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Altenburg Ist Hähnchenmast bei Gleina eine Gefahr für Gesundheit und Trinkwasser?
Region Altenburg Ist Hähnchenmast bei Gleina eine Gefahr für Gesundheit und Trinkwasser?
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05:00 24.11.2016
Von diesem Hochbehälter aus wird Altenburg mit Trinkwasser versorgt. Er würde unmittelbar neben dem Mastbetrieb bei Gleina stehen. Quelle: Foto: Jens Rosenkranz
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Nobitz/Weimar

Könnte das Trinkwasser für Altenburg durch die geplante Hähnchenmast-Anlage bei Gleina mit gesundheitsschädlichen Keimen verseucht werden? Seit sechs Monaten gibt es darauf keine Antwort. Solange ist es her, als bei einem Anhörungstermin in Nobitz besorgte Bürger und Behörden des Baus unmittelbar am Bundeswehrstandort in Gleina ihre Bedenken vorgebracht hatten.

Ein Investor in der Nähe von Ingolstadt will 3,4 Millionen Euro in die Stallanlagen für über 207 000 Tiere investieren. Bürger umliegender Orte und Tier- und Umweltschützer sind dagegen. Eigentlich sollte über eine Genehmigung nach etwa drei Monaten nach der Anhörung am 24. Mai durch das Landesverwaltungsamt entschieden werden.

Das ist immer noch nicht passiert. Petra Freytag, eine Sprecherin der Weimarer Behörde, begründete dies gegenüber OVZ am Mittwoch mit der möglichen Gefährdung eines Trinkwasserhochbehälters der Energie- und Wasserversorgung Altenburg (Ewa) durch gesundheitsschädliches Material, das von dem Mastbetrieb ausgeht. Dabei handelt es sich unter anderem um Bioaerosole wie Bakterien, Viren, Pilze und Allergene. Denn die Tieranlage stünde, falls sie gebaut würde, unmittelbar neben dem 5000 Kubikmeter fassenden Trinkwasser-Tank. Gerd Kerat, der zuständige Fachbereichsleiter der Ewa, hatte zur Anhörung mit einem Satz aufhorchen lassen: „Damit habe ich ein großes Problem.“

„Wir nehmen dies sehr ernst“, sagte Freytag. Deshalb könne man auch nicht sagen, wann eine Entscheidung fällt.

Die Betreiber der Hähnchenmast hatten eine mögliche Gefährdung mehrfach verneint. Dafür hatten sie zwei namhafte Experten in Nobitz auftreten lassen. Zum einen Dr. Wolfgang Dott, den Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Technischen Hochschule Aachen, für den feststeht, dass ab einem Umkreis von 50 Meter um Stallanlagen keine Bioaerosole mehr vorkommen. Zum anderen Dr. Andrea Versteyl, die seit 2010 Richterin am sächsischen Verfassungsgerichtshof ist und seit über 20 Jahren Vorhabenträger in umweltrelevanten Genehmigungsverfahren vertritt. Beide hatten in Nobitz sämtliche Einsprüche – insgesamt 849 – gegen die Hähnchenmastanlage als unbegründet vom Tisch gewischt.

Darunter war auch jene des Klinikums Altenburger Land. Die Geschäftsführung und die Krankenhaushygienikerin hatten ihre Bedenken schon in einem Schreiben vom 23. Dezember 2015 geltend gemacht und sich dabei auf zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen gestützt. Die Einwände, die auch der OVZ vorliegen, besagen, dass in der Stallluft von Hähnchenmastanlagen eine massive Konzentration von Bioaerosolen, Biotoxinen und Keimen vorliegt. Diese werden, abhängig von Windrichtung und -geschwindigkeit mehr als 500 Meter außerhalb des Stalls verbreitet. Biotoxine, also schädliche Substanzen, die von Mikroorganismen, Pilzen, Pflanzen oder Tieren stammen, werden mit dem ausgebrachten Tierkot großflächig verteilt, stellen wegen ihres langen Überdauerns eine erhebliche Gefahr für die Entwicklung von Atemwegserkrankungen dar und sind für bereits erkrankte Menschen umso gefährlicher, heißt es.

Auch Keime könnten beim Transport der gemästeten Tiere in die Umgebung gelangen und dort krankheitsauslösend sein. Außerdem sei der Antibiotikaverbrauch der Intensivtierhaltung in den vergangenen Jahren gestiegen, mit der Folge einer humanmedizinisch hochproblematischen Resistententwicklung bei Bakterien, lautet die Stellungnahme.

In ihrem Schluss wird die Klinik ziemlich deutlich: „In der Gesamtschau der wissenschaftlichen Erkenntnisse führt die geplante Errichtung eines Intensivtierhaltungsstalles für Masthähnchen zu einer gesundheitlichen Gefährdung der Bevölkerung. Wir lehnen daher die Planung ab.“

Von Jens Rosenkranz

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