Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Intendant Kay Kuntze blickt entspannt auf Spielzeit und Umbauten
Region Altenburg Intendant Kay Kuntze blickt entspannt auf Spielzeit und Umbauten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:00 06.07.2018
Kay Kuntze sieht die anstehenden Umbauten beim Altenburger Theater weniger als Hindernis sondern vielmehr als Chance für kreative Arbeiten. Die kommende Spielzeit soll zuvor noch einmal opulent werden. Quelle: Foto: Mario Jahn
Anzeige
Altenburg

Opulente Inszenierungen, neue Zuschauerrekorde und ein Wechsel an zentraler Position: Kay Kuntze, Generalintendant bei Theater&Philharmonie Thüringen, blickt zum Ende seiner siebten Spielzeit auf ereignisreiche Monate zurück – und hat bereits die anstehende Sanierung des Altenburger Hauses im Blick.

Wie bewerten Sie die abgelaufene Spielzeit?

Gerade mit Blick auf die Zuschauerzahlen ist die Saison fantastisch gelaufen. Wir hatten im vergangenen Jahr einen satten Zuwachs von fast 7500 Zuschauern und haben inzwischen die Marke von 150 000 Besuchern durchbrochen, nachdem die Zahlen über vier Jahre kontinuierlich gestiegen sind. Auch sonst war die Spielzeit ein Erfolg. So sind wir gleich zu Beginn mit dem Bundespreis des Theaters ausgezeichnet worden, Ouelgo Téné wurde für den Faust-Preis nominiert. Im Fachmagazin „Die deutsche Bühne“ wurden wir für „Ungewöhnlich überzeugende Theaterarbeit abseits der großen Theaterzentren“ prämiert. Zudem nehmen wir am Förderprogramm „Exzellente Orchesterlandschaft“ teil. Die hier angestrebte rumänisch-ungarisch-deutsche Zusammenarbeit wird in den kommenden Spielzeiten zum Tragen kommen. Mit der Gründung der dualen Orchesterakademie zusammen mit der Jenaer Philharmonie verfügen wir zudem über ein bundesweit einzigartiges Konstrukt, die Weichen für unser Ballett-Elevenprogramm sind ebenfalls gestellt. Innerbetrieblich konnten wir den Abstand zum Flächentarif reduzieren.

Mit Manuel Kressin ist inzwischen ein neuer Schauspieldirektor am Ruder. Wie hat sich das Haus unter ihm gewandelt?

Für mich ist es eine große Freude, mit ihm zu arbeiten, gerade kommunikativ läuft es hervorragend. Manuel denkt als Eigengewächs unseres Hauses sehr ensembletechnisch, weiß, sich im Haus einzugliedern, bringt sich ein und kennt die Mitarbeiter auch aus anderen Arbeitszusammenhängen. Seine Arbeit zeichnet eine sehr derbe, deftige Theatersprache aus, er kann aber auch anders: In der kommenden Spielzeit inszeniert er etwa mit „Menschen im Hotel“ eine fein charakterisierte Schauspielsymphonie. Sein Ziel ist es, den Ensemblegeist mit der Stadt zu verschränken, die Schauspieler sollen in der Stadt bekannt sein und das Publikum an ihrer Entwicklung teilhaben. Das Theater soll sich davon nähren, im engen Kontakt mit den Zuschauern zu sein und einen Ort der Freude bieten, wo man bei allem Mist, der einen sonst mitunter umgibt, auch einmal rauskommen und durchatmen kann. Das schließt aber die Beschäftigung mit schwierigen, aktuellen Themen nicht aus.

Mit „Cohn-Bucky-Levy – Der Verlust“ gab es 2016/17 ein Stück, das nicht nur thematisch in Altenburg verankert war, sondern mit der Inszenierung auch bewusst in die Stadt ging. Werden regionale Bezüge künftig noch stärker in den Fokus rücken?

Absolut, diesen Ansatz verfolgen wir nach wie vor weiter. In der vergangenen Spielzeit war das „Die große Liebe war es nicht“ über Ruth Brandin, die 1972 in Gera ihr letztes Konzert gab. Man darf sich da jedoch auch nichts vormachen, irgendwann sind die Themen weitgehend abgegrast. Aber wir wollen natürlich weiterhin Stücke mit regionalem Charakter entwickeln. Im kommenden Stück „Als der Herzog über den Herzog her zog“ spielt etwa das Herzogtum Sachsen-Altenburg eine wichtige Rolle. Die Hauptfigur sieht sich als legitimen Nachkommen des Herrscherhauses. Auf dieser Grundlage werfen wir einen satirischen Blick auf die Reichsbürgerszene – aus der Altenburger Mentalität heraus. Mit „Geliebtes Klärchen“ folgt auch eine Collage über Clara Schumann, in deren Biographie Altenburg eine besondere Rolle spielt.

Daneben setzt das Theater in der neuen Saison den Fokus aufs Thema Europa. Wie wichtig ist am Altenburger Theater das Politische?

Schon unter Bernhard Stengele, der auch die Eröffnungspremiere „Der Vogelhändler“ inszeniert, wurden viele internationale Projekte umgesetzt, nun nehmen wir uns dem Thema Europa an – auch aus einer Verantwortung gegenüber europäischer Geschichte heraus. In die Reihe „Heimat Europa“ fallen zahlreiche Projekte, etwa das Orchesterförderprogramm, das den innereuropäischen musikalischen Austausch stärken soll, aber auch Ensescus Monumental-Oper „Oedipe“. Daneben widmen wir uns in der Reihe „Wider das Vergessen“ dem Nationalsozialismus, seinen Ursprüngen, dem Widerstand dagegen sowie den Folgen. Dazu zählt die Kammeroper „Weiße Rose“ ebenso wie etwa das Stück „Der Kaiser von Atlantis“, das in Theresienstadt komponiert wurde – geschrieben auf Deportationslisten, womit die Umstände der Inszenierung direkt ins Werk einflossen. Oder auch „Die Passagierin“, die zunächst in Gera laufen wird. Eine schwierige Oper, die den Umgang mit der Verantwortung für Auschwitz thematisiert. Zu unserer historischen Verantwortung gehört, sich mit diesen Themen immer wieder auseinanderzusetzen.

Mit der ab Ende der Spielzeit beginnenden Sanierung in Altenburg steht das Große Haus vorerst nicht mehr zur Verfügung. Sind bereits Ausweichspielstätten bekannt?

Wir haben verschiedene Pläne und waren wirklich fleißig. Es ist aber noch zu früh, um Konkretes zu verkünden. Zu Beginn der Spielzeit wollen wir aber alles geklärt haben.

Wird auch überlegt – wie bereits zuvor mit dem Gustavus-Haus – verstärkt auf urbane Spielstätten auszuweichen?

Das ein oder andere Projekt in dieser Richtung ist geplant, wir werden sicher Stücke entwickeln, die gezielt auf Ausweichquartiere ausgelegt sind. Allerdings müssen wir darauf achten, uns nicht zu sehr zu verzetteln, zu viele Spielstätten zu eröffnen. Wir verfügen nur über eine relativ kleine Mannschaft, um die Logistik zu stemmen. Da der Spielbetrieb zudem in Gera weiterläuft, ist es sinnvoll, möglichst kompakt zu bleiben. Sonst laufen wir Gefahr, die gesamte Manpower in der Logistik zu verbrauchen und am Ende keine Arbeitskraft mehr für die Kunst zur Verfügung zu haben.

Müssen die Altenburger Gäste ein drastisch reduziertes Programm fürchten?

Nein. Wir werden natürlich nicht das Abo in voller Stärke vor Ort bedienen können, für das große Musiktheater oder das große Ballett wird es keinen adäquaten Spielraum geben. Kleiner besetzte Oper, Operette, Musical, Konzerte, Schauspiel und Weihnachtsmärchen werden wir jedoch in Altenburg anbieten, ich hoffe zudem auf einige Ballettformate. Für die großen, ausstattungsorientierten Opern müssen wir aber nach Gera gehen. Hier wollen wir für bestimmte Produktionen einen Shuttle-Service anbieten. Die Spielzeit in Altenburg wird durchaus üppig über die Bühne gehen, ist aber nicht in der gewohnten Opulenz machbar. Ich denke, man muss die Situation auch als Herausforderung und gemeinsames Abenteuer sehen. Ich hoffe sehr, dass die Zuschauer hier mitgehen. Wenn man neugierig ist und Lust darauf hat, kann gerade solch eine Spielzeit auch besonders interessant sein.

Als letztes Stück vor dem Umbau haben Sie „Der Untergang der Titanic“ angesetzt: Was erwartet das Publikum?

Das Stück ist natürlich programmatisch gesetzt, der Untergang wird konnotiert mit der sanierungsbedingten Schließung des Hauses. Das Theater wird mit der Titanic gleichgesetzt: Die Zuschauer sind die Passagiere, man kann das Schiff kennen lernen, mit Kapitän oder Funker auf Tuchfühlung gehen, es gibt Bordprogramm und Tanz – bis zum berühmten Rumms. Dann bricht Panik aus, die Zuschauer werden durch Hinterzimmer und die Unterbühne geführt. Alles endet schließlich auf dem Parkplatz im Rettungsboot. Es wird ein Abschied mit Knalleffekt, auf humorvoll-satirische Art. Deshalb spielen wir auch en suite, neun Mal hintereinander.

Von Bastian Fischer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Gewalt im Fußballstadion: Das Thema hat jetzt wieder den Regionalligisten ZFC Meuselwitz erreicht. Allerdings ohne konkreten Fall, sondern durch die kleine Anfrage eines CDU-Landtagsabgeordneten an Thüringens Innenminister. Die von dort vorgelegten Zahlen sind nach der Ansicht des ZFC schlichtweg unrichtig.

06.07.2018

Nach dem Wechsel an der Rathausspitze hat der Altenburger Stadtrat einen erfolgreichen Neustart hingelegt. Auf einer Sondersitzung am Donnerstagabend wurde der neue Oberbürgermeister vereidigt. Zugleich übernimmt Nachrücker Alexander Büring den Vorsitz im Gremium.

05.07.2018

Hoher Besuch im Kreis: Ministerpräsident Bodo Ramelow machte im Zuge seiner Sommertour auf Burg Posterstein und der Meuselwitzer Kohlebahn Station, um sich über geplante Projekte zu informieren. Auf dem Nobitzer Flugplatz gab Innenminister Georg Maier derweil Auskunft zur Gebietsreform.

08.07.2018
Anzeige