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Invasion der Stubentiger - Altenburger Tierheim stoppt Aufnahme

Invasion der Stubentiger - Altenburger Tierheim stoppt Aufnahme

Im Tierheim Altenburg besteht derzeit ein Aufnahmestopp für freilebende Katzen. Grund ist eine regelrechte Boom an Nachwuchs. Derzeit sind 88 Stubentiger am Poschwitzer Park untergebracht, darunter 42 Jungtiere zwischen sechs Wochen und einem halben Jahr. Das Problem ist aber vom Menschen gemacht.

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Vor allem junge Katzen sorgen derzeit im Altenburger Tierheim für einen kleinen Belagerungszustand.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Von Jörg Wolf

"Normalerweise haben wir im Tierheim Kapazitäten für 50 bis 60 Katzen", umreißt die Chefin des hiesigen Tierschutzvereines, Sibylle Börngen, das Dilemma. "Wir haben jetzt schon umgeschichtet und die Tiere müssen halt mit weniger Platz auskommen."

Ein "Katzen-Boom" im Spätherbst sei aber keine Überraschung. "Eigentlich kehrt das jedes Jahr wieder, wenn sich der Nachwuchs einstellt", sagt die Tierärztin. Aber dieses Jahr seien die Stubentiger in freier Wildbahn besonders gebärfreudig gewesen. "Das war ziemlich extrem", kommentiert Börngen das massive Aufkommen.

Deshalb habe man im Tierheim einen sofortigen Aufnahmestopp für solche Katzen aus freier Wildbahn verfügt. "Nur noch nachweislich entlaufene Hauskatzen sowie solche Tiere, deren Halter zur Pflege nicht mehr imstande ist und für die sich kein Ersatz findet, werden bei uns aufgenommen. Das ist ja unsere Verpflichtung", sagt die Vereinschefin.

Für diese regelrechte Invasion der Samtpfoten ist aber vordergründig der Mensch selber verantwortlich: Viele Katzenhalter lassen ihr Tier gerne frei laufen, was auch der Natur der Katzen entspricht. Einer ungewollten Empfängnis würde eine Kastration oder Sterilisation des freiheitsliebenden Stubentigers vorbeugen. Aber das wird oft nicht vorgenommen. Als Tierschutzverein versuche man schon aus eigener Kraft, durch solche Eingriffe bei kurz eingefangenen, in der Wildbahn lebenden Tieren die ungebremste Vermehrung einzudämmen. "Pro Jahr werden auf Vereinskosten um die 100 Tiere kastriert. Aber das schafft das Problem noch lange nicht aus der Welt", sagt Börngen. Aber mehr gehe aus Kapazitäts- und Kostengründen nicht.

Hinzu komme, dass wild lebende Katzen trotzdem die Nähe des Menschen suchen. "Beispielsweise in Gartenanlagen oder Parks, wo sie nicht selten vom Menschen gefüttert werden", berichtet Sibylle Börngen. Das lockt weitere Katzen an, bald folgt dem ersten Wurf an Jungtieren ein weiterer und so fort. "Die Menschen, die aus falscher Tierliebe gefüttert haben, fühlen sich angesichts der rasanten Vermehrung überfordert, sodass sie Hilfe im Tierheim suchen", zeichnet Börngen einen weiteren verhängnisvollen Kreislauf nach.

Solche Geschichten kennt Andrea Rücker sehr gut. Die Tierschützerin steht dem Verein Hoffnung für Wildenten, Schwäne & Co. vor, der sich nicht nur um das Wassergeflügel kümmert, sondern auch der Katzen annimmt. Für sie wäre ein wirkungsvolles Mittel im Kampf gegen den Katzen-Boom, dass per Gesetz Halter von freilaufenden Tieren dazu verdonnert werden, ihren Stubentiger kastrieren zu lassen. "Das wird vom Deutschen Tierschutzbund empfohlen, in etlichen Städten bereits praktiziert und hat Erfolg."

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