, wie sie in Städten wie Leipzig oder München immer beliebter würden, brauche die Stadt nicht. Aus seiner Sicht braucht Altenburg vor allem bezahlbaren, familiengerechten Wohnraum.

„Dafür müsste man aber gründlich sanieren. Bei einem Gebäude in diesem Zustand würde das mindestens zweieinhalb Millionen Euro kosten“, schätzt Floeren. Zudem müsse die Miete bezahlbar bleiben, damit Mieter dort langfristig bleiben würden. „Nur so entwickelt sich wieder Leben im Quartier, und das ist wichtig“, sagt er.

Halle profitiert mehr von teuren Mieten in Leipzig als Altenburg

Jörg Wanke, der Landessprecher Thüringen des IVD - Immobilienverband Deutschland, denkt nicht, dass Städte wie Altenburg in den nächsten Jahren zur Boom-Region werden, wenn es um Immobilien geht. „Klar, manche Menschen verlassen Leipzig, weil es ihnen langsam zu teuer wird. Aber erstmal profitieren davon Städte in der Größe von Halle“, meint Wanke. Generell rechnet man in Thüringen für die kommenden Jahre mit einem weiteren Rückgang der Bevölkerung, da die Sterberate immer noch höher als die Geburtenrate ist.

Lediglich Städte wie Erfurt, Weimar, Jena und Eisenach verzeichnen einen Zuzug. „Die Leute verlassen das Land zugunsten der Städte“, meint der Geschäftsmann, der ein Immobilienunternehmen in Erfurt leitet. Dennoch könne man ein Interesse von Investoren an Immobilien in kleineren Städten entdecken. „Ich denke aber, dass es vorerst ein Strohfeuer bleibt“, sagt Wanke. Mit den Mieten, die sich hier erzielen lassen, könne man die Sanierungskosten selten wieder rein holen.

Von Pia Siemer

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