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Ist Altenburg nun eine Barbarossa-Stadt oder nicht?

Stiftungsgeburtstag Ist Altenburg nun eine Barbarossa-Stadt oder nicht?

Am Freitag jährte sich der Tag, da Kaiser Barbarossa das erste Mal seinen Fuß ins mittelalterliche Altenburg setzte, zum 851. Mal. Und es war zugleich der erste Jahrestag der Gründung der Barbarossa-Stiftung. Die OVZ sprach mit Stiftungsvorstand Klaus-Jürgen Kamprad über das bislang Erreichte, neue Projekte und den Disput um Altenburg als Barbarossa-Stadt.

Ein Jahr Barbarossa-Stiftung: Altenburgs OB Michael Wolf begrüßt die Gäste.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Am Freitag jährte sich der Tag, da Kaiser Barbarossa das erste Mal seinen Fuß ins mittelalterliche Altenburg setzte, zum 851. Mal. Und es war zugleich der erste Jahrestag der Gründung der Altenburger Barbarossa-Stiftung. Gefeiert wurde dies mit einem Festvortrag im Bachsaal auf dem Schloss und einem guten Tropfen. Denn zum ersten Mal konnte der neue Barbarossa-Wein verkostet werden. Die OVZ sprach mit Stiftungsvorstand Klaus-Jürgen Kamprad über das bislang Erreichte, neue Projekte und den Disput um Altenburg als Barbarossa-Stadt.

Das erste Jahr liegt hinter der Stiftung. Gibt es gute Gründe, um mit dem neuen Barbarossa-Wein anzustoßen?

Selbstverständlich, denn wir haben einiges erreicht. Wer jetzt allerdings meint, es müsste ein ganzer Erfolgskatalog vorgelegt werden, den muss ich enttäuschen. Denn im ersten Jahr geht es vor allem darum, die Grundlagen zu schaffen. Beispielsweise mussten im Sinne des Steuerrechts die Gemeinnützigkeit anerkannt, eine Homepage und ein Facebook-Profil erstellt werden. Wir haben also erst einmal alle äußerlichen Bedingungen erfüllt, um einen ordnungsgemäßen Betrieb zu gewährleisten.

Aber einige nennenswerte Dinge sind wohl doch noch zu verbuchen. Ich denke nur an den Prägestock zur Nachbildung eines Altenburger Brakteaten aus dem 12. Jahrhundert, mit dem Sie auf dem Neujahrsempfang der Stadt Altenburg für ziemliches Aufsehen sorgten.

Ja, das hat uns auch einigen Aufwand gekostet, um so etwas anbieten zu können. Und wir wollen mit der Münzpresse auf vielen weiteren Veranstaltungen präsent sein. Denn das ist schon ein außergewöhnliches Souvenir. Außerdem haben wir uns als Mitveranstalter am zweitägigen wissenschaftlichen Kolloquium des Thüringer Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie im September 2015 im Bachsaal zum Thema „Rote Spitzen in Altenburg – alles Barbarossa?“ beteiligt. Der Tagungsband wird zugleich der erste Band einer Schriftenreihe, die wir herausgeben wollen. Auch wollen wir regelmäßig, aber nicht in einem konkreten Turnus, Stifterbriefe veröffentlichen, um alle Stifter und Spender auf dem Laufenden zu halten. Der zweite ist gerade erschienen.

Und was nimmt sich die Stiftung für das zweite Jahr Ihres Bestehens vor?

Wir wollen weiterhin die Bedeutung des 12. und 13. Jahrhunderts für die Entwicklung der Region erforschen und über die wissenschaftliche Aufarbeitung zu einer Darstellung der Zeit kommen, die kurz, verständlich und unterhaltend ist. Man soll also kein Konservatorium besucht haben müssen, um die Zeit zu verstehen. Außerdem hat der Vorstand begonnen, die Möglichkeiten gemeinsamer Aktivitäten mit anderen sogenannten Barbarossa-Städten im In- und Ausland auszuloten. Einen ersten Kontakt haben wir mit der französischen Stadt Montelimar im Burgund geknüpft, wo jedes Jahr ein Barbarossa-Fest stattfindet. Konkreter sind die Kontakte inzwischen schon zu italienischen Barbarossa-Städten.

Apropos Barbarossa-Stadt. Es ist gerade eine heftige Debatte darüber entbrannt, ob Altenburg eine solche ist. Peter Müller von Pro Altenburg ist der Auffassung, dass die Skatstadt nie eine Barbarossa-Stadt wird. Der Oberbürgermeister hat ihm im Stadtrat deshalb vorgeworfen, damit die Aktivitäten der Stiftung mit Füßen zu treten. Wie sehen Sie das?

Altenburg hat den großen Vorteil, dass der Skat hier geboren wurde, Barbarossa aber nicht. Die Bemerkung von Pro Altenburg ist aber insofern unlogisch, weil die gleiche Fraktion vor gar nicht so langer Zeit im Stadtrat den Vorstoß unternahm, damit die Roten Spitzen als Weltkulturerbe anerkannt werden. Das ist ja eine Bestätigung der Bedeutung von Barbarossa für die Stadt.

Nun erhitzen sich die Gemüter ja vor allem am Brunnen-Projekt des Heimatvereins für den Markt, das Barbarossa als überlebensgroße Figur zeigt.

Es ist sehr erfreulich und motivierend, wenn auch andere in die gleiche Richtung gehen wie wir und zum Beispiel durch einen Brunnen Erinnerungsorte schaffen wollen. Man sollte aber vielleicht am Anfang des 21. Jahrhunderts nicht unbedingt in die Gestaltungssprache des 19. Jahrhunderts zurückgehen. Wir sehen Barbarossa heute nicht mehr so, wie er am Kyffhäuser sitzt, denn diese Figur ist stark nationalistisch geprägt. Es ist dennoch eine entwicklungsfähige Idee, die der Altenburger Heimatverein in Form gegossen hat, die man aber noch einmal zur Diskussion stellen sollte.

Von Ellen Paul

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