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Ist der Wolf zurück im Altenburger Land?

Mehrere Sichtungen Ist der Wolf zurück im Altenburger Land?

Es sind Fotos und ein Video, die im Altenburger Land für Aufregung sorgen: Womöglich durchstreift ein Wolf derzeit die Pleißenaue. Naturschützer sind begeistert, betonen aber, dass das Tier noch nicht zweifelsfrei identifiziert ist. Eine Gefahr für die Nutztiere oder gar die Bevölkerung bestünde indes nicht.

Gesichtet wurde das Tier unter anderem bei Haselbach, Serbitz und Fockendorf.
 

Quelle: privat

Treben.  Es sind Fotos mit Sprengkraft, die seit einigen Tagen im Altenburger Land die Runde machen. Zu sehen ist darauf, am Rande eines Rapsfeldes, die prägnante Silhouette eines Tieres. Und viele sind sich nach Ansicht der Bilder sicher: Das ist der Beweis. Dafür, dass der Wolf nach langer Zeit wieder im Kreis gesichtet wurde.

„Für mich persönlich ist diese These sehr wahrscheinlich“, teilt auf Anfrage etwa Mike Jessat, Direktor des Mauritianums in Altenburg mit. Auch ihm liegen die Bilder vor. „Die Silhouette ist sehr typisch, die Rute des Tiers geht nach unten, der Körper ist leicht gedungen, Ohren und Kopfform passen ebenfalls zum ersten Eindruck“, zählt er auf. „Es ist definitiv das bisher schönste Bild eines Wolfs im Altenburger Land.“

Ganz sicher sein, das räumt er auf Nachfrage ein, könne man sich bisher jedoch nicht. „Fachlich sprechen wir derzeit noch von einer sogenannten C3-Beobachtung, also einem Hinweis auf ein wolfsähnliches, hundeartiges Tier“, erklärt Jessat. Um eine sichere Aussage treffen zu können, wäre etwa eine C2-Beobachtung durch eine erfahrene Person oder im besten Falle eine Beobachtung des Grades C1 nötig, die etwa durch eine DNA-Probe zweifelsfrei bestätigt, es mit einem Wolf zu tun zu haben.

Trotzdem: Das Foto ist nicht der einzige Hinweis auf das Tier, der Jessat in den zurückliegenden Tagen erreicht hat. „Es gibt weitere Fotos und auch ein Video“, berichtet er. Erstmals gesichtet worden sei das Tier am 21. Dezember, die letzte bisher bekannte Sichtung sei um Weihnachten herum erfolgt. Daraus lasse sich auch der ungefähre Weg des Vierbeiners nachvollziehen. „Soweit wir wissen, ist es von Haselbach über Regis und Thräna weiter nach Serbitz, Fockendorf und Pahna gezogen. Es hat also mindestens einmal die Pleiße überquert.“

Jessat vermutet, dass es sich bei dem Tier um ein etwa zweijähriges Jungtier handelt, das auf der Abwanderung unterwegs ist. „Womöglich war die Pleißenaue daher auch nur eine Durchgangs-Station, die Region ist nicht so geschützt wie etwa die Lausitz.“ Entsprechend zweifelhaft sei es, ob das Tier überhaupt hier sesshaft werde. Dafür spreche auch, dass bisher Berichte über möglicherweise von dem Wolf gerissene Tiere – sowohl Schafe, als auch Rehe oder Wildschweine – ausgeblieben seien.

Ähnlich äußert sich auch Silvester Tamás, beim Nabu Thüringen zuständig für Wölfe, Luchse und Wildkatzen. „Wir haben seit 2016 immer wieder mal Hinweise auf Sichtungen gehabt, durch die Nähe zu Sachsen auch damit gerechnet, müssen jetzt aber erst einmal abwarten, wie sich die Datenlage weiter entwickelt“, gibt er sich gelassen. Natürlich sei es erfreulich, sollte sich das Tier in der Region niederlassen. „Aber wir sind auch glücklich, wenn wir erfahren, wo die Wölfe entlangziehen.“ Er hofft darauf, dass die Bürger im Kreis die Augen offen halten, wo möglich einen eigenen Schnappschuss des Tieres schießen, und diesen unter Angabe von Zeit und Ort an den Nabu weiterleiten.

Eine gesteigerte Gefahr für Nutztiere oder gar die Bevölkerung sehen die Beteiligten indes nicht. „Das Tier dürfte den Menschen wohl aus dem Weg gehen“, ist sich etwa Fockendorfs Bürgermeister Karsten Jähnig sicher. Generell bleibt das Ortsoberhaupt angesichts einer möglichen Rückkehr des Isegrim betont gelassen. „Über den Waschbär haben wir uns auch nicht gefreut, müssen aber mit ihm leben.“ Mit Panikmache sei niemandem geholfen.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Jähnigs Amtskollege Gerd Reinboth (CDU). „Solange der Wolf nicht auf Tiere oder gar Menschen losgeht, anfängt, bei Schäfern die Herden zu reißen, sehe ich die Situation ganz entspannt“, lässt der Windischleubaer Ortschef wissen.

Ohnehin, das bestätigt auch das zuständige Thüringer Landesamt für Umwelt und Geologie, dürfte der vermeintliche Wolf deutlich mehr Angst vor dem Menschen haben als umgekehrt. Käme es doch einmal zu einer Begegnung, so die Behörde, sei angeraten, laut zu sprechen, sich groß zu machen oder in die Hände zu klatschen. Statt wegzurennen sollte man versuchen, den Wolf einzuschüchtern. Wichtig sei in jedem Fall, das Tier nicht anzufüttern oder Speisereste liegen zu lassen.

Wer Beobachtungen des Wolfs macht, Fotos oder Videos zur Verfügung stellen möchte kann dies entweder beim Mauritianum Altenburg (Parkstraße 1) oder dem Nabu Thüringen unter wolf@nabu-thueringen.de tun.

Von Bastian Fischer

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