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Altenburg Ivy Bieber ist zwei Jahre Integrationsmanagerin im Altenburger Land
Region Altenburg Ivy Bieber ist zwei Jahre Integrationsmanagerin im Altenburger Land
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04:42 17.10.2017
Ivy Bieber ist seit knapp zwei Jahren Integrationsmanagerin im Landkreis Altenburger Land. Quelle: Jens Paul Taubert
Altenburg

Seit fast zwei Jahren ist Ivy Bieber im Landkreis für alle Fragen rund um das Thema Integration zuständig. Als Integrationsmanagerin ist sie Ansprechpartnerin für Geflüchtete, aber auch für Einheimische. „Die Lage in Bezug auf ankommende Flüchtlinge hat sich im Vergleich zum Sommer 2015 entspannt“, sagt sie. Jetzt geht es vor allem darum, die hier lebenden Geflüchteten zu integrieren – Schule, Sprache, Arbeit.

Für Bieber eine Herausforderung, der sie sich gerne stellt. „Wichtig ist mir, dass die Leute sich selbst helfen und nicht erwarten, dass die Behörde alles erledigt“, sagt sie. „Natürlich unterstützen wir, geben Ratschläge und verweisen an die richtigen Ansprechpartner.“ Es sind vor allem Fragen rund um Wohnen, Arbeiten und Schule, mit denen die neuen Einwohner zu der 44-Jährigen kommen. Rund 1200 Geflüchtete sind momentan im Landkreis gemeldet. Und sie alle brauchen mehr oder weniger Unterstützung.

„Das funktioniert natürlich nur mit ehrenamtlichen Helfern, die sich nach wie vor engagieren.“ Zwar sei die Hilfe nicht mehr in dem Umfang vorhanden wie auf dem Zenit der Flüchtlingswelle, finde eher im Hintergrund statt. Dort aber auf einem konstanten Niveau. „Auch viele Geflüchtete, die schon länger hier leben, sich mit bürokratischen Strukturen auskennen und die Sprache gut sprechen, unterstützen uns. Und sind so selbst zu Koordinatoren geworden.“

Bieber selbst kam zur Arbeit mit Geflüchteten durch ein Projekt der Caritas, wo sie als Integrationslotsin ehrenamtlich tätig war. Außerdem kümmerte sie sich im Landkreis Leipzig um die Unterbringung von Flüchtlingen. „Als die Stelle als Migrationsbeauftragte im Altenburger Land ausgeschrieben wurde, habe ich mich natürlich beworben“, so die Altenburgerin.

In ihrem Büro in der Lindenaustraße 10 sind die Wände weiß gestrichen und kahl. „Ich bin lieber draußen unterwegs, als hier im Büro zu sitzen“, sagt sie. „Der Papierkram muss natürlich erledigt werden und auch die Gespräche finden hier vor Ort statt. Aber sonst bin ich viel unterwegs.“ Etwa, wenn sie im Migrationsbeirat sitzt oder wenn sie eine ihrer Mietschulungen abhält (die OVZ berichtete). „Etwa 200 Personen haben mittlerweile daran teilgenommen“, erzählt sie. Darin lernen die Zugezogenen, welche Dinge es als Mieter in Deutschland zu beachten gilt. Wer am Ende die Prüfung besteht, erhält ein Zertifikat. „Für viele Vermieter ist das auch eine Sicherheit, dass sie wissen, dass die neuen Mieter verstehen, worauf sie achten müssen.“

Das Feedback ist durchweg positiv. Auch andere Landkreise – sogar Bundesländer – haben schon angefragt. Dennoch gibt es vor allem aus Altenburg-Nord immer wieder Klagen über Müll auf den Straßen. Sechs Mal ist Bieber schon ausgerückt, hat zusammen mit Anwohnern, Einheimischen und Geflüchteten aufgeräumt. Denn für alles, was sie angeht, gilt: Lieber miteinander als gegeneinander. Denn so könne man Vorbehalte auf beiden Seiten abbauen. „Meine Arbeit ist schön und schwierig“, resümiert sie.

Ans Aufgeben hat sie bisher noch nicht gedacht und hat auch schon weitere Ideen in petto, wie das Zusammenleben der Kulturen immer besser gelingen kann. „Als nächstes möchte ich ein Integrationskonzept erarbeiten. Darin möchte ich konkrete Handlungsweisen vorgeben. Wer ist für was zuständig? An wen wende ich mich? Außerdem Richtlinien für Träger und Ehrenamtliche.“

Eine weitere Idee, die kurz vor der Umsetzung steht: Gemeinsam mit den Schulen im Landkreis und den Eltern von Geflüchteten ins Gespräch kommen. „Dazu wird eine problembezogene Schulung für die Flüchtlings-Eltern erarbeitet. Sie sollen, ebenso wie ihre Kinder, verstehen und wissen, wie der Alltag in den Schulen aussieht und was es zu beachten gilt.“

Dass Integration nicht in zwei Jahren zu schaffen ist, sondern einige Zeit in Anspruch nehmen wird, darüber macht sie sich keine Illusionen. „Es sind so viele Vorgaben, an die sich die Flüchtlinge halten müssen. Sie kommen her und wollen arbeiten, aber bevor sie das können, müssen sie eben einige Vorgaben erfüllen – so ist das in Deutschland – dazu gehört zum Beispiel ein Sprachkurs.“

Über ihre Motivation für diese aufreibende Arbeit sagt sie: „Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen und nehme die Herausforderung an, mich auf unbekannten Feldern zu entfalten und nicht auf eingelaufenen Wegen. Ich möchte gemeinsam mit den Akteuren vor Ort Strukturen schaffen, wo es noch keine gibt.“

Von Tatjana Kulpa

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