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Investor verklagt Landesverwaltungsamt wegen Untätigkeit

Hähnchenmast Gleina Investor verklagt Landesverwaltungsamt wegen Untätigkeit

Auf die Verzögerungen bei der Genehmigung einer Hähnchenmast-Anlage bei Gleina hat der Investor mit einer Klage wegen Untätigkeit gegen das Landesverwaltungsamt reagiert. Allerdings ruht dieses Verfahren, bis ein weiteres Gutachten vorliegt. Dieses soll die Gefährdung eines Trinkwasserbehälters bewerten.

Unweit dieses Trinkwasserbehälters soll die Hähnchenmast-Anlage entstehen.

Quelle: Jens Rosenkranz

Weimar/Gleina. Das Genehmigungsverfahren für eine Hähnchenmastanlage bei Gleina zieht sich in die Länge. Bereits im Mai vergangenen Jahres waren auf einer öffentlichen Anhörung in Nobitz Bedenken vieler Bürger, aber auch Einwände von Behörden öffentlich erörtert worden. Eine Entscheidung, ob die Ställe für 207 000 Tiere gebaut werden dürfen oder nicht, steht aber noch aus. Und weil ihm diese Verzögerung offenbar nicht passt, hat Investor Richard Wermuth das Landesverwaltungsamtes Weimar als Genehmigungsbehörde nun wegen Untätigkeit verklagt. Wermuth bestätigte dies der OVZ. Seiner Meinung nach würde der Genehmigung nichts mehr im Wege stehen. Dennoch werde „mit komischen Mitteln dagegen gearbeitet“, sagte er. Zu Details wollte sich Wermuth nicht äußern und beendete nach diesen Worten abrupt das Telefon-Gespräch mit der OVZ .

Nach Informationen von Adalbert Alexy, dem Sprecher des Landesverwaltungsamtes, ruht die vor dem Verwaltungsgericht Gera ausgefochtene Klage wegen Untätigkeit im Moment allerdings. Darauf habe man sich mit dem Investor geeinigt. Zunächst soll ein weiteres Gutachten abgewartet werden. Von diesem erhofft sich die Behörde endgültige Klarheit darüber, ob ein Trinkwasserhochbehälter der Energie- und Wasserversorgung Altenburg (Ewa) und die Übergabestelle der Fernwasserversorgung für die Kreisstadt durch die Hähnchenmast gefährdet werden. Dabei handelt es sich unter anderem um Bioaerosole wie Bakterien, Viren, Pilze und Allergene. Denn die Tieranlage stünde, falls sie gebaut würde, unweit des 5000 Kubikmeter fassenden Trinkwasser-Tanks. „Trinkwasser ist ein hohes Gut. Wir wollen auf Nummer sicher gehen und sämtliche Zweifel ausräumen“, sagte Alexy.

Dass der Behälter unweit vom Stall nicht doch mit Erregern belastet werden könnte, sei durch den Investor nicht widerlegt, hatte Gerd Kerat, der zuständige Fachbereichsleiter der Ewa zur Anhörung im Mai ziemlich deutlich dargelegt. „Damit habe ich ein großes Problem.“ Auch René Nitzschke vom Landesverwaltungsamt kündigte an, dass dieses Problem durch weitere Unterlagen entkräftet werden müsse. Mit einem Gutachten hat Wermuth dies nun offenbar getan. Den Standort Gleina hatte er damit begründet, da dort so wenig wie möglich Menschen belästigt würden. Die Kritik einer örtlichen Bürgerinitiative bezeichnete er als Horrorszenario.

Allerdings hatte auch das Klinikum Altenburger Land vor einer Gesundheitsgefahr durch die Anlage gewarnt und sich dabei auf zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen gestützt. In der Stallluft von Hähnchenmastanlagen würde eine massive Konzentration von Bioaerosolen, Biotoxinen und Keimen vorliegen. Diese werden – abhängig von Windrichtung und -geschwindigkeit – mehr als 500 Meter außerhalb des Stalls verbreitet, heißt es.

Bedenken wegen Umwelt- oder Lärmbelastungen erklärten die von Wermuth beauftragten Fachleute im Mai jedoch als unbegründet. Auch die Gefahr durch Bioaerosole, Ammoniak, Pilze, Keime und andere Mikroorganismen wurden als so gut wie nicht vorhanden bezeichnet. Ebenso eine Gefährdung seltener Tiere in der Umgebung oder die Beeinträchtigung des nahen Naturschutzgebietes Klaffholz und der Sprottenaue. Auch die von den Kritikern als zu gering bezeichneten Abstände zu Wohnbebauungen seien unbedenklich, solange sich in unmittelbarer Nähe, also in etwa 50 Metern Abstand, nicht Krankenhäuser oder Pflegeheime befinden, hieß es.

Auch die Bundeswehr hatte sich gegen die Anlage ausgesprochen. Aufgrund des nicht eingehaltenen Mindestabstandes zum Stützpunkt und der geplanten Errichtung der Anlage ohne Filteranlagen sei mit erheblichen Beeinträchtigungen der Beschäftigten zu rechnen, hieß es. Gleichfalls seien Beeinträchtigungen des Dienstbetriebes durch die Behinderung der Zufahrt infolge von Bauarbeiten oder beim Auftreten von Alarmfällen zu erwarten. Diese Einwände spielen jedoch offenbar keine Rolle mehr.

Von Jens Rosenkranz

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